Berufsprofil: Schweißer
Schweißer verbinden Metalle dauerhaft durch thermische Verfahren — MAG, WIG, E-Hand, Autogen und weitere Prozesse. Schweißer ist kein eigenständiger Ausbildungsberuf, sondern eine Spezialisierung innerhalb von Metallberufen (Konstruktionsmechaniker, Metallbauer, Anlagenmechaniker). Die Qualifikation erfolgt über modulare Schweißerprüfungen nach EN ISO 9606, die verfahrens-, werkstoff- und positionsspezifisch abgelegt werden. Schweißer arbeiten in nahezu jeder Metallindustrie.
Top 5 Aufgaben
Typische Branchen
Hard Skills
- Schweißverfahren: MAG (135/136), WIG (141), E-Hand (111) — zertifiziert nach EN ISO 9606
- Werkstoffkenntnisse: Baustahl, Feinkornstahl, Edelstahl (austenitisch/ferritisch), Aluminium
- Schweißpositionen: PA (Wannenlage) bis PE (Überkopf) und Rohrstutzen
- Thermisches Schneiden: Autogen, Plasma, CNC-Brennschneiden
- Schweißnahtvorbereitung und Wärmebehandlung (Vorwärmen, Zwischenlagentemperatur)
Soft Skills
- Höchste Konzentration und ruhige Hand über lange Schweißstrecken
- Sorgfalt und Qualitätsbewusstsein bei sicherheitsrelevanten Nähten
- Körperliche Belastbarkeit (Hitze, Rauch, Zwangshaltungen)
- Flexibilität bei wechselnden Einsatzorten und Montagetätigkeit
- Teamfähigkeit in Werkstatt- und Montagemannschaften
Arbeitsumfeld: Werkstatt: Schweißen an festen Arbeitsplätzen mit Absaugung, Vorrichtungen und Drehvorrichtungen. Baustelle: Montageschweißen unter erschwerten Bedingungen — Höhe, Enge, Witterung. Industrie: Reparatur- und Instandhaltungsschweißen in laufenden Anlagen. Die Arbeit ist körperlich anspruchsvoll (Hitze, Rauch, Lärm, Schutzkleidung). Arbeitszeiten variieren — Werkstatt meist Einschicht oder Zweischicht, Montage oft mit Überstunden und Wochenendeinsätzen.
Arbeitsmarkt-Lage: Schweißer
Schweißer gehören zu den am stärksten nachgefragten Fachkräften in der gesamten Metallindustrie. Der Mangel an qualifizierten Schweißern betrifft alle Branchen — von Stahlbau über Anlagenbau bis zur Instandhaltung. Besonders WIG-Schweißer für Edelstahl und Rohrschweißer für den Kraftwerksbau sind extrem gesucht. Die Energiewende (Windkraft, Wasserstoff) treibt die Nachfrage zusätzlich.
Top-Regionen
Das Ruhrgebiet ist die traditionelle Schweiß-Hochburg mit Stahlbau, Anlagenbau und Instandhaltung. Hamburg bietet Schiffbau und Offshore. Stuttgart und Mannheim sind stark in Anlagen- und Fahrzeugbau. In der Schweiz (Basel: Pharma-Anlagenbau, Zürich: Maschinenbau) sind Schweißer-Gehälter 50–80 % höher als in Deutschland.
Zertifikate für Schweißer: welche zählen
Für Schweißer sind die Schweißerprüfungen nach EN ISO 9606 der zentrale Qualifikationsnachweis — ohne sie darfst du keine tragenden Nähte herstellen. Die Prüfungen sind modular aufgebaut: jedes Verfahren, jeder Werkstoff und jede Position wird einzeln zertifiziert. Hier erfährst du, welche Prüfungen und Weiterbildungen dein Profil stärken.
Von 6 verbreiteten Zertifikaten für Schweißer gelten 2 als Türöffner — ohne sie kommst du bei vielen Stellen nicht in die engere Auswahl. Der Rest verbessert die Ausgangslage, entscheidet aber nicht.
DVS-Schweißerprüfung / EN ISO 9606-1 (Stahl) bzw. -2 (Aluminium)
DVS-Schweißkursstätten, SLV (Schweißtechnische Lehr- und Versuchsanstalten), TÜV, DEKRA
Die Schweißerprüfung nach EN ISO 9606 ist DER Qualifikationsnachweis für Schweißer — ohne sie keine qualifizierten Schweißarbeiten an tragenden Konstruktionen. Die Prüfung ist verfahrens-, werkstoff- und positionsspezifisch. Jede bestandene Prüfung gilt 3 Jahre und muss verlängert werden.
ca. 200–600 Euro pro Prüfung; Vorbereitungskurs 1.500–4.000 Euro (per Bildungsgutschein förderbar)
Prüfung: 1 Tag; Vorbereitungskurs: 2–8 Wochen je Verfahren
Keine formalen Voraussetzungen — nur praktisches Können zählt
EN ISO 9606-1 Zertifikat — Verfahrensspezifische Prüfung (MAG/WIG/E-Hand)
DVS, SLV, TÜV, DEKRA — alle nach EN ISO 9606 akkreditierten Prüfstellen
Jedes Schweißverfahren erfordert eine eigene Prüfung. MAG (135/136) ist die Basis, WIG (141) die Premium-Qualifikation, E-Hand (111) die Montage-Qualifikation. Je mehr Verfahren und Positionen du abdeckst, desto breiter ist dein Einsatzspektrum und desto höher dein Marktwert.
ca. 200–600 Euro pro Prüfung (jedes Verfahren/jede Position separat)
Prüfung: halber bis ganzer Tag je Verfahren/Position
Praktische Erfahrung im jeweiligen Verfahren
WIG/MAG/E-Hand-Kombinations-Prüfung (Mehrfachqualifikation)
DVS-Schweißkursstätten, SLV
Kombinations-Prüfungen in mehreren Verfahren (z. B. WIG-Wurzel + MAG-Auffüllung) sind besonders im Rohrleitungsbau und Anlagenbau wertvoll. Sie zeigen Vielseitigkeit und qualifizieren für anspruchsvollere Aufgaben. Rohrschweißer mit WIG/E-Hand-Kombination gehören zu den bestbezahlten Schweißern.
ca. 400–800 Euro (Kombinationsprüfung)
1 Tag Prüfung; Vorbereitung je nach Erfahrungsniveau
Erfahrung in beiden Verfahren, idealerweise bestehende Einzelprüfungen
DVS-IIW International Welding Practitioner (Schweißpraktiker)
DVS — Deutscher Verband für Schweißen und verwandte Verfahren
Der DVS-IIW Schweißpraktiker ist eine international anerkannte Qualifikation, die über die reine Schweißerprüfung hinausgeht. Sie vermittelt theoretisches Wissen in Werkstoffkunde, Schweißtechnik und Qualitätssicherung. Die Qualifikation ist der erste Schritt zum Schweißfachmann (International Welding Specialist).
ca. 1.500–3.000 Euro
2–4 Wochen Vollzeit oder 2–3 Monate berufsbegleitend
Schweißerfahrung und mindestens eine gültige Schweißerprüfung
DVS-IIW International Welding Specialist (Schweißfachmann)
DVS, SLV (Schweißtechnische Lehr- und Versuchsanstalten)
Der Schweißfachmann (IWS) qualifiziert für die Schweißaufsicht nach DIN EN ISO 14731 — du überwachst Schweißarbeiten und prüfst WPS-Einhaltung. Es ist der Karrieresprung vom Schweißer in die Schweißkoordination mit höherem Gehalt und weniger körperlicher Belastung.
ca. 3.000–6.000 Euro
4–6 Monate berufsbegleitend oder 3–4 Wochen Vollzeit
Abgeschlossene Metallausbildung + mindestens 2 Jahre Schweißerfahrung
Sachkunde thermisches Schneiden (Autogen/Plasma)
DVS-Schweißkursstätten, Berufsgenossenschaften, Bildungsträger
Thermisches Schneiden (Autogen, Plasma, CNC-Brennschneiden) ist eine häufige Ergänzungskompetenz für Schweißer. Die formale Sachkunde ist nicht immer gesetzlich vorgeschrieben, zeigt aber qualifiziertes Können und erweitert dein Einsatzspektrum in der Werkstatt und auf Baustellen.
ca. 500–1.500 Euro
1–2 Wochen
Grundkenntnisse im Umgang mit Brennschneidgeräten
Zeugnisse & Referenzen: was zählt
Wichtige Tätigkeitsnachweise im Zeugnis
Positive Formulierungen
Red-Flag-Formulierungen
Häufige Fragen zu Schweißer-Zertifikaten
Welche Schweißerprüfung ist am wertvollsten?
WIG (Prozess 141) auf Edelstahl in Zwangslagen (PF/PE) ist die wertvollste Einzelprüfung — sie qualifiziert für die bestbezahlten Schweißer-Stellen. Für den Einstieg ist MAG (Prozess 135) auf Stahl in PA/PB am wichtigsten — damit findest du überall Arbeit.
Wie oft muss ich Schweißerprüfungen verlängern?
Alle 3 Jahre — entweder durch Wiederholungsprüfung oder durch Nachweis regelmäßiger Schweißtätigkeit (halbjährliche Bestätigung des Arbeitgebers). Lass dir die halbjährlichen Bestätigungen nicht entgehen — ohne sie musst du die gesamte Prüfung neu ablegen.
Lohnt sich der DVS-Schweißfachmann?
Ja — der Schweißfachmann (IWS) ist der Karrieresprung vom Schweißer in die Schweißaufsicht. Du verdienst mehr, arbeitest weniger körperlich und übernimmst Verantwortung für Schweißqualität. Besonders wertvoll für Schweißer, die langfristig nicht bis zur Rente am Schweißgerät stehen wollen.
Bezahlen Arbeitgeber die Schweißerprüfungen?
Viele Betriebe bezahlen Schweißerprüfungen und Vorbereitungskurse — insbesondere wenn sie bestimmte Verfahren und Positionen für ihre Projekte brauchen. Kläre im Vorstellungsgespräch, ob der Arbeitgeber Prüfungskosten und Verlängerungen übernimmt. Bei Fachkräftemangel investieren Betriebe großzügig.
Welche Weiterbildung empfiehlst du nach den ersten Prüfungen?
Sofort: Weitere Verfahren und Positionen prüfen lassen — jede zusätzliche Prüfung erweitert dein Einsatzspektrum. Mittelfristig: DVS-IIW Schweißpraktiker für theoretische Fundierung. Langfristig: DVS-Schweißfachmann für Schweißaufsicht und Karriere jenseits der Werkbank.
Was in diesem Beruf verdient wird: Gehalt als Schweißer — 46.960 € Median (Destatis 2025) · zum Berufsstart: Einstiegsgehalt ab 3.647 €/Monat
Dein Weg zum Schweißer-Job
Quereinstieg
Wie realistisch ist der Einstieg als Schweißer ohne klassischen Werdegang? Pfade, Zeitaufwand und was wirklich zählt.
Stellenanzeigen richtig lesen
Was Anforderungen in Schweißer-Stellenanzeigen wirklich bedeuten — und wann du dich trotzdem bewerben solltest.
Zertifikate & Qualifikationen
Amtliche Gehaltsspanne für Schweißer und wie Zertifikatsanforderungen in Stellenanzeigen gemeint sind.
Bewerbung als Schweißer: weitere Schritte
Destatis 2025: Median, Niveau-Spanne und Einstiegsgehalt mit Quelle
Typische Fragen, STAR-Methode und Vorbereitung
Kernkompetenzen, häufige Fehler und ein starker Einstieg
Formulierungen richtig deuten und Bewertungen einordnen
Verwandte Berufe
Diese Berufe teilen sich viele Anforderungen mit Schweißer — ein Blick lohnt sich, wenn du deine Suche breiter aufstellen willst.
Häufige Fragen zum Beruf Schweißer
Wie ist die Arbeitsmarktlage für Schweißer?
Hervorragend — Schweißer gehören zu den am stärksten nachgefragten Fachkräften in Deutschland. Der Mangel ist so akut, dass Betriebe Prämien, Firmenwagen und übertarifliche Bezahlung bieten. Besonders WIG-Schweißer (Edelstahl) und Rohrschweißer sind extrem gefragt.
Welches Gehalt kann ich als Schweißer erwarten?
MAG-Schweißer in der Werkstatt starten bei ca. 30.000–36.000 Euro brutto/Jahr. WIG-Schweißer mit Edelstahlerfahrung verdienen 38.000–48.000 Euro. Rohrschweißer im Kraftwerksbau oder Offshore-Schweißer können 50.000–70.000 Euro und mehr erreichen — mit Montagezulagen und Schichtzuschlägen. In der Schweiz liegen die Gehälter nochmals 50–80 % höher.
Ist Schweißer ein eigenständiger Ausbildungsberuf?
Nein — es gibt keinen Ausbildungsberuf „Schweißer". Schweißen ist eine Spezialisierung innerhalb von Metallberufen (Konstruktionsmechaniker, Metallbauer, Anlagenmechaniker). Die Qualifikation erfolgt über modulare Schweißerprüfungen nach EN ISO 9606, die unabhängig vom Berufsabschluss abgelegt werden können.
Welches Schweißverfahren sollte ich lernen?
MAG (Prozess 135) ist das meistverbreitete Verfahren — damit findest du überall Arbeit. WIG (Prozess 141) ist die Königsdisziplin und wird für Edelstahl, Dünnblech und Rohrleitungen benötigt — WIG-Schweißer verdienen mehr. E-Hand (Prozess 111) ist für Montage und Baustelle wichtig. Idealerweise: MAG als Basis + WIG oder E-Hand als Spezialisierung.
Brauche ich einen Berufsabschluss, um als Schweißer zu arbeiten?
Formal nein — Schweißerprüfungen nach EN ISO 9606 können ohne Berufsabschluss abgelegt werden. In der Praxis stellen viele Betriebe Schweißer mit Prüfungen, aber ohne Ausbildungsabschluss ein. Langfristig empfiehlt sich jedoch ein IHK-Abschluss (z. B. Konstruktionsmechaniker) für bessere Karrierechancen und Tarifeingruppierung.
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