Anforderungen entschlüsselt
„MAG-Schweißer (Prozess 135) mit gültiger Prüfung nach EN ISO 9606“
MussBedeutung: Du schweißt mit Metallic Active Gas (Schutzgas-Schweißen mit abschmelzender Drahtelektrode).
Für Schweißer: MAG ist das Standardverfahren im Stahlbau und in der Fertigung. Prozess 135 (Massivdraht) und 136 (Fülldraht) sind die beiden Varianten. Die Prüfung nach EN ISO 9606 zertifiziert Verfahren, Werkstoff, Blechdicke und Position. Achte darauf, welche Positionen (PA bis PE) gefordert werden.
„WIG-Schweißer (Prozess 141) für Edelstahl und/oder Aluminium“
MussBedeutung: Du schweißt mit Wolfram-Inertgas — das anspruchsvollste manuelle Schweißverfahren.
Für Schweißer: WIG-Schweißen erfordert beidhändiges Arbeiten (Brennerführung + Drahtzugabe) und wird für hochwertige Nähte an Edelstahl, Aluminium und Dünnblech eingesetzt. WIG-Schweißer verdienen mehr und haben bessere Stellen. Wenn du WIG beherrschst, bist du in der Champions League.
„E-Hand-Schweißer (Prozess 111) für Montageschweißungen“
MussBedeutung: Du schweißt mit umhüllter Stabelektrode — das robusteste Verfahren für Baustellen.
Für Schweißer: E-Hand (Lichtbogenhandschweißen) ist wind- und wetterunempfindlich und deshalb das Standard-Montageverfahren. Es ist technisch anspruchsvoll (Schlackenführung, Elektrodenwechsel) und wird besonders im Rohrleitungsbau, Kraftwerksbau und auf Offshore-Baustellen gefragt.
„Schweißen in Zwangslagen (PF, PG, PE)“
MussBedeutung: Du schweißt nicht nur in Wannenlage (PA), sondern auch vertikal, horizontal und überkopf.
Für Schweißer: Zwangslagen (steigend PF, fallend PG, Überkopf PE) kommen auf Baustellen und bei Rohrleitungen ständig vor. Prüfungen in Zwangslagen sind wertvoller als PA/PB-Prüfungen — sie qualifizieren automatisch auch für einfachere Positionen. Übe Zwangslagen gezielt vor der Prüfung.
„Erfahrung mit austenitischen Edelstählen (CrNi)“
KannBedeutung: Du schweißt nicht-rostende Stähle — typisch im Anlagen-, Apparate- und Lebensmittelbau.
Für Schweißer: Edelstahl (1.4301, 1.4571 etc.) erfordert besondere Schweißtechnik: Wärmeeinbringung begrenzen, Schutzgasformierung (Wurzelschutz), Anlauffarben kontrollieren. Edelstahl-Schweißer verdienen deutlich mehr und arbeiten in anspruchsvolleren Branchen (Pharma, Lebensmittel, Chemie).
„Rohrschweißen (Stumpfnaht am Rohr, Positionen H-L045/J-L045)“
KannBedeutung: Du schweißst Rohrleitungen — die anspruchsvollste Schweißdisziplin.
Für Schweißer: Rohrschweißen erfordert das Schweißen in allen Positionen an einem einzigen Stoß — 360° um das Rohr herum. Rohrschweißer sind die am besten bezahlten Schweißer. Typische Einsatzgebiete: Kraftwerksbau, Fernwärme, Erdgasleitungen, Chemie-Anlagen.
„Arbeiten nach Schweißanweisungen (WPS)“
MussBedeutung: Du hältst dokumentierte Schweißparameter exakt ein — keine Eigeninterpretation.
Für Schweißer: WPS (Welding Procedure Specifications) sind verbindliche Arbeitsdokumente, die Verfahren, Parameter, Vorwärmung und Zusatzwerkstoffe definieren. Arbeiten nach WPS ist in der Industrie Pflicht. Wenn du noch nie nach WPS gearbeitet hast, ist das schnell erlernbar.
„Bereitschaft zur Montage und Reisetätigkeit“
KannBedeutung: Du schweißt auf wechselnden Baustellen — regional oder überregional.
Für Schweißer: Montageschweißer sind hochgefragt und verdienen Zulagen (Auslöse, Fahrtgeld). Der Montageanteil variiert — von gelegentlich bis 100 %. Montagezulagen können 500–2.000 Euro/Monat ausmachen. Kläre im Gespräch den typischen Einsatzradius.
„Erfahrung mit zerstörungsfreier Prüfung (ZfP/NDT) von Vorteil“
KannBedeutung: Du kennst die Prüfmethoden, mit denen deine Schweißnähte kontrolliert werden.
Für Schweißer: ZfP-Grundkenntnisse (Röntgen, Ultraschall, Farbeindring) helfen dir, deine eigenen Nähte besser zu beurteilen. Für die formale ZfP-Prüfertätigkeit brauchst du eigene Zertifizierungen (EN ISO 9712). Als Schweißer reicht ein Grundverständnis — es zeigt Qualitätsbewusstsein.
„Gute Deutschkenntnisse“
MussBedeutung: Du musst WPS, Zeichnungen und Sicherheitsunterweisungen verstehen.
Für Schweißer: Schweißer müssen WPS-Dokumente, Zeichnungen mit Schweißnahtangaben und Sicherheitsunterweisungen lesen und verstehen. B1-Niveau reicht für einfache Werkstattarbeit, B2 für eigenständiges Arbeiten nach WPS auf Baustellen.
Viele Stellenanzeigen fordern Zertifizierungen — aber welche zählen wirklich? Unsere Schweißer-Zertifikate-Übersicht sortiert nach Relevanz: Türöffner, Vorteil oder Nice-to-have.
Die 70%-Regel
Bei Schweißer-Stellen sind gültige Schweißerprüfungen nach EN ISO 9606 der Schlüssel — der Rest ist verhandelbar. 50–60 % der weiteren Anforderungen reichen. Der extreme Fachkräftemangel bei Schweißern arbeitet maximal für dich.
Was wirklich zählt
- Gültige Schweißerprüfungen nach EN ISO 9606 in den geforderten Verfahren und Positionen
- Praxiserfahrung mit dem Hauptschweißverfahren (MAG, WIG oder E-Hand)
- Qualitätsbewusstsein und Zuverlässigkeit — sicherheitsrelevante Nähte erfordern 100 % Sorgfalt
Was weniger wichtig ist
- —Branchenerfahrung (Stahlbau vs. Anlagenbau — die Schweißtechnik ist transferierbar)
- —Exakter Werkstoff-Schwerpunkt (Baustahl vs. Feinkornstahl — erlernbar)
- —Formaler Berufsabschluss (die Schweißerprüfungen zählen mehr als der Gesellenbrief)
Du kommst aus einem anderen Bereich und fragst dich, ob ein Quereinstieg realistisch ist? Unser Guide Quereinstieg als Schweißer zeigt dir konkrete Pfade mit Zeitaufwand und empfohlenen Zertifizierungen.
Red Flags in Stellenanzeigen
„„Schweißer gesucht — Prüfungen nicht erforderlich"“
Ein Betrieb, der keine Schweißerprüfungen fordert, führt entweder keine qualifizierten Schweißarbeiten durch oder nimmt es mit der Qualität nicht ernst. Für tragende Konstruktionen sind Prüfungen gesetzlich vorgeschrieben. Ohne Prüfungsanforderung schweißt du wahrscheinlich nur Heftungen oder nicht-tragende Teile.
„Zeitarbeitsfirma mit „sofortigem Einsatz als Schweißer — übertariflich"“
Zeitarbeit-Schweißer werden oft auf wechselnden Baustellen eingesetzt, ohne Einarbeitung und mit minimalem Material- und Gerätekenntnisstand. Das Gehalt mag kurzfristig attraktiv wirken, aber Direktanstellungen bieten Stabilität, Weiterbildung und bessere Arbeitsbedingungen.
„„MAG-Schweißer für Serienfertigung im 3-Schicht-Betrieb"“
Serienfertigung im 3-Schicht-Betrieb bedeutet monotones Schweißen identischer Teile — keine abwechslungsreiche Schweißarbeit. Die Belastung durch Rauch und Hitze in Dauerschicht ist hoch. Kläre, ob es Rotationsmodelle gibt und ob die Schichtzulagen die Belastung kompensieren.
„„Schweißer" — aber die Aufgaben beschreiben Schleifen, Putzen und Hilfsarbeiten“
Die Stelle nutzt den Schweißer-Titel, um Helfer zu rekrutieren. Wenn keine eigenständigen Schweißaufgaben (Verfahren, Werkstoffe, WPS) genannt werden, schweißt du wahrscheinlich wenig oder gar nicht. Deine Qualifikation wird nicht genutzt.
„„Top-Gehalt" ohne konkrete Zahlenangabe bei gleichzeitig viel Montage“
Ohne konkrete Gehaltsangabe kann „Top-Gehalt" alles bedeuten. Bei hohem Montageanteil sollte das Grundgehalt plus Zulagen klar beziffert sein. Frage im Gespräch nach dem konkreten Brutto-Monatsgehalt und den Montagezulagen — „Top" ist kein Gehalt.
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Häufige Fragen zu Schweißer-Stellenanzeigen
Wie wichtig ist das konkrete Schweißverfahren in der Stellenanzeige?
Sehr wichtig — Schweißerprüfungen sind verfahrensspezifisch. Eine MAG-Prüfung qualifiziert nicht für WIG-Arbeiten und umgekehrt. Achte darauf, welche Prozesse (135, 141, 111) und Positionen (PA bis PE) gefordert werden. Bewirb dich nur auf Stellen, deren Verfahren du beherrschst oder schnell nachholen kannst.
Was bedeuten die Positionsangaben PA, PB, PC, PE?
PA = Wannenlage (einfachste Position), PB = Horizontalposition, PC = Querposition, PF = steigend, PG = fallend, PE = Überkopf. Je mehr Positionen du abdeckst, desto wertvoller bist du. Eine PE-Prüfung (Überkopf) qualifiziert automatisch auch für alle einfacheren Positionen.
Soll ich mich bewerben, wenn nur manche der geforderten Prüfungen vorhanden sind?
Ja — wenn du das Hauptverfahren beherrschst und bereit bist, fehlende Prüfungen nachzuholen. Viele Arbeitgeber organisieren und bezahlen zusätzliche Prüfungen für neue Mitarbeiter. Der Fachkräftemangel sorgt dafür, dass Betriebe in die Qualifikation investieren.
Was bedeutet „Formierung" bei Edelstahl-Stellen?
Formierung (Schutzgasformierung, Wurzelschutz) bedeutet, dass die Wurzelseite der Schweißnaht mit Schutzgas geflutet wird, um Oxidation zu verhindern. Das ist bei Edelstahl-Rohrleitungen Standard und zeigt, dass der Betrieb qualitativ hochwertig arbeitet. Formierungserfahrung ist ein starkes Plus.
Wie erkenne ich gute Arbeitgeber für Schweißer?
Positive Signale: Konkrete Verfahren und Werkstoffe genannt, WPS-Arbeit erwähnt, moderne Schweißgeräte benannt, Weiterbildung angeboten, Absaugung und Arbeitsschutz thematisiert. Red Flags: Keine Prüfungen gefordert, Zeitarbeit, nur Hilfsarbeiten beschrieben, keine konkreten Schweißaufgaben.
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