Zertifikate & Qualifikationen

Schweißer-Zertifikate: Welche wirklich zählen

Für Schweißer sind die Schweißerprüfungen nach EN ISO 9606 der zentrale Qualifikationsnachweis — ohne sie darfst du keine tragenden Nähte herstellen. Die Prüfungen sind modular aufgebaut: jedes Verfahren, jeder Werkstoff und jede Position wird einzeln zertifiziert. Hier erfährst du, welche Prüfungen und Weiterbildungen dein Profil stärken.

Zertifizierungen im Überblick

DVS-Schweißerprüfung / EN ISO 9606-1 (Stahl) bzw. -2 (Aluminium)

DVS-Schweißkursstätten, SLV (Schweißtechnische Lehr- und Versuchsanstalten), TÜV, DEKRA

Türöffner

Die Schweißerprüfung nach EN ISO 9606 ist DER Qualifikationsnachweis für Schweißer — ohne sie keine qualifizierten Schweißarbeiten an tragenden Konstruktionen. Die Prüfung ist verfahrens-, werkstoff- und positionsspezifisch. Jede bestandene Prüfung gilt 3 Jahre und muss verlängert werden.

Kosten

ca. 200–600 Euro pro Prüfung; Vorbereitungskurs 1.500–4.000 Euro (per Bildungsgutschein förderbar)

Dauer

Prüfung: 1 Tag; Vorbereitungskurs: 2–8 Wochen je Verfahren

Voraussetzung

Keine formalen Voraussetzungen — nur praktisches Können zählt

EN ISO 9606-1 Zertifikat — Verfahrensspezifische Prüfung (MAG/WIG/E-Hand)

DVS, SLV, TÜV, DEKRA — alle nach EN ISO 9606 akkreditierten Prüfstellen

Türöffner

Jedes Schweißverfahren erfordert eine eigene Prüfung. MAG (135/136) ist die Basis, WIG (141) die Premium-Qualifikation, E-Hand (111) die Montage-Qualifikation. Je mehr Verfahren und Positionen du abdeckst, desto breiter ist dein Einsatzspektrum und desto höher dein Marktwert.

Kosten

ca. 200–600 Euro pro Prüfung (jedes Verfahren/jede Position separat)

Dauer

Prüfung: halber bis ganzer Tag je Verfahren/Position

Voraussetzung

Praktische Erfahrung im jeweiligen Verfahren

WIG/MAG/E-Hand-Kombinations-Prüfung (Mehrfachqualifikation)

DVS-Schweißkursstätten, SLV

Klarer Vorteil

Kombinations-Prüfungen in mehreren Verfahren (z. B. WIG-Wurzel + MAG-Auffüllung) sind besonders im Rohrleitungsbau und Anlagenbau wertvoll. Sie zeigen Vielseitigkeit und qualifizieren für anspruchsvollere Aufgaben. Rohrschweißer mit WIG/E-Hand-Kombination gehören zu den bestbezahlten Schweißern.

Kosten

ca. 400–800 Euro (Kombinationsprüfung)

Dauer

1 Tag Prüfung; Vorbereitung je nach Erfahrungsniveau

Voraussetzung

Erfahrung in beiden Verfahren, idealerweise bestehende Einzelprüfungen

DVS-IIW International Welding Practitioner (Schweißpraktiker)

DVS — Deutscher Verband für Schweißen und verwandte Verfahren

Klarer Vorteil

Der DVS-IIW Schweißpraktiker ist eine international anerkannte Qualifikation, die über die reine Schweißerprüfung hinausgeht. Sie vermittelt theoretisches Wissen in Werkstoffkunde, Schweißtechnik und Qualitätssicherung. Die Qualifikation ist der erste Schritt zum Schweißfachmann (International Welding Specialist).

Kosten

ca. 1.500–3.000 Euro

Dauer

2–4 Wochen Vollzeit oder 2–3 Monate berufsbegleitend

Voraussetzung

Schweißerfahrung und mindestens eine gültige Schweißerprüfung

DVS-IIW International Welding Specialist (Schweißfachmann)

DVS, SLV (Schweißtechnische Lehr- und Versuchsanstalten)

Klarer Vorteil

Der Schweißfachmann (IWS) qualifiziert für die Schweißaufsicht nach DIN EN ISO 14731 — du überwachst Schweißarbeiten und prüfst WPS-Einhaltung. Es ist der Karrieresprung vom Schweißer in die Schweißkoordination mit höherem Gehalt und weniger körperlicher Belastung.

Kosten

ca. 3.000–6.000 Euro

Dauer

4–6 Monate berufsbegleitend oder 3–4 Wochen Vollzeit

Voraussetzung

Abgeschlossene Metallausbildung + mindestens 2 Jahre Schweißerfahrung

Sachkunde thermisches Schneiden (Autogen/Plasma)

DVS-Schweißkursstätten, Berufsgenossenschaften, Bildungsträger

Nice-to-have

Thermisches Schneiden (Autogen, Plasma, CNC-Brennschneiden) ist eine häufige Ergänzungskompetenz für Schweißer. Die formale Sachkunde ist nicht immer gesetzlich vorgeschrieben, zeigt aber qualifiziertes Können und erweitert dein Einsatzspektrum in der Werkstatt und auf Baustellen.

Kosten

ca. 500–1.500 Euro

Dauer

1–2 Wochen

Voraussetzung

Grundkenntnisse im Umgang mit Brennschneidgeräten

In Stellenanzeigen wird oft „PMP wünschenswert“ oder „Zertifizierung erforderlich“ formuliert — aber was davon ist wirklich Muss? Unser Stellenanzeigen-Decoder entschlüsselt die Anforderungen.

Zeugnisse & Referenzen: Was zählt

Wichtige Tätigkeitsnachweise im Zeugnis

Eigenverantwortliches Schweißen nach Schweißanweisungen (WPS) in den Verfahren MAG, WIG und/oder E-Hand
Schweißen in verschiedenen Positionen (PA bis PE) an Blechen, Profilen und Rohren
Fugenvorbereitung, Heften und Nachbearbeitung von Schweißnähten
Sichtprüfung und Dokumentation der Schweißergebnisse nach Qualitätsvorgaben
Montage- und Reparaturschweißungen an Stahlkonstruktionen und Anlagen

Positive Formulierungen

„schweißte eigenverantwortlich tragende Konstruktionen nach WPS in den Verfahren MAG und WIG (EN ISO 9606)"
„führte Rohrschweißungen an Edelstahl-Rohrleitungen (DN50–DN300) mit WIG-Wurzel und MAG-Auffüllung durch"
„erreichte eine Erstabnahme-Rate von über 95 % bei Röntgenprüfung der Schweißnähte"
„arbeitete selbstständig auf Montagebaustellen in Zwangslagen (PF, PE) an Stahlkonstruktionen"

Red-Flag-Formulierungen

„bediente Schweißgerät nach Einweisung" — klingt nach Helfer, nicht qualifiziertem Schweißer
„unterstützte bei Schweißarbeiten" — unklar, ob eigenständig oder nur Zuarbeit (Heften, Schleifen)
„zeigte Bemühen um saubere Nähte" — Code für unzureichende Schweißqualität
„war im Bereich Metallbearbeitung eingesetzt" — keine Aussage über Schweißkompetenz

Du überlegst den Quereinstieg ins Projektmanagement? Unser Guide Quereinstieg als Schweißer zeigt dir, welche Zertifizierungen für deinen Hintergrund am sinnvollsten sind.

Du hast bereits Zertifizierungen und Erfahrung? Der Talent Report analysiert, wie deine Qualifikationen bei Arbeitgebern ankommen — und wo du noch nachlegen kannst.

Häufige Fragen zu Schweißer-Zertifikaten

Welche Schweißerprüfung ist am wertvollsten?

WIG (Prozess 141) auf Edelstahl in Zwangslagen (PF/PE) ist die wertvollste Einzelprüfung — sie qualifiziert für die bestbezahlten Schweißer-Stellen. Für den Einstieg ist MAG (Prozess 135) auf Stahl in PA/PB am wichtigsten — damit findest du überall Arbeit.

Wie oft muss ich Schweißerprüfungen verlängern?

Alle 3 Jahre — entweder durch Wiederholungsprüfung oder durch Nachweis regelmäßiger Schweißtätigkeit (halbjährliche Bestätigung des Arbeitgebers). Lass dir die halbjährlichen Bestätigungen nicht entgehen — ohne sie musst du die gesamte Prüfung neu ablegen.

Lohnt sich der DVS-Schweißfachmann?

Ja — der Schweißfachmann (IWS) ist der Karrieresprung vom Schweißer in die Schweißaufsicht. Du verdienst mehr, arbeitest weniger körperlich und übernimmst Verantwortung für Schweißqualität. Besonders wertvoll für Schweißer, die langfristig nicht bis zur Rente am Schweißgerät stehen wollen.

Bezahlen Arbeitgeber die Schweißerprüfungen?

Viele Betriebe bezahlen Schweißerprüfungen und Vorbereitungskurse — insbesondere wenn sie bestimmte Verfahren und Positionen für ihre Projekte brauchen. Kläre im Vorstellungsgespräch, ob der Arbeitgeber Prüfungskosten und Verlängerungen übernimmt. Bei Fachkräftemangel investieren Betriebe großzügig.

Welche Weiterbildung empfiehlst du nach den ersten Prüfungen?

Sofort: Weitere Verfahren und Positionen prüfen lassen — jede zusätzliche Prüfung erweitert dein Einsatzspektrum. Mittelfristig: DVS-IIW Schweißpraktiker für theoretische Fundierung. Langfristig: DVS-Schweißfachmann für Schweißaufsicht und Karriere jenseits der Werkbank.

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