Quereinstieg

Quereinstieg als Verwaltungsfachwirt/in: So realistisch ist es

Der Quereinstieg zum Verwaltungsfachwirt ist über den Angestelltenlehrgang II möglich — allerdings setzt dieser in der Regel eine Beschäftigung im öffentlichen Dienst und den Angestelltenlehrgang I oder eine Verwaltungsfachangestelltenprüfung voraus. Für Quereinsteiger ohne Verwaltungshintergrund führt der Weg über den Angestelltenlehrgang I (6-12 Monate), dann Berufserfahrung in der Verwaltung und anschließend den Angestelltenlehrgang II (ca. 2 Jahre). Akademiker mit verwaltungsnahem Studium (Jura, BWL, Public Management) können in einigen Bundesländern direkt zum Angestelltenlehrgang II zugelassen werden.

Machbarkeit des Quereinstiegs

Machbar mit Aufwand

Quereinstieg möglich über den Angestelltenlehrgang II (ca. 2 Jahre berufsbegleitend). Voraussetzung: Beschäftigung in der Verwaltung + Angestelltenlehrgang I oder vergleichbare Qualifikation. Akademiker mit verwaltungsnahem Studium können teilweise direkt zugelassen werden.

Klassischer Werdegang

Ausbildung / Studium

Angestelltenlehrgang II (ca. 2 Jahre berufsbegleitend) oder duales Studium gehobener Verwaltungsdienst (3 Jahre) an einer Fachhochschule für öffentliche Verwaltung

Typische Dauer

2-3 Jahre (Angestelltenlehrgang II berufsbegleitend) oder 3 Jahre (duales Studium)

Alternative Ausbildung

Für Beamte: Aufstieg vom mittleren in den gehobenen Dienst über Aufstiegsprüfung oder Aufstiegslehrgang. Für Quereinsteiger: Angestelltenlehrgang I (Grundqualifikation) + Berufserfahrung + Angestelltenlehrgang II. Akademiker mit verwaltungsnahem Abschluss können in einigen Bundesländern direkt in den gehobenen Dienst einsteigen.

Welche Zertifizierungen für den Einstieg ins Projektmanagement besonders wertvoll sind, erfährst du in unserer Übersicht der Verwaltungsfachwirt/in-Zertifikate.

Quereinstiegs-Pfade

Verwaltungsfachangestellter (mittlerer Dienst)

2 Jahre (Angestelltenlehrgang II, berufsbegleitend)

Was du mitbringst

  • Verwaltungsrechtliche Grundlagen und Bescheidtechnik
  • Erfahrung in der kommunalen Sachbearbeitung
  • Kenntnisse der Verwaltungsstrukturen und -abläufe
  • Erfahrung mit Fachverfahren und Verwaltungssoftware

Was dir fehlt

Vertiefte Rechtskenntnisse (Verwaltungsrecht, Kommunalrecht, Personalrecht), Führungskompetenz, Haushaltsrecht, Organisationslehre

So schließt du die Lücke

Der Angestelltenlehrgang II ist der klassische Aufstiegsweg. Er wird berufsbegleitend an Studieninstituten für kommunale Verwaltung angeboten (ca. 2 Jahre, Abendunterricht + Samstage). Die Zulassung erfordert den Angestelltenlehrgang I oder die Verwaltungsfachangestelltenprüfung + mindestens 1-3 Jahre Berufserfahrung. Die Prüfung (Verwaltungsfachwirtprüfung) wird von der zuständigen Prüfungsbehörde abgenommen.

Betriebswirt oder BWL-Absolvent

6-12 Monate (Einstieg in die Verwaltung) + 2 Jahre (Angestelltenlehrgang II)

Was du mitbringst

  • Betriebswirtschaftliche Grundlagen und Rechnungswesen
  • Personalmanagement und Organisationslehre
  • Kostenrechnung und Controlling
  • Projektmanagement und Prozessoptimierung

Was dir fehlt

Verwaltungsrecht, Kommunalrecht, Beamtenrecht, öffentliches Haushaltsrecht, Ordnungsrecht

So schließt du die Lücke

BWL-Absolventen können in einigen Bundesländern direkt zum Angestelltenlehrgang II zugelassen werden — die betriebswirtschaftlichen Module werden anerkannt. Alternativ: Einstieg in die Verwaltung als Tarifbeschäftigter (E9a TVöD) mit anschließendem Angestelltenlehrgang II. Die betriebswirtschaftlichen Kenntnisse sind besonders in der Kämmerei, Vergabestelle und im Controlling gefragt.

Jurist (ohne Prädikatsexamen oder mit nur einem Staatsexamen)

3-6 Monate (Bewerbung und Einstellung) — Verwaltungsfachwirtprüfung ggf. nicht erforderlich

Was du mitbringst

  • Fundierte Rechtskenntnisse und Rechtsanwendungsfähigkeit
  • Erfahrung in der Rechtsanalyse und Gutachtenerstellung
  • Kenntnisse im Verwaltungsrecht und öffentlichen Recht
  • Strukturiertes juristisches Denken

Was dir fehlt

Kommunalrechtliche Praxis, Verwaltungsabläufe, Haushaltsrecht, praktische Verwaltungserfahrung

So schließt du die Lücke

Juristen (auch mit nur einem Staatsexamen) sind in der öffentlichen Verwaltung sehr gefragt — besonders in Rechtsämtern, Ordnungsämtern und Widerspruchsstellen. Der Einstieg erfolgt als Tarifbeschäftigter in E9c-E11 TVöD. In einigen Bundesländern wird das Jura-Studium als gleichwertig mit dem Angestelltenlehrgang II anerkannt — eine separate Verwaltungsfachwirtprüfung entfällt dann.

Bankkaufmann oder Versicherungskaufmann

6-12 Monate (Angestelltenlehrgang I) + 1-2 Jahre Berufserfahrung + 2 Jahre (Angestelltenlehrgang II)

Was du mitbringst

  • Finanzwirtschaftliche Kenntnisse und Rechnungswesen
  • Kundenberatung und Serviceorientierung
  • Erfahrung mit regulatorischen Anforderungen und Compliance
  • Sorgfalt und Genauigkeit bei der Dokumentation

Was dir fehlt

Verwaltungsrecht, Kommunalrecht, öffentliches Dienstrecht, Verwaltungsabläufe

So schließt du die Lücke

Bankkaufleute und Versicherungskaufleute können über den Angestelltenlehrgang I in die Verwaltung einsteigen — insbesondere in der Kämmerei, im Steueramt oder in der Vollstreckung (Kommunalabgaben). Nach dem Angestelltenlehrgang I und Berufserfahrung folgt der Angestelltenlehrgang II. Die Finanzkenntnisse sind besonders in der kommunalen Finanzwirtschaft wertvoll.

Du fragst dich, ob du die Anforderungen in Stellenanzeigen erfüllst? Unser Guide Verwaltungsfachwirt/in-Stellenanzeigen richtig lesen zeigt dir, welche Anforderungen wirklich zählen — und welche Wunschliste sind.

"Vergleichbare Qualifikation" — was heißt das?

Der Verwaltungsfachwirt (Angestelltenlehrgang II) wird in der öffentlichen Verwaltung als gleichwertig mit dem Bachelor-Abschluss des gehobenen Verwaltungsdienstes anerkannt. Beide Qualifikationen eröffnen die gleichen Laufbahnmöglichkeiten (E9c-E12 TVöD / A9-A13). Ein verwaltungsnahes Hochschulstudium (Jura, BWL, Public Management) kann in einigen Bundesländern als gleichwertig anerkannt werden — das hängt vom Dienstherrn und der konkreten Stelle ab.

Verwaltungsfachangestellter + Angestelltenlehrgang II (2 Jahre) = Verwaltungsfachwirt, Eingruppierung E9c-E12 TVöD
Diplom-Verwaltungswirt (FH) = Beamtenlaufbahn gehobener Dienst A9-A13, gleichwertig mit Verwaltungsfachwirt
Jurist mit 1. Staatsexamen + Verwaltungserfahrung = Direkteinstieg E9c-E11 TVöD, Verwaltungsfachwirtprüfung ggf. entbehrlich

Du bist unsicher, ob deine Qualifikationen ausreichen? Der Talent Report analysiert dein Profil und zeigt, wo du als Quereinsteiger stehst.

Häufige Fragen zum Quereinstieg als Verwaltungsfachwirt/in

Kann man den Verwaltungsfachwirt ohne Verwaltungsausbildung machen?

Grundsätzlich setzt der Angestelltenlehrgang II den Angestelltenlehrgang I oder die Verwaltungsfachangestelltenprüfung voraus. Ausnahmen: Akademiker mit verwaltungsnahem Studium (Jura, BWL, Public Management) können in einigen Bundesländern direkt zugelassen werden. Für Quereinsteiger ohne Verwaltungshintergrund: zunächst Angestelltenlehrgang I (6-12 Monate), dann Berufserfahrung, dann Angestelltenlehrgang II.

Wie lange dauert der Angestelltenlehrgang II?

Ca. 2 Jahre berufsbegleitend (Abendunterricht + Samstage). In einigen Bundesländern wird auch ein Vollzeitformat angeboten (6-12 Monate). Der Lehrgang umfasst Verwaltungsrecht, Kommunalrecht, Personalrecht, Haushaltsrecht, Organisationslehre und BWL. Die Abschlussprüfung (Verwaltungsfachwirtprüfung) besteht aus schriftlichen Klausuren und einer mündlichen Prüfung.

Was kostet der Angestelltenlehrgang II?

Die Lehrgangsgebühren betragen 3.000-6.000 Euro und werden in der Regel vom Arbeitgeber (Kommune, Land, Bund) getragen. Voraussetzung: Einverständnis des Arbeitgebers und ggf. eine Rückzahlungsvereinbarung (falls du innerhalb von 2-3 Jahren nach Abschluss den Arbeitgeber wechselst). Eigenfinanzierung ist möglich, aber unüblich.

Ist der Verwaltungsfachwirt so viel wert wie ein Bachelor?

Im öffentlichen Dienst: ja. Der Verwaltungsfachwirt (Angestelltenlehrgang II) wird als gleichwertig mit dem Bachelor-Abschluss des gehobenen Verwaltungsdienstes anerkannt (DQR Niveau 6). Die Eingruppierung ist identisch: E9c-E12 TVöD. In der Privatwirtschaft wird der Verwaltungsfachwirt weniger einheitlich bewertet — für Verwaltungskarrieren ist er aber die passgenauere Qualifikation.

Kann man als Verwaltungsfachwirt verbeamtet werden?

Grundsätzlich ja — der Verwaltungsfachwirt entspricht der Qualifikation des gehobenen Verwaltungsdienstes. Die Verbeamtung hängt aber von weiteren Faktoren ab: Altersgrenze (meist 40-45 Jahre), gesundheitliche Eignung, verfügbare Beamtenstelle und Beschluss der Kommune. Nicht alle Kommunen verbeamten — in manchen Bundesländern ist die Verbeamtung im kommunalen Bereich die Regel, in anderen die Ausnahme.

Weitere Themen für Verwaltungsfachwirt/in

Elinora zeigt dir Karrierewege als Verwaltungsfachwirt — passend zu deinem Hintergrund

Der Talent Report analysiert deine Stärken, Erfahrungen und Qualifikationen und zeigt dir, wie du als Quereinsteiger überzeugst.

  • Stärken-Analyse: Was du aus deinem bisherigen Werdegang mitbringst
  • Gap-Analyse: Welche Lücken du noch schließen solltest
  • Konkrete Empfehlungen für Zertifikate und nächste Schritte

Kostenlos starten · Ergebnis in 5 Minuten