Anschreiben ohne Ansprechpartner — Was tun wenn der Name fehlt?
Keine Kontaktperson in der Stellenanzeige? Das ist kein Hindernis — wenn du weißt, wie du trotzdem persönlich und professionell adressierst.
Die Geschichte
Ich erinnere mich noch gut an ein Coaching mit einer sehr ambitionierten Kandidatin. Sie hatte sich auf eine spannende Führungsposition beworben und wollte, dass ich ihr Anschreiben noch mal überfliege. Ich hab’s mir durchgelesen und da stand es dann: „Sehr geehrte Damen und Herren“. Ich hab sie direkt gefragt: „Du, sag mal, hast du versucht, den Namen des Ansprechpartners rauszufinden?“ Ihre Antwort war kurz und ehrlich: „Nee, stand ja nirgends in der Ausschreibung.“
Da musste ich kurz schmunzeln, aber gleichzeitig ist mir klar geworden, warum das für viele Bewerber so eine Hürde ist. Meine Klienten, die Unternehmen, für die ich die besten Fach- und Führungskräfte suche, sehen genau das aber als ersten Lackmustest. Wenn ich damals als Geschäftsführer eine Bewerbung mit dieser Anrede bekommen habe, war mein erster Gedanke: Hat derjenige sich wirklich Mühe gegeben? Will er wirklich zu *uns* oder verschickt er einfach nur Massenware? Das ist ja ein ganz anderes Signal, als wenn jemand sich die Zeit nimmt, herauszufinden, wer bei uns im Team die Entscheidung trifft.
Ich hab der Kandidatin dann gesagt: „Pass auf, das kriegen wir in unter fünf Minuten hin.“ Und hab ihr drei ganz einfache Wege gezeigt. Zuerst haben wir uns die Karriereseite des Unternehmens angeschaut. Oft gibt es da Ansprechpartner für Bewerbungen oder die Abteilungsleiter sind namentlich genannt. Nichts gefunden. Dann sind wir rüber zu LinkedIn und XING. Einfach mal das Unternehmen gesucht, die relevanten Abteilungen durchforstet, nach „HR Manager“, „Teamleiter [Position]“ oder sogar „Geschäftsführer“ gefiltert. Und siehe da, nach dem dritten Versuch, haben wir den Namen einer Abteilungsleiterin gefunden, die genau für den Bereich zuständig war. Nicht HR, sondern die zukünftige Vorgesetzte.
Die Kandidatin war sichtlich überrascht, wie schnell das ging und hat dann verstanden, warum ich da so drauf rumreite. Sie meinte: „Herr Lamers, das ist ja Wahnsinn. Das zeigt ja wirklich, dass ich mich reinlese!“ Genau das ist es. Diese Recherche sagt so viel mehr über deine Motivation und deinen Einsatz aus als der gesamte restliche Text deines Anschreibens. Es ist der erste Beweis, dass du bereit bist, die Extrameile zu gehen.
Was Recruiter wissen — und du jetzt auch
Der 'Engagements-Test': Warum 'Sehr geehrte Damen und Herren' abschreckt
Ganz ehrlich: Wenn ich als Geschäftsführer eine Bewerbung mit dieser Anrede auf dem Tisch hatte, war mein erster Gedanke: 'Wenig Engagement'. Meine heutigen Auftraggeber denken ähnlich. Es signalisiert, dass der Bewerber nicht die Extrameile geht, um herauszufinden, wer der potenzielle Chef oder die entscheidende Person ist. Das ist der erste Indikator für fehlende Motivation – und das schon, bevor ich überhaupt den ersten Satz gelesen habe.
Drei Wege zum Namen: Dein 5-Minuten-Recherche-Hack
Erstens: Unternehmenswebsite. Schau unter 'Karriere', 'Über uns' oder 'Kontakt'. Oft sind dort Ansprechpartner genannt. Zweitens: LinkedIn und XING. Gib das Unternehmen und relevante Stichworte (z.B. 'HR Manager', 'Abteilungsleiter [Position]') ein. Drittens: Ein kurzer Anruf in der Zentrale. Freundlich nachfragen, wer für die ausgeschriebene Position zuständig ist. Das zeigt Initiative, keine Aufdringlichkeit.
Wann ein Name wirklich nicht zu finden ist (und was dann)
Es gibt seltene Ausnahmen, klar. Manchmal sind es anonyme Ausschreibungen von ganz großen Konzernen oder bei sehr vertraulichen Besetzungen. Aber selbst dann ist 'Sehr geehrte Damen und Herren' nicht die beste Wahl. Wenn nach intensiver Recherche (mindestens zwei der oben genannten Wege) kein Name zu finden ist, dann ist das ein Zeichen, dass du dich wirklich bemüht hast. Das ist dann verzeihlich.
Die clevere Alternative zur Standard-Anrede
Wenn du wirklich keinen Namen findest, vermeide die leere Standardfloskel. Greif stattdessen die Position oder das Team auf. Eine Formulierung wie 'Sehr geehrte Damen und Herren des [Name der Abteilung]-Teams' oder 'Sehr geehrte Damen und Herren, die für die Besetzung der Position [Positionsname] verantwortlich sind' ist schon um Welten besser. Das zeigt, dass du dich mit der Struktur und dem Inhalt der Stelle auseinandergesetzt hast.
Die Realität
Die unbequeme Wahrheit ist: Unternehmen bekommen viele Bewerbungen. Die Leute, die einstellen – meine Auftraggeber und ich früher als Geschäftsführer – haben wenig Zeit. Jeder kleine Hebel, um dich von der Masse abzuheben, zählt. Ein Ansprechpartner zeigt, dass du es ernst meinst. Wer nur generisch anschreibt, riskiert, in der ersten Siebung direkt aussortiert zu werden, weil die Motivation hinterfragt wird. Da bin ich ganz ehrlich zu dir.
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Häufig gestellte Fragen
Was, wenn ich den Namen wirklich nicht finde, obwohl ich alles versucht habe?
Ist ein Anruf beim Unternehmen nicht aufdringlich oder unprofessionell?
Verliere ich nicht zu viel Zeit mit dieser Recherche für jede Bewerbung?
Kann ich nicht einfach KI-Tools nutzen, um den Ansprechpartner zu finden?
Ist das Anschreiben heutzutage überhaupt noch wichtig? Zählt nicht nur der Lebenslauf?
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