Quereinstieg

Quereinstieg als Schweißer: So realistisch ist es

Der Quereinstieg als Schweißer ist vergleichsweise gut machbar — es gibt keinen eigenständigen Ausbildungsberuf, und die Qualifikation erfolgt über modulare Schweißerprüfungen nach EN ISO 9606, die jeder ablegen kann. DVS-Schweißkurse dauern 2–8 Wochen pro Verfahren und sind per Bildungsgutschein förderbar. Der extreme Fachkräftemangel sorgt dafür, dass Betriebe auch Quereinsteiger mit frischen Prüfungen einstellen.

Machbarkeit des Quereinstiegs

Gut machbar

Kein Ausbildungsberuf — Qualifikation über modulare Schweißerprüfungen (EN ISO 9606). DVS-Schweißkurse dauern 2–8 Wochen pro Verfahren und sind per Bildungsgutschein förderbar. Der extreme Fachkräftemangel macht den Einstieg auch für Fachfremde realistisch — vorausgesetzt, die Prüfungen werden bestanden.

Klassischer Werdegang

Ausbildung / Studium

Modulare Schweißerausbildung über DVS-Schweißkursstätten — kein Ausbildungsberuf, sondern verfahrensspezifische Prüfungen nach EN ISO 9606

Typische Dauer

2–8 Wochen pro Schweißverfahren (Kurs + Prüfung)

Alternative Ausbildung

Duale Ausbildung in einem Metallberuf (Konstruktionsmechaniker, Metallbauer, Anlagenmechaniker) mit Schwerpunkt Schweißtechnik (3,5 Jahre). Oder: Direkteinstieg über DVS-Schweißkurse (2–8 Wochen pro Verfahren) mit anschließender Prüfung nach EN ISO 9606. Beide Wege werden von der Arbeitsagentur gefördert.

Welche Zertifizierungen für den Einstieg ins Projektmanagement besonders wertvoll sind, erfährst du in unserer Übersicht der Schweißer-Zertifikate.

Quereinstiegs-Pfade

Metallbauer, Konstruktionsmechaniker oder Anlagenmechaniker

1–4 Wochen (Prüfungsvorbereitung und Prüfung)

Was du mitbringst

  • Grundkenntnisse Schweißen (MAG, E-Hand) aus der Ausbildung
  • Metallbearbeitung: Schneiden, Schleifen, Montage
  • Werkstoffkenntnisse Stahl und Edelstahl
  • Lesen technischer Zeichnungen mit Schweißnahtangaben

Was dir fehlt

Vertiefte Schweißkompetenz in spezifischen Verfahren und Positionen, zertifizierte Prüfungen nach EN ISO 9606

So schließt du die Lücke

Du hast die ideale Ausgangslage — die Grundlagen sind vorhanden, es fehlen die formalen Prüfungen. Schweißerprüfungen bei DVS-Kursstätten oder SLV (Schweißtechnische Lehr- und Versuchsanstalten) nachholen — Dauer 1–3 Wochen pro Verfahren/Position. Viele Arbeitgeber organisieren und bezahlen die Prüfungen für neue Mitarbeiter.

Handwerker aus Nicht-Metallberufen (Elektriker, Kfz-Mechaniker, Schlosser)

2–4 Monate (Grundkurs + Prüfung in 1–2 Verfahren)

Was du mitbringst

  • Handwerkliches Geschick und technisches Verständnis
  • Werkzeug- und Maschinenerfahrung
  • Baustellenerfahrung und körperliche Belastbarkeit
  • Sicherheitsbewusstsein im Umgang mit Maschinen

Was dir fehlt

Komplette Schweißausbildung: Verfahrenstechnik, Werkstoffkunde, Praxis am Schweißgerät, EN-ISO-Prüfungen

So schließt du die Lücke

DVS-Grundkurse (Schweißen lernen von Grund auf) vermitteln Theorie und Praxis in 4–8 Wochen pro Verfahren. Starte mit MAG (dem universellsten Verfahren), dann ggf. WIG oder E-Hand als Spezialisierung. Die Kurse sind AZAV-zertifiziert und per Bildungsgutschein finanzierbar.

Fachfremder ohne handwerkliche Ausbildung

3–6 Monate (umfassender Schweißkurs mit Prüfungen)

Was du mitbringst

  • Körperliche Belastbarkeit und Ausdauer
  • Konzentrationsfähigkeit und ruhige Hand
  • Motiviation und Lernbereitschaft
  • Teamfähigkeit

Was dir fehlt

Gesamte Schweißausbildung: Theorie (Werkstoffkunde, Verfahrenstechnik), Praxis (Schweißübungen), Prüfungen (EN ISO 9606)

So schließt du die Lücke

Umschulung zum Schweißer über AZAV-zertifizierte Bildungsträger (3–6 Monate Vollzeit) inklusive Theorie, Praxis und Prüfungen. Der Bildungsgutschein der Arbeitsagentur finanziert die Maßnahme komplett. Angesichts des Fachkräftemangels sind die Jobaussichten nach bestandener Prüfung hervorragend.

Hobbschweißer mit Praxiserfahrung

1–3 Wochen (Vorbereitungskurs + Prüfung)

Was du mitbringst

  • Praktische Schweißerfahrung (meist MAG oder Autogen)
  • Grundverständnis für Werkstoffverhalten beim Schweißen
  • Umgang mit Schweißgeräten und Schutzausrüstung
  • Motivation und Begeisterung für den Beruf

Was dir fehlt

Formale Qualifikation (EN ISO 9606), industrielle Standards (WPS, Positionen, Dokumentation), vertiefte Werkstoffkunde

So schließt du die Lücke

Hobbyschweißer haben oft gute Grundlagen — die formale Prüfung nach EN ISO 9606 ist der entscheidende Schritt. Ein Prüfungsvorbereitungskurs (1–2 Wochen) bei einer DVS-Kursstätte schließt die Lücke zwischen Hobbypraxis und Industriestandard. Wichtig: Industrielles Schweißen erfordert gleichmäßige Qualität unter Zeitdruck.

Du fragst dich, ob du die Anforderungen in Stellenanzeigen erfüllst? Unser Guide Schweißer-Stellenanzeigen richtig lesen zeigt dir, welche Anforderungen wirklich zählen — und welche Wunschliste sind.

"Vergleichbare Qualifikation" — was heißt das?

Bei Schweißer-Stellen zählen die Schweißerprüfungen nach EN ISO 9606 mehr als der Berufsabschluss. „Qualifizierter Schweißer" bedeutet: gültige Prüfungen in den geforderten Verfahren, Werkstoffen und Positionen. Der formale Berufsabschluss ist sekundär.

Quereinsteiger mit MAG-Prüfung (EN ISO 9606) auf Stahl = für Stahlbau-Werkstatt direkt einsetzbar
Metallbauer mit nachgeholter WIG-Prüfung auf Edelstahl = für Anlagenbau gefragt
Fachfremder mit DVS-Schweißkurs (6 Monate) und bestandenen Prüfungen = bei Fachkräftemangel eingestellt

Du bist unsicher, ob deine Qualifikationen ausreichen? Der Talent Report analysiert dein Profil und zeigt, wo du als Quereinsteiger stehst.

Häufige Fragen zum Quereinstieg als Schweißer

Kann ich ohne Ausbildung als Schweißer arbeiten?

Ja — Schweißer ist kein Ausbildungsberuf. Die Qualifikation erfolgt über Schweißerprüfungen nach EN ISO 9606, die jeder ablegen kann. DVS-Schweißkurse (2–8 Wochen pro Verfahren) bereiten auf die Prüfungen vor. Mit bestandenen Prüfungen und dem extremen Fachkräftemangel findest du schnell eine Stelle.

Was kosten Schweißkurse und Prüfungen?

DVS-Grundkurse kosten 1.500–4.000 Euro pro Verfahren (4–8 Wochen). Die Prüfung selbst kostet 200–600 Euro. Per Bildungsgutschein der Arbeitsagentur werden die Kosten komplett übernommen. Auch das Qualifizierungschancengesetz fördert Schweißkurse für Beschäftigte.

Welches Schweißverfahren soll ich als Erstes lernen?

MAG (Prozess 135) auf Baustahl — das universellste Verfahren mit den meisten Stellen. Danach WIG (Prozess 141) für Edelstahl und höheres Gehalt oder E-Hand (Prozess 111) für Baustelle und Montage. Der Einstieg mit MAG ist am einfachsten, WIG erfordert mehr Fingerspitzengefühl.

Wie lange dauert es, bis ich als Schweißer arbeiten kann?

Ab dem ersten Kurstag: 4–8 Wochen (MAG-Grundkurs + Prüfung). Bei bestandener Prüfung kannst du sofort als MAG-Schweißer in der Werkstatt anfangen. Für spezialisierte Stellen (WIG-Edelstahl, Rohrschweißen) rechne mit 3–6 Monaten Ausbildungszeit für mehrere Verfahren und Positionen.

Wird der Schweißkurs von der Arbeitsagentur gefördert?

Ja — DVS-Schweißkurse bei AZAV-zertifizierten Bildungsträgern werden per Bildungsgutschein finanziert. Angesichts des extremen Fachkräftemangels bewilligen die Agenturen großzügig. Auch für Beschäftigte gibt es über das Qualifizierungschancengesetz Förderung für Schweißkurse und Prüfungen.

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