Zertifikate & Qualifikationen

Versicherungsmakler/in-Zertifikate: Welche wirklich zählen

Im Maklergeschäft sind bestimmte Qualifikationen gesetzlich vorgeschrieben — ohne § 34d-Sachkunde keine Maklertätigkeit. Darüber hinaus signalisieren Weiterbildungen fachliche Tiefe und öffnen Türen zu gehobenen Positionen bei Industriemaklern und spezialisierten Maklerhäusern.

Zertifizierungen im Überblick

IHK-Sachkundeprüfung Versicherungsvermittler (§ 34d GewO)

IHK (Prüfung) | Vorbereitungskurse: BWV (Berufsbildungswerk der Deutschen Versicherungswirtschaft), Going Public, diverse Bildungsträger

Türöffner

Gesetzliche Mindestvoraussetzung für die Tätigkeit als Versicherungsmakler. Die Prüfung deckt Versicherungsrecht (VVG), Spartenwissen (Sach, Leben, Kranken), Beratungspflichten und regulatorische Grundlagen ab. Ohne bestandene Sachkundeprüfung ist keine Erlaubnis nach § 34d GewO möglich.

Kosten

ca. 300–400 EUR IHK-Prüfungsgebühr + 800–2.500 EUR Vorbereitungskurs

Dauer

3–6 Monate Vorbereitung (berufsbegleitend) + Prüfung

Voraussetzung

Keine formale Voraussetzung für die Prüfung. Für die Erlaubnis nach § 34d GewO zusätzlich: Zuverlässigkeit, geordnete Vermögensverhältnisse, Berufshaftpflichtversicherung.

Fachwirt/-in für Versicherungen und Finanzen (IHK)

IHK (Prüfung) | BWV, DVA (Deutsche Versicherungsakademie), IHK-Bildungszentren

Türöffner

Die klassische Aufstiegsfortbildung in der Versicherungsbranche (DQR-Stufe 6, Bachelor-Niveau). Qualifiziert für Führungspositionen, Spezialistenrollen und die Leitung eigener Maklerbüros. Im Maklergeschäft wird der Fachwirt für Positionen mit Personalverantwortung oder Großkundenbetreuung häufig vorausgesetzt.

Kosten

3.500–6.500 EUR (Lehrgang) + ca. 400 EUR IHK-Prüfungsgebühr | Aufstiegs-BAföG: bis zu 75 % Förderung

Dauer

18–24 Monate berufsbegleitend

Voraussetzung

Abgeschlossene Ausbildung als Versicherungskaufmann/-frau + 1 Jahr Berufserfahrung ODER 5 Jahre Berufserfahrung in der Versicherungsbranche

Geprüfte/r Versicherungsfachmann/-frau (IHK) / (BWV)

IHK (Prüfung) | BWV, diverse Bildungsträger

Klarer Vorteil

Praxisnahe Qualifikation, die breitere Spartenkenntnisse vermittelt als die reine Sachkundeprüfung. Für Quereinsteiger ein sinnvoller Zwischenschritt auf dem Weg zum Fachwirt. Wird von vielen Maklerbüros als Mindestqualifikation für eigenständige Kundenbetreuung anerkannt.

Kosten

ca. 2.000–4.000 EUR (Lehrgang) + ca. 250 EUR IHK-Prüfungsgebühr

Dauer

6–12 Monate berufsbegleitend

Voraussetzung

IHK-Sachkunde § 34d oder vergleichbare Vorqualifikation

Spezialistenzertifikate der DVA (Deutsche Versicherungsakademie)

DVA (Deutsche Versicherungsakademie), Teil des BWV

Klarer Vorteil

Die DVA bietet Spezialistenzertifikate in einzelnen Sparten: Cyber-Versicherung, Transportversicherung, bAV-Spezialist, Gewerbeversicherung. Für Makler mit Spezialisierungswunsch sind diese Zertifikate ein fachlicher Nachweis, der bei Industriemaklern und spezialisierten Maklerbüros geschätzt wird.

Kosten

ca. 1.500–3.000 EUR pro Zertifikat

Dauer

2–4 Wochen pro Zertifikat (berufsbegleitend oder in Seminarblöcken)

Voraussetzung

Grundqualifikation in der Versicherungsbranche (Ausbildung oder Sachkunde), idealerweise mit Berufserfahrung

Certified Insurance Broker (CIB) — Fachakademie für Versicherungsmakler

BDVM (Bundesverband Deutscher Versicherungsmakler) in Kooperation mit Bildungsträgern

Nice-to-have

Speziell auf die Maklertätigkeit zugeschnittene Weiterbildung, die Maklerrecht, Haftung, Kundenmanagement und Unternehmensführung kombiniert. Für Makler, die ein eigenes Büro gründen oder leiten wollen, eine praxisnahe Qualifikation. Wird vom Branchenverband BDVM anerkannt.

Kosten

ca. 3.000–5.000 EUR

Dauer

6–12 Monate berufsbegleitend

Voraussetzung

Versicherungsausbildung oder § 34d-Sachkunde + mindestens 2 Jahre Berufserfahrung im Maklergeschäft

In Stellenanzeigen wird oft „PMP wünschenswert“ oder „Zertifizierung erforderlich“ formuliert — aber was davon ist wirklich Muss? Unser Stellenanzeigen-Decoder entschlüsselt die Anforderungen.

Zeugnisse & Referenzen: Was zählt

Wichtige Tätigkeitsnachweise im Zeugnis

Eigenverantwortliche Betreuung eines Versicherungsbestands mit Angabe des Bestandsvolumens (Jahresprämie, Kundenzahl)
Durchführung von Risikoanalysen und Erstellung von Deckungskonzepten für Gewerbe- oder Industriekunden
Verhandlung von Konditionen und Sondervereinbarungen mit Versicherungsgesellschaften
Eigenständige Schadenbearbeitung: Schadenmeldung, Verhandlung mit Regulierern, Kundenkommunikation
Neukundenakquise mit konkreten Ergebnissen (Anzahl gewonnener Kunden, Prämienvolumen)

Positive Formulierungen

"betreute eigenverantwortlich einen Kundenbestand von X Gewerbekunden mit einem Jahresprämienvolumen von Y EUR"
"akquirierte im Zeitraum X insgesamt Y Neukunden und steigerte den Bestand um Z %"
"verhandelte Sonderkonditionen mit führenden Versicherern und erzielte Prämienersparnisse von X % für Kunden"
"regulierte eigenständig Schadenfälle bis zu einem Volumen von X EUR und wurde von Kunden für die schnelle und professionelle Abwicklung geschätzt"

Red-Flag-Formulierungen

"bearbeitete Versicherungsanträge nach Vorgaben" — reine Sachbearbeitung ohne eigenständige Beratung
"war stets bemüht, die Kundenerwartungen zu erfüllen" — Arbeitszeugnis-Code für unzureichende Leistung
"unterstützte die Kollegen bei der Bestandsbetreuung" — keine eigenverantwortliche Tätigkeit
"hielt die IDD-Weiterbildungspflichten ein" — Minimum statt Eigeninitiative bei der fachlichen Entwicklung

Du überlegst den Quereinstieg ins Projektmanagement? Unser Guide Quereinstieg als Versicherungsmakler/in zeigt dir, welche Zertifizierungen für deinen Hintergrund am sinnvollsten sind.

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Häufige Fragen zu Versicherungsmakler/in-Zertifikaten

Welche Weiterbildung lohnt sich für Versicherungsmakler am meisten?

Der Fachwirt für Versicherungen und Finanzen (IHK) ist die strategisch beste Investition: DQR-Stufe 6 (Bachelor-Niveau), bis zu 75 % Förderung durch Aufstiegs-BAföG und Voraussetzung für Führungspositionen im Maklergeschäft. Für Spezialisten lohnen sich DVA-Spartenzertifikate, besonders in Wachstumssegmenten wie Cyber oder D&O.

Reicht die § 34d-Sachkunde für den gesamten Berufsweg?

Als regulatorische Grundlage ja, aber für die Karriere nicht. Die Sachkunde ist die Eintrittskarte — für eigenverantwortliche Kundenbetreuung, Personalverantwortung oder den Aufstieg zum Partner brauchst du den Fachwirt oder vergleichbare Weiterbildungen. Außerdem schreibt die IDD mindestens 15 Stunden Weiterbildung pro Jahr vor.

Gibt es Förderung für die Weiterbildung als Versicherungsmakler?

Ja, der Fachwirt für Versicherungen und Finanzen (IHK) wird durch Aufstiegs-BAföG mit bis zu 75 % der Lehrgangs- und Prüfungskosten gefördert — einkommensunabhängig. Viele Arbeitgeber übernehmen zusätzlich Kosten oder stellen für Prüfungen frei. Die IDD-Pflichtweiterbildung (15 Stunden/Jahr) wird in der Regel vom Arbeitgeber bezahlt und organisiert.

Lohnt sich der CIB (Certified Insurance Broker)?

Ja, wenn du eine Führungsrolle in einem Maklerbüro anstrebst oder dich selbstständig machen willst. Der CIB vermittelt spezifisch maklerbezogene Inhalte (Haftungsrecht, Büroorganisation, Bestandsbewertung), die der allgemeine Fachwirt nicht abdeckt. Die Kosten von 3.000–5.000 EUR sind moderat und können als Betriebsausgabe absetzbar sein.

Welche Spartenspezialisierung ist am gefragtesten?

Cyber-Versicherung ist das am stärksten wachsende Segment — Fachleute sind extrem gefragt und werden überdurchschnittlich vergütet. D&O (Managerhaftpflicht) und bAV (betriebliche Altersvorsorge) sind ebenfalls Spezialisierungen mit hoher Nachfrage. Im Industriebereich sind Transport- und Technikversicherung Nischen mit wenig Konkurrenz und attraktiven Courtagen.

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