Quereinstieg

Quereinstieg als Lehrer: So realistisch ist es

Der Regelweg ins Lehramt führt über ein Lehramtsstudium mit 1. und 2. Staatsexamen oder einen Master of Education — das sind 5–7 Jahre. Allerdings hat der extreme Lehrermangel dazu geführt, dass alle 16 Bundesländer Seiteneinstiegsprogramme aufgelegt haben. Diese richten sich an Hochschulabsolventen mit einem Fach, das als Mangelfach gilt (Mathematik, Physik, Informatik, Chemie, Musik, Kunst, Technik). Die Hürden variieren MASSIV nach Bundesland: Berlin stellt Quereinsteiger fast auf Augenhöhe mit regulär ausgebildeten Lehrkräften ein, Bayern ist extrem restriktiv und verlangt in der Regel ein zweites Fach. Ohne Hochschulabschluss ist der Seiteneinstieg an öffentlichen Schulen in den meisten Bundesländern nicht möglich — Privatschulen sind flexibler.

Machbarkeit des Quereinstiegs

Machbar mit Aufwand

Der Seiteneinstieg ins Lehramt ist in Mangelfächern realistisch — besonders in MINT, an Grundschulen und Berufsschulen. Die Regeln variieren stark nach Bundesland. Ohne Hochschulabschluss ist der Weg an öffentliche Schulen meist versperrt, Privatschulen sind offener.

Klassischer Werdegang

Ausbildung / Studium

Lehramtsstudium (Bachelor + Master of Education) oder Staatsexamen Lehramt

Typische Dauer

5–7 Jahre Studium (inkl. Referendariat/Vorbereitungsdienst 18–24 Monate)

Alternative Ausbildung

Seiteneinstieg über Hochschulabschluss (Master/Diplom) in einem Mangelfach + berufsbegleitende pädagogische Qualifizierung (je nach Bundesland 6–24 Monate)

Welche Zertifizierungen für den Einstieg ins Projektmanagement besonders wertvoll sind, erfährst du in unserer Übersicht der Lehrer-Zertifikate.

Quereinstiegs-Pfade

MINT-Absolvent (Mathematik, Physik, Informatik, Chemie — Uni-Abschluss)

6–24 Monate (je nach Bundesland)

Was du mitbringst

  • Tiefes Fachwissen im Mangelfach
  • Wissenschaftliches Arbeiten und analytisches Denken
  • Erfahrung in der Vermittlung komplexer Sachverhalte (z. B. Tutorien, Nachhilfe)
  • Strukturierte Problemlösung

Was dir fehlt

Pädagogik, Fachdidaktik, Classroom-Management, Schulrecht, zweites Unterrichtsfach

So schließt du die Lücke

Seiteneinstiegsprogramm des jeweiligen Bundeslandes. NRW: OBAS (Ordnung zur berufsbegleitenden Ausbildung von Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteigern) — 24 Monate berufsbegleitend mit vollem Gehalt. Berlin: Quereinstieg mit berufsbegleitendem Referendariat, sehr offene Einstellungspraxis. BW: Direkteinstieg in Mangelfächern mit anschließender Nachqualifizierung. Bayern: Seiteneinstieg nur über reguläres Referendariat möglich, extrem restriktiv. Sachsen: Seiteneinstieg mit 3-monatigem Einstiegskurs + berufsbegleitender Qualifizierung über 4 Jahre.

Ingenieur oder Techniker (Maschinenbau, Elektrotechnik, IT — für Berufsschullehramt)

12–24 Monate berufsbegleitend

Was du mitbringst

  • Praxisnahe Fachkompetenz in gewerblich-technischen Bereichen
  • Erfahrung in der Anleitung von Auszubildenden oder Werkstudenten
  • Betriebliche Abläufe und Branchenkenntnisse aus erster Hand
  • Verständnis für duale Ausbildung aus Arbeitgeberperspektive

Was dir fehlt

Berufspädagogik, Fachdidaktik, Unterrichtsplanung, Leistungsbewertung, zweites Fach (allgemeinbildend)

So schließt du die Lücke

Der Seiteneinstieg ins Berufsschullehramt ist bundesweit am offensten. Viele Bundesländer stellen Ingenieure mit Diplom/Master direkt ein und qualifizieren berufsbegleitend nach. NRW: OBAS-Programm speziell für Berufskollegs. Hessen: Seiteneinstieg für Berufsschullehramt mit Ingenieurabschluss und 2 Jahren Berufserfahrung. Alternativ: Master of Education berufsbegleitend an einer Uni (z. B. TU Dresden, Uni Kassel) — dauert länger, führt aber zur vollen Lehrbefähigung.

Muttersprachler mit Hochschulabschluss (für Fremdsprachenunterricht: Englisch, Französisch, Spanisch)

6–18 Monate (je nach Schultyp)

Was du mitbringst

  • Muttersprachliche Kompetenz in der Zielsprache
  • Kulturelle Kompetenz und interkulturelle Sensibilität
  • Erfahrung in der Sprachvermittlung (Sprachkurse, VHS, Privatunterricht)
  • Akademischer Hintergrund (Linguistik, Kulturwissenschaften, oder fachfremd)

Was dir fehlt

Fachdidaktik Fremdsprachen, Pädagogik, Spracherwerbstheorie, Schulrecht, Deutschkenntnisse auf C2-Niveau für den Schulalltag

So schließt du die Lücke

Internationale Schulen stellen Muttersprachler oft ohne deutsches Lehramtsstudium ein — hier ist der Einstieg am einfachsten. Für öffentliche Schulen: Seiteneinstieg über DaF/DaZ-Qualifikation oder Fremdsprachendidaktik. Berlin und Hamburg sind relativ offen für Muttersprachler mit pädagogischer Nachqualifizierung. Waldorfschulen und freie Schulen haben eigene Ausbildungswege und legen weniger Wert auf Staatsexamen.

Pädagogischer Mitarbeiter oder Vertretungslehrkraft (ohne volles Lehramt)

12–48 Monate (je nach Ausgangslage)

Was du mitbringst

  • Schulalltag aus eigener Erfahrung bekannt
  • Praxis in Unterricht, Betreuung und Elternarbeit
  • Beziehungsarbeit mit Schülerinnen und Schülern
  • Kenntnis der schulischen Abläufe und Verwaltungsstrukturen

Was dir fehlt

Formale Lehrbefähigung, vertiefte Fachdidaktik, wissenschaftliche Fundierung, ggf. fehlender Hochschulabschluss

So schließt du die Lücke

Mit Hochschulabschluss: Seiteneinstiegsprogramm des Bundeslandes nutzen — die vorhandene Schulpraxis wird oft angerechnet. NRW zählt Vertretungslehrkraft-Zeiten auf die OBAS an. Ohne Hochschulabschluss: Weg an öffentliche Schulen ist schwierig. Privatschulen und freie Träger (Waldorf, Montessori) bieten eigene Ausbildungswege. Alternativ: Berufsbegleitendes Lehramtsstudium (z. B. FU Berlin, Uni Potsdam) — lang, aber der einzige Weg zur vollen Lehrbefähigung ohne vorherigen Hochschulabschluss.

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"Vergleichbare Qualifikation" — was heißt das?

Im Lehramt ist die formale Qualifikation wichtiger als in den meisten anderen Berufen. Für Beamtenstellen an öffentlichen Schulen ist das Staatsexamen oder der Master of Education in der Regel Voraussetzung — Ausnahmen nur über offizielle Seiteneinstiegsprogramme. Privatschulen, internationale Schulen und Erwachsenenbildungsträger sind deutlich flexibler und akzeptieren "vergleichbare Qualifikationen" aus Fachwissen plus pädagogischer Erfahrung.

Master in Physik + OBAS-Programm NRW (24 Monate) = vollwertige Lehrbefähigung für Beamtenstelle im Mangelfach Physik
Diplom-Ingenieur + 5 Jahre Berufserfahrung + berufsbegleitende pädagogische Qualifizierung = Seiteneinstieg ins Berufsschullehramt in den meisten Bundesländern
Native Speaker Englisch + Bachelor (beliebig) + DaF/DaZ-Zertifikat + Montessori-Diplom = Festanstellung an internationaler oder freier Schule

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Häufige Fragen zum Quereinstieg als Lehrer

Kann ich ohne Lehramtsstudium Lehrer werden?

Ja, über Seiteneinstiegsprogramme — aber nur mit Hochschulabschluss (Master oder Diplom) und nur in Mangelfächern. Die Regeln variieren stark: Berlin ist sehr offen, Bayern extrem restriktiv. An Privatschulen, internationalen Schulen und in der Erwachsenenbildung geht es auch ohne Staatsexamen.

Welche Bundesländer bieten die besten Seiteneinstiegsmöglichkeiten?

Berlin hat die offenste Praxis und stellt Quereinsteiger fast gleichwertig zu regulär ausgebildeten Lehrkräften ein. NRW bietet mit OBAS ein strukturiertes 24-monatiges Programm mit vollem Gehalt. Sachsen und Brandenburg sind wegen des extremen Mangels ebenfalls offen. Bayern ist am restriktivsten — hier läuft fast alles über das reguläre Referendariat.

Werden Quereinsteiger als Lehrer verbeamtet?

Ja, in den meisten Bundesländern ist eine Verbeamtung nach erfolgreichem Abschluss des Seiteneinstiegsprogramms möglich — sofern die Altersgrenze nicht überschritten ist (meist 42–47 Jahre, je nach Bundesland). Berlin verbeamtet seit 2023 wieder, hatte dies aber jahrelang ausgesetzt. In NRW, Hessen und BW ist die Verbeamtung von Seiteneinsteigern etabliert.

In welchen Fächern ist der Seiteneinstieg am einfachsten?

Am offensten sind die MINT-Fächer: Mathematik, Physik, Informatik und Chemie. Auch Musik, Kunst und Technik sind bundesweit Mangelfächer. An Grundschulen fehlen Lehrkräfte fast fächerübergreifend. An Berufsschulen werden Ingenieure und Techniker für gewerblich-technische Fächer dringend gesucht. Deutsch und Englisch am Gymnasium sind hingegen gut besetzt — hier ist der Seiteneinstieg schwierig.

Was verdient ein Quereinsteiger als Lehrer?

Seiteneinsteiger werden in der Regel nach TV-L E11–E13 eingestellt (ca. 3.500–4.500 € brutto/Monat). Nach erfolgreichem Abschluss der Nachqualifizierung und Verbeamtung steigt das Gehalt auf A12–A13 (Grundschule A12: ca. 3.800–4.800 €, Gymnasium A13: ca. 4.200–5.400 €). Während des Seiteneinstiegsprogramms erhalten Teilnehmer in NRW und Berlin das volle Einstiegsgehalt.

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