Berufsprofil: Hospiz- und Palliativpflegekraft
Hospiz- und Palliativpflegekräfte begleiten schwerstkranke und sterbende Menschen in der letzten Lebensphase. Sie lindern Symptome (Schmerzen, Atemnot, Übelkeit), unterstützen Patienten und Angehörige psychosozial und gewährleisten eine würdevolle Sterbebegleitung. Die Arbeit erfordert eine pflegerische Grundausbildung plus die Weiterbildung Palliative Care (160 Stunden nach dem Curriculum von Kern, Müller, Aurnhammer).
Top 5 Aufgaben
Typische Branchen
Hard Skills
- Symptommanagement: Schmerztherapie (WHO-Stufenschema), Dyspnoe-Behandlung, Antiemese
- Subkutane Infusionstherapie und Medikamentengabe über Schmerzpumpen
- Wundversorgung bei exulzerierenden Tumoren
- Mundpflege und Ernährung in der Sterbephase
- Notfallmanagement bei Palliativ-Krisen (Blutung, Atemnot, terminale Unruhe)
Soft Skills
- Emotionale Belastbarkeit und professionelle Trauerbegleitung
- Kommunikation über Sterben und Tod mit Patienten und Angehörigen
- Empathie ohne emotionale Erschöpfung (Selbstfürsorge)
- Teamfähigkeit in interdisziplinären Teams mit Ärzten, Seelsorge und Ehrenamtlichen
- Akzeptanz der eigenen Grenzen und Bereitschaft zur Supervision
Arbeitsumfeld: Hospiz: Kleine Einheiten (8–16 Betten), ruhige Atmosphäre, intensive Einzelbetreuung, Schichtdienst. Palliativstation: Klinikumfeld, akute Symptomkontrolle, kürzere Aufenthaltsdauer, interdisziplinäres Team. SAPV: Ambulante Einsätze im häuslichen Umfeld, Rufbereitschaft, eigenständiges Arbeiten, Fahrtätigkeit.
Arbeitsmarkt-Lage: Hospiz- und Palliativpflegekraft
Die Nachfrage nach Palliativpflegekräften steigt deutlich — getrieben durch den Ausbau der SAPV (seit 2007 gesetzlicher Anspruch), die wachsende Zahl stationärer Hospize und die Integration von Palliative Care in die allgemeine Pflege. Fachkräfte mit Palliative-Care-Weiterbildung sind Mangelware — viele Hospize und SAPV-Teams können ihre Stellen nicht besetzen.
Top-Regionen
In Großstädten ist die Dichte an Hospizen und Palliativstationen höher, aber auch die Nachfrage nach Fachkräften. In ländlichen Regionen fehlt SAPV-Personal besonders stark — hier gibt es Einstiegsprämien und oft bessere Arbeitsbedingungen als in der allgemeinen Pflege. Kinderhospize sind bundesweit selten und suchen permanent.
Zertifikate für Hospiz- und Palliativpflegekraft: welche zählen
Die Palliative-Care-Weiterbildung (160h) ist der Grundstein. Darüber hinaus gibt es Spezialisierungen in Schmerztherapie, Wundmanagement und Trauerbegleitung, die dein Profil stärken und dir Zugang zu spezialisierten Positionen verschaffen.
Von 6 verbreiteten Zertifikaten für Hospiz- und Palliativpflegekraft gelten 2 als Türöffner — ohne sie kommst du bei vielen Stellen nicht in die engere Auswahl. Der Rest verbessert die Ausgangslage, entscheidet aber nicht.
Palliative Care Weiterbildung (160 Stunden, Curriculum Kern/Müller/Aurnhammer)
DGP-zertifizierte Bildungsträger (z. B. Akademie für Palliativmedizin, Christophorus Akademie, Caritas Akademien)
Die 160-Stunden-Weiterbildung ist die Grundvoraussetzung für die Arbeit in Hospizen und SAPV-Teams. Sie vermittelt Symptommanagement, Schmerztherapie, Kommunikation, ethische Entscheidungsfindung und Selbstfürsorge. Ohne dieses Zertifikat keine spezialisierte Palliativpflege.
ca. 1.500–2.500 € (oft vom Arbeitgeber finanziert)
4–6 Monate berufsbegleitend (4–6 Blockwochen)
Examinierte Pflegefachkraft (3-jährige Ausbildung) + empfohlen: 1–2 Jahre Berufserfahrung
Fachweiterbildung Palliative Pflege (DKG, 720 Stunden)
Krankenhäuser und Bildungseinrichtungen mit DKG-Anerkennung
Die umfassende Fachweiterbildung (720h) nach DKG-Empfehlung qualifiziert für Leitungsfunktionen in der Palliativpflege, Praxisanleitung und Qualitätsmanagement im Palliativbereich. Sie wird zunehmend für Stellen in Palliativzentren und SAPV-Leitungen gefordert.
ca. 3.000–6.000 € (häufig arbeitgeberfinanziert)
2 Jahre berufsbegleitend
Examinierte Pflegefachkraft + mind. 2 Jahre Berufserfahrung (davon 6 Monate im Palliativbereich)
Pain Nurse (Schmerzmanagement-Pflegefachkraft)
Deutsche Schmerzgesellschaft e. V., Bildungsträger
Schmerzmanagement ist die Kernkompetenz in der Palliativpflege. Die Pain-Nurse-Qualifikation vertieft die Schmerztherapie-Kenntnisse systematisch: WHO-Stufenschema, Opioid-Management, nichtmedikamentöse Verfahren. In Kliniken und SAPV-Teams macht dich diese Zusatzqualifikation zur Schmerzexpertin im Team.
ca. 1.200–2.000 €
ca. 40–56 Stunden (1–2 Wochen berufsbegleitend)
Examinierte Pflegefachkraft + Berufserfahrung
Trauerbegleitung (Grundqualifikation nach BVT-Curriculum)
Bundesverband Trauerbegleitung (BVT), Hospizdienste, Bildungsträger
Trauerbegleitung für Angehörige ist ein wichtiger Teil der Hospizarbeit — sie endet nicht mit dem Tod des Patienten. Die Grundqualifikation vermittelt Methoden der professionellen Trauerbegleitung und befähigt dich, Trauergruppen zu leiten und Einzelbegleitungen durchzuführen.
ca. 800–1.500 €
ca. 80–120 Stunden berufsbegleitend (über mehrere Monate)
Berufliche Tätigkeit im Hospiz-/Palliativbereich oder ehrenamtliche Hospizarbeit
Wundexperte ICW (Basisqualifikation)
Initiative Chronische Wunden (ICW) e. V., zertifizierte Bildungsträger
Exulzerierende Tumorwunden sind in der Palliativpflege eine häufige Herausforderung — geruchsintensiv, schmerzhaft und psychisch belastend. Die ICW-Basisqualifikation vermittelt die professionelle Versorgung chronischer und palliativer Wunden und hebt dein Profil.
ca. 1.500–2.500 €
56 Stunden Theorie + 16 Stunden Hospitation (ca. 2–3 Monate berufsbegleitend)
Examinierte Pflegefachkraft + Berufserfahrung
Ethikberatung im Gesundheitswesen (Grundkurs)
Akademie für Ethik in der Medizin (AEM), Ethikkomitees von Kliniken
In der Palliativpflege triffst du regelmäßig ethische Entscheidungen: Therapiebegrenzung, Patientenverfügung, Sedierung am Lebensende. Die Grundqualifikation in Ethikberatung befähigt dich, ethische Konflikte strukturiert zu bearbeiten und an Ethikkonsilen teilzunehmen.
ca. 500–1.200 €
3–5 Tage
Berufserfahrung im Gesundheitswesen
Zeugnisse & Referenzen: was zählt
Wichtige Tätigkeitsnachweise im Zeugnis
Positive Formulierungen
Red-Flag-Formulierungen
Häufige Fragen zu Hospiz- und Palliativpflegekraft-Zertifikaten
Ist die Palliative-Care-Weiterbildung (160h) ausreichend für alle Stellen?
Für die meisten Hospiz- und SAPV-Stellen ja — die 160h-Weiterbildung ist der Branchenstandard. Für Leitungsfunktionen (PDL im Hospiz, SAPV-Teamleitung) wird zunehmend die umfassende Fachweiterbildung (720h, DKG) gefordert. Für Berufseinsteiger in die Palliativpflege sind 160h der richtige erste Schritt.
Wer finanziert die Palliative-Care-Weiterbildung?
Viele Hospize und SAPV-Träger finanzieren die Weiterbildung vollständig bei gleichzeitiger Bindung (1–2 Jahre). Auch Bildungsgutscheine der Agentur für Arbeit sind möglich (bei beruflicher Neuorientierung). Manche Bundesländer fördern Pflegeweiterbildungen über eigene Programme. Die Eigenfinanzierung (1.500–2.500 €) ist die letzte Option.
Welche Zusatzqualifikation empfehlen Sie nach der Palliative-Care-Weiterbildung?
Für die klinische Praxis: Pain Nurse (Schmerzmanagement-Vertiefung). Für die Hospizarbeit: Trauerbegleitung nach BVT-Curriculum. Für die Karriere: DKG-Fachweiterbildung (720h) als Sprungbrett zu Leitungsfunktionen. Alle drei ergänzen die 160h-Weiterbildung sinnvoll.
Gibt es eine Fortbildungspflicht in der Palliativpflege?
Keine gesetzliche Fortbildungspflicht speziell für Palliativpflegekräfte. Die DGP (Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin) empfiehlt jährliche Fortbildungen. Hospize und SAPV-Teams haben in der Regel interne Fortbildungskonzepte. Regelmäßige Supervision (ca. 10–12 Sitzungen/Jahr) ist in den meisten Einrichtungen obligatorisch.
Kann ich als Pflegehilfskraft in einem Hospiz arbeiten?
Pflegehilfskräfte können in Hospizen unterstützend eingesetzt werden — für Grundpflege unter Anleitung einer Fachkraft. Für die eigenständige palliativpflegerische Versorgung (Symptomkontrolle, Schmerztherapie) brauchst du die dreijährige Pflegeausbildung. Manche Hospize bilden Pflegehelfer weiter, um sie langfristig als Fachkräfte einzusetzen.
Was in diesem Beruf verdient wird: Gehalt als Hospiz- und Palliativpflegekraft — 57.449 € Median (Destatis 2025) · zum Berufsstart: Einstiegsgehalt ab 4.874 €/Monat
Dein Weg zum Hospiz- und Palliativpflegekraft-Job
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Wie realistisch ist der Einstieg als Hospiz- und Palliativpflegekraft ohne klassischen Werdegang? Pfade, Zeitaufwand und was wirklich zählt.
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Zertifikate & Qualifikationen
Amtliche Gehaltsspanne für Hospiz- und Palliativpflegekraft und wie Zertifikatsanforderungen in Stellenanzeigen gemeint sind.
Bewerbung als Hospiz- und Palliativpflegekraft: weitere Schritte
Destatis 2025: Median, Niveau-Spanne und Einstiegsgehalt mit Quelle
Typische Fragen, STAR-Methode und Vorbereitung
Kernkompetenzen, häufige Fehler und ein starker Einstieg
Formulierungen richtig deuten und Bewertungen einordnen
Verwandte Berufe
Diese Berufe teilen sich viele Anforderungen mit Hospiz- und Palliativpflegekraft — ein Blick lohnt sich, wenn du deine Suche breiter aufstellen willst.
Häufige Fragen zum Beruf Hospiz- und Palliativpflegekraft
Was ist der Unterschied zwischen Hospiz und Palliativstation?
Hospize sind eigenständige Einrichtungen für die letzte Lebensphase — Patienten bleiben dort bis zum Tod (durchschnittlich 2–4 Wochen). Palliativstationen sind Abteilungen im Krankenhaus für akute Symptomkontrolle — Patienten werden stabilisiert und nach Hause oder ins Hospiz entlassen. Die Pflege unterscheidet sich: Hospiz betont Begleitung, Palliativstation betont Therapie.
Was verdient eine Palliativpflegekraft?
Palliativpflegekräfte verdienen wie Pflegefachkräfte nach TVöD-P ca. 3.200–4.000 € brutto/Monat. In spezialisierten Einrichtungen (SAPV-Teams, Kinderhospize) gibt es oft Zulagen von 100–300 € monatlich. Die Palliative-Care-Weiterbildung wird bei der Eingruppierung berücksichtigt und kann eine höhere Gehaltsstufe rechtfertigen.
Brauche ich eine spezielle Weiterbildung für die Palliativpflege?
Ja. Für Hospize und SAPV-Teams ist die Weiterbildung Palliative Care (160 Stunden nach dem Curriculum Kern/Müller/Aurnhammer) in der Regel Einstellungsvoraussetzung. Auf Palliativstationen im Krankenhaus wird die Weiterbildung oft während der Anstellung ermöglicht. Ohne Weiterbildung kannst du dich bewerben, aber die meisten Stellen fordern sie.
Ist die Arbeit in der Palliativpflege emotional verkraftbar?
Die emotionale Belastung ist real — du begleitest Menschen beim Sterben. Gute Arbeitgeber bieten regelmäßige Supervision, Teamreflexion und ein unterstützendes Arbeitsumfeld. Viele Palliativpflegekräfte berichten, dass die Arbeit trotz der Belastung zutiefst sinnstiftend ist. Die Personalschlüssel in Hospizen sind besser als in der allgemeinen Pflege.
Wie sieht der Arbeitsalltag in einem SAPV-Team aus?
SAPV-Teams versorgen schwerstkranke Menschen zu Hause. Du fährst zu Patienten, führst Symptomassessments durch, verabreichst Medikamente (z. B. Schmerzpumpe), berätst Angehörige und koordinierst mit Hausärzten und Pflegediensten. Rufbereitschaft (Nacht, Wochenende) gehört dazu. Das Arbeiten ist eigenständiger als auf Station.
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