Interne Bewerbung: das Anschreiben, das sie noch nicht über dich kennen
Bei einer internen Bewerbung ist dein Vorteil auch dein Problem: Sie kennen dich. Sie kennen deine Stationen, deine Ergebnisse und wahrscheinlich auch deine Schwächen.
Deshalb ist ein internes Anschreiben, das den Lebenslauf nacherzählt, verschwendet. Es sagt nichts, was nicht schon in der Personalakte steht.
Was sie nicht kennen, ist deine Sicht auf die neue Aufgabe. Warum du sie willst, was du in den ersten Monaten anders machen würdest als jemand von außen, und was du aus deiner heutigen Rolle mitbringst, das ein Externer nie hätte. Genau das ist der Inhalt.
Die drei Fragen, die intern wirklich gestellt werden
Warum willst du weg von dort, wo du bist? Diese Frage wird intern immer gestellt, meistens hinter deinem Rücken. Wenn deine Antwort nach Flucht klingt, hast du verloren. Wenn sie nach der neuen Aufgabe klingt, gewinnst du.
Was ist dein Vorteil gegenüber einem externen Kandidaten? Du kennst die Abläufe, die Systeme, die Leute und die Stellen, an denen es hakt. Sag konkret, was das für die Einarbeitungszeit und die ersten Ergebnisse bedeutet.
Wird dein Wechsel woanders ein Loch reißen? Wer selbst mitdenkt, wie die eigene Position übergeben werden kann, zeigt genau die Reife, die auf der neuen Stelle gebraucht wird. Ein Satz reicht.
Vorher und Nachher
Der Text begründet den Wechsel aus der Sache heraus, belegt Ortskenntnis, und macht ganz nebenbei klar, dass die Bewerberin die neue Aufgabe verstanden hat.
Vorher
Seit vier Jahren bin ich im Unternehmen tätig und konnte in dieser Zeit umfassende Kenntnisse in verschiedenen Bereichen sammeln. Ich möchte mich nun weiterentwickeln und neue Herausforderungen annehmen.
Der Satz sagt nichts, was nicht in der Personalakte steht, und der Wunsch nach neuen Herausforderungen liest sich intern wie Unzufriedenheit.
Nachher
In der Auftragsabwicklung sehe ich seit vier Jahren, an welcher Stelle die Übergabe an die Montage regelmäßig hakt. Zwei der drei Ursachen liegen im Prozess, nicht bei den Leuten. In der ausgeschriebenen Position hätte ich zum ersten Mal die Möglichkeit, sie tatsächlich abzustellen, statt sie zu melden.
Wichtig: Das trägt nur mit deiner eigenen Beobachtung. Und Vorsicht: Wer intern Missstände benennt, sollte sie sachlich halten und niemanden bloßstellen.
Die Sache mit dem aktuellen Vorgesetzten
Kläre vorher, ob du ihn informierst, bevor du dich bewirbst. In den meisten Unternehmen erfährt er es ohnehin, und zwar nicht von dir. Ein kurzes Gespräch vorab kostet Überwindung und verhindert, dass aus einer normalen Bewerbung ein Vertrauensbruch wird.
Wenn im Anschreiben eine Formulierung dazu nötig ist, dann eine sachliche: dass du den Schritt mit deiner Führungskraft besprochen hast oder dass du für eine geordnete Übergabe sorgst. Mehr nicht.
Der Punkt, an dem auch intern nachgefragt werden muss
Auch bei einer internen Bewerbung gibt es die Lücke zwischen dem, was die Ausschreibung fordert, und dem, was du bisher gemacht hast. Intern fällt sie sogar stärker auf, weil man dich einschätzen kann. Genau dort setzt der Applicant Cover Letter an. Er liest deine Unterlagen gegen die Ausschreibung und fragt nach, bevor er schreibt:
Wer diesen Punkt selbst adressiert, nimmt der internen Diskussion das Argument.
In der Stellenanzeige wird die Führung von 45 Mitarbeitenden im Drei-Schicht-Betrieb gefordert. Du hast bei Hansa Wellpappe GmbH 32 Mitarbeitende in zwei Schichten geführt und bei Norddeutsche Kartonagen AG 14 Mitarbeitende im Drei-Schicht-Betrieb. Beschreibe bitte, wie du dich auf die Führung eines größeren Teams im Drei-Schicht-Betrieb vorbereiten würdest.
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Wenn es nicht klappt
Wenn du den Eindruck hast, dass deine Eignung nicht gesehen wurde, liegt das selten am Anschreiben. Das Anschreiben erklärt Motivation und Bezug, der Lebenslauf zeigt die Historie, den Eignungsnachweis liefert keines von beiden. Der Applicant Talent Report macht sichtbar, wie deine Erfahrung auf die konkrete Aufgabe trifft, und funktioniert intern genauso wie extern.
Wenn die interne Bewerbung abgelehnt wird
Eine abgelehnte interne Bewerbung ist unangenehm, aber kein Karriereende. Bitte um ein Gespräch über den Grund, sachlich und ohne Vorwurf. Die Antwort ist oft die konkreteste Entwicklungsberatung, die du im Unternehmen bekommen kannst.
Der Prüfsatz
Könnte ich diesen Satz im Vorstellungsgespräch spontan sagen und zwei Minuten lang mit Beispielen füllen? Intern ist die Kontrolle noch härter, weil deine Gesprächspartner überprüfen können, was du behauptest. Jede Übertreibung wird bemerkt, und zwar von Leuten, mit denen du danach weiterarbeitest.
Was du niemals schreiben solltest
- Kritik an deinem aktuellen Vorgesetzten oder Team. Das Anschreiben wird intern weitergereicht, oft weiter, als dir lieb ist.
- „Ich fühle mich unterfordert." Das ist eine Aussage über die letzten Jahre, nicht über die nächsten.
- Alles, was nach Anspruch aus Betriebszugehörigkeit klingt. Dienstjahre sind kein Argument.
- Formulierungen aus einer externen Bewerbung, die du übernommen hast. Wer dem eigenen Arbeitgeber schreibt, wie toll dieses Unternehmen sei, wirkt unaufrichtig.
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Führungskraft
Die nächste Lebenslage, wenn die interne Stelle eine Führungsposition ist.
Jobwechsel begründen
Wie du den Wechselwunsch aus der Sache heraus begründest, statt nach Flucht zu klingen.
Länge und Format
Wie viel Text die kürzere interne Fassung noch braucht und wie sie formal aussieht.
Nach einer Absage
Was du tust, wenn die interne Bewerbung abgelehnt wurde und du dich erneut bewirbst.
Häufig gestellte Fragen
Brauche ich bei einer internen Bewerbung überhaupt ein Anschreiben?
Wie lang soll es sein?
Muss ich einen Lebenslauf mitschicken?
Soll ich meinen Vorgesetzten vorher informieren?
Darf ich mich intern und extern gleichzeitig bewerben?
Was, wenn ich die Stelle nicht bekomme und weiter im Team bleibe?
Je nach Ziel: Der richtige nächste Schritt
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