Berufsprofil: Verwaltungsfachwirt/in
Verwaltungsfachwirtinnen und Verwaltungsfachwirte sind die Fachkräfte des gehobenen Verwaltungsdienstes. Sie bearbeiten komplexe Verwaltungsvorgänge, treffen eigenverantwortliche Entscheidungen, leiten Sachgebiete und übernehmen Führungsaufgaben in kommunalen und staatlichen Verwaltungen. Die Qualifikation wird entweder über den Angestelltenlehrgang II (für Tarifbeschäftigte) oder die Beamtenlaufbahn des gehobenen Dienstes erlangt. Der Verwaltungsfachwirt ist die höchste nicht-akademische Qualifikation in der öffentlichen Verwaltung und öffnet Türen zu Sachgebietsleitung, Amtsleitung und Dezernatsleitung.
Top 5 Aufgaben
Typische Branchen
Hard Skills
- Verwaltungsrecht (VwVfG, VwGO) und Kommunalrecht (GO, KrO)
- Haushaltsrecht und kommunale Finanzwirtschaft (KomHVO, BHO)
- Personalrecht: Beamtenrecht (BBG, BeamtStG), Tarifrecht (TVöD, TV-L)
- Ordnungsrecht und Polizeirecht (OBG, PolG)
- Vergaberecht (GWB, VgV, UVgO) und Zuwendungsrecht
Soft Skills
- Entscheidungsfreudigkeit bei rechtlich komplexen Verwaltungsvorgängen
- Führungskompetenz und Personalmanagement in der Sachgebietsleitung
- Kommunikationsfähigkeit mit Bürgern, Vorgesetzten und politischen Gremien
- Organisationstalent bei der Steuerung mehrerer paralleler Vorgänge
- Veränderungsbereitschaft bei Verwaltungsmodernisierung und Digitalisierung
Arbeitsumfeld: Verwaltungsfachwirte arbeiten in Büros der öffentlichen Verwaltung — mit regelmäßigen Arbeitszeiten und zunehmend flexiblen Arbeitszeitmodellen (Gleitzeit, Homeoffice). Die Arbeitsbelastung variiert: In Ordnungs- und Sozialämtern ist der Publikumsverkehr hoch, in Querschnittsämtern (Haupt-, Personal-, Finanzamt) überwiegt die Aktenarbeit. Sachgebietsleitungen verbinden fachliche Arbeit mit Personalführung. Der öffentliche Dienst bietet geregelte Arbeitszeiten, tarifliche Sicherheit und — bei Verbeamtung — lebenslange Beschäftigungsgarantie.
Arbeitsmarkt-Lage: Verwaltungsfachwirt/in
Die öffentliche Verwaltung hat einen massiven Fachkräftemangel — besonders im gehobenen Dienst. Der Deutsche Beamtenbund (dbb) schätzt den Fehlbestand auf über 300.000 Stellen im öffentlichen Dienst insgesamt. Verwaltungsfachwirte sind besonders gefragt: Jede Kommune sucht qualifizierte Sachgebietsleiter, Amtsleiter und Führungskräfte. Die Pensionierungswelle der Babyboomer-Jahrgänge verschärft das Problem bis 2030 dramatisch — über 40% der Verwaltungsbeschäftigten gehen in den nächsten 10 Jahren in den Ruhestand.
Top-Regionen
NRW hat die meisten Kommunalverwaltungen und den größten Personalbedarf. Bayern und Baden-Württemberg bieten die höchste Vergütung bei gleichzeitig hohen Lebenshaltungskosten. Ostdeutsche Bundesländer haben besonders hohe Pensionierungsquoten und damit überdurchschnittliche Einstellungschancen. Ballungsräume (München, Frankfurt, Stuttgart) haben wegen der Konkurrenz mit der Privatwirtschaft besondere Schwierigkeiten, Verwaltungsfachwirte zu halten.
Zertifikate für Verwaltungsfachwirt/in: welche zählen
Für Verwaltungsfachwirte ist der Angestelltenlehrgang II der zentrale Türöffner. Danach entscheiden Führungslehrgänge, Spezialisierungen und Zusatzqualifikationen über die Karriere: Amtsleitung, Dezernatsleitung oder Spezialistentätigkeit in Fachbereichen wie Vergaberecht, Personalmanagement oder Digitalisierung.
Von 6 verbreiteten Zertifikaten für Verwaltungsfachwirt/in gelten 2 als Türöffner — ohne sie kommst du bei vielen Stellen nicht in die engere Auswahl. Der Rest verbessert die Ausgangslage, entscheidet aber nicht.
Verwaltungsfachwirtprüfung (Angestelltenlehrgang II)
Studieninstitute für kommunale Verwaltung der Bundesländer (z. B. HVSV, StI NRW, Bayerische Verwaltungsschule)
Die Verwaltungsfachwirtprüfung ist die zentrale Qualifikation für den gehobenen Verwaltungsdienst. Sie schließt den ca. 2-jährigen Angestelltenlehrgang II ab und berechtigt zur Eingruppierung in E9c-E12 TVöD. Ohne diese Prüfung (oder eine anerkannte Vergleichsqualifikation) kein Zugang zu gehobenen Verwaltungsstellen.
3.000-6.000 Euro (Lehrgangsgebühr — wird in der Regel vom Arbeitgeber getragen)
Ca. 2 Jahre (berufsbegleitend) oder 6-12 Monate (Vollzeit)
Verwaltungsfachangestelltenprüfung oder Angestelltenlehrgang I + mindestens 1-3 Jahre Berufserfahrung in der Verwaltung + Zustimmung des Arbeitgebers
Aufstiegslehrgang höherer Verwaltungsdienst (Masterqualifikation)
Deutsche Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer, Fachhochschulen für öffentliche Verwaltung (Masterprogramme)
Für den Aufstieg in den höheren Verwaltungsdienst (E13+ / A13+) und damit in Positionen wie Dezernatsleitung, Fachbereichsleitung oder Beigeordneter ist eine Masterqualifikation oder der bestandene Aufstiegslehrgang Voraussetzung. Die Deutsche Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer bietet renommierte Masterprogramme für Verwaltungsführungskräfte an.
5.000-15.000 Euro (Studiengebühren) — oft durch den Dienstherrn finanziert
2 Jahre (berufsbegleitend) oder 1 Jahr (Vollzeit)
Verwaltungsfachwirt oder vergleichbare Qualifikation + mindestens 5-10 Jahre Berufserfahrung + überdurchschnittliche Beurteilungen + Auswahl durch den Dienstherrn
Führungslehrgang für den gehobenen Verwaltungsdienst
Kommunale Studieninstitute, Verwaltungsakademien, Deutsche Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer
Führungslehrgänge vermitteln Management- und Führungskompetenz für Sachgebietsleitungen und Amtsleitungen. Sie umfassen Personalführung, Konfliktmanagement, Change Management und strategische Steuerung. Für Beförderungen in Leitungsfunktionen (E11+) werden Führungslehrgänge zunehmend vorausgesetzt oder stark gewichtet.
1.500-4.000 Euro (oft vom Arbeitgeber finanziert)
2-4 Wochen (Blockseminar) oder 6-12 Monate (berufsbegleitend in Modulen)
Verwaltungsfachwirt oder vergleichbare Qualifikation + Berufserfahrung + Empfehlung des Vorgesetzten
AEVO — Ausbilder-Eignungsverordnung (Ausbildereignungsprüfung)
IHK (Industrie- und Handelskammer) oder kommunale Prüfungsausschüsse
In der öffentlichen Verwaltung bilden erfahrene Verwaltungsfachwirte den Nachwuchs aus — Verwaltungsfachangestellte und Beamtenanwärter. Der AEVO-Schein ist die formale Voraussetzung für die Ausbildertätigkeit und wird bei Bewerbungen auf Stellen mit Ausbildungsverantwortung verlangt. In vielen Kommunen ist die Ausbildereignung ein fester Bestandteil der Karriereplanung.
Prüfungsgebühr: ca. 170-250 Euro | Vorbereitungskurs: 400-700 Euro
Vorbereitungskurs: 1-2 Wochen | Prüfung: 1 Tag (praktische Unterweisung + Fachgespräch)
Keine formalen Voraussetzungen für die Prüfungsanmeldung; Berufserfahrung in der Verwaltung empfohlen
Zertifikatslehrgang Vergaberecht (UVgO, VgV, GWB)
Deutsches Vergabenetzwerk, forum vergabe, Verwaltungsakademien, IHK
Vergaberecht ist eine der gefragtesten Spezialisierungen in der Verwaltung: Jede Kommune muss Aufträge für Bau, Lieferungen und Dienstleistungen nach den Vergabevorschriften ausschreiben. Vergaberechtliche Kenntnisse sind in der Vergabestelle, im Bauamt, in der Kämmerei und bei jedem größeren Beschaffungsvorgang erforderlich. Spezialisten im Vergaberecht sind rar und entsprechend gefragt.
1.000-3.000 Euro (je nach Lehrgangsumfang)
3-5 Tage (Kompaktseminar) oder 2-3 Monate (berufsbegleitend)
Verwaltungsausbildung oder -studium; Berufserfahrung in der öffentlichen Beschaffung empfohlen
Zertifikat Verwaltungsdigitalisierung / E-Government
IT-Planungsrat, VITAKO, Kommunale Studieninstitute, Fraunhofer FOKUS
Die Digitalisierung der Verwaltung (Onlinezugangsgesetz, E-Akte, OZG-Umsetzung) ist eines der größten Transformationsprojekte im öffentlichen Dienst. Verwaltungsfachwirte mit E-Government-Kenntnissen sind für die Steuerung von Digitalisierungsprojekten besonders gefragt. Fortbildungen zum Thema E-Government vermitteln rechtliche, technische und organisatorische Grundlagen.
500-2.000 Euro (je nach Anbieter und Umfang)
2-5 Tage (Seminar) oder 3-6 Monate (berufsbegleitend)
Keine formalen Voraussetzungen; Berufserfahrung in der Verwaltung und IT-Affinität empfohlen
Zeugnisse & Referenzen: was zählt
Wichtige Tätigkeitsnachweise im Zeugnis
Positive Formulierungen
Red-Flag-Formulierungen
Häufige Fragen zu Verwaltungsfachwirt/in-Zertifikaten
Welche Fortbildungen sind für Verwaltungsfachwirte am wichtigsten?
Für die Karriere: Führungslehrgänge (Voraussetzung für Sachgebietsleitungen und höhere Positionen). Für die Spezialisierung: Vergaberecht, Personalmanagement, Haushaltsrecht oder E-Government — je nach angestrebtem Fachbereich. Für den Aufstieg in den höheren Dienst: Master an der Deutschen Universität Speyer oder einer FH für öffentliche Verwaltung.
Lohnt sich die AEVO für Verwaltungsfachwirte?
Ja — in der öffentlichen Verwaltung bilden Verwaltungsfachwirte den Nachwuchs aus (Verwaltungsfachangestellte, Beamtenanwärter). Die Ausbildereignung (AEVO) ist dafür formale Voraussetzung. Viele Kommunen setzen die AEVO für leitende Stellen als Vorteil voraus. Die Investition (ca. 500-900 Euro) amortisiert sich schnell durch bessere Stellenchancen.
Kann ich als Verwaltungsfachwirt in den höheren Dienst aufsteigen?
Ja — über den Aufstiegslehrgang oder ein berufsbegleitendes Masterstudium (z. B. an der Uni Speyer, FH Kehl, HSPV NRW). Die Voraussetzungen: Verwaltungsfachwirt + 5-10 Jahre Berufserfahrung + überdurchschnittliche Beurteilungen + Auswahl durch den Dienstherrn. Der höhere Dienst (E13+/A13+) eröffnet Positionen als Dezernatsleiter, Fachbereichsleiter oder Beigeordneter.
Werden Verwaltungsfachwirt-Fortbildungen vom Arbeitgeber bezahlt?
In der Regel ja. Der öffentliche Dienst hat eine Fortbildungspflicht — Kommunen, Länder und der Bund finanzieren die fachliche Weiterqualifizierung ihrer Mitarbeiter. Der Angestelltenlehrgang II wird fast immer vom Arbeitgeber getragen (ggf. mit Rückzahlungsvereinbarung). Führungslehrgänge, Fachseminare und der AEVO-Kurs werden meist als Dienstzeit und auf Dienstkosten durchgeführt.
Wie wichtig sind E-Government-Kenntnisse für Verwaltungsfachwirte?
Zunehmend wichtig. Das Onlinezugangsgesetz (OZG) verpflichtet alle Verwaltungen, ihre Leistungen digital anzubieten. Verwaltungsfachwirte mit E-Government-Kenntnissen steuern Digitalisierungsprojekte, gestalten digitale Verwaltungsprozesse und koordinieren die Zusammenarbeit mit IT-Dienstleistern. Diese Kompetenz wird in den nächsten Jahren zu einem der wichtigsten Karrierefaktoren im öffentlichen Dienst.
Was in diesem Beruf verdient wird: Gehalt als Verwaltungsfachwirt — 60.471 € Median (Destatis 2025) · zum Berufsstart: Einstiegsgehalt ab 5.034 €/Monat
Dein Weg zum Verwaltungsfachwirt/in-Job
Quereinstieg
Wie realistisch ist der Einstieg als Verwaltungsfachwirt/in ohne klassischen Werdegang? Pfade, Zeitaufwand und was wirklich zählt.
Stellenanzeigen richtig lesen
Was Anforderungen in Verwaltungsfachwirt/in-Stellenanzeigen wirklich bedeuten — und wann du dich trotzdem bewerben solltest.
Zertifikate & Qualifikationen
Amtliche Gehaltsspanne für Verwaltungsfachwirt/in und wie Zertifikatsanforderungen in Stellenanzeigen gemeint sind.
Bewerbung als Verwaltungsfachwirt/in: weitere Schritte
Destatis 2025: Median, Niveau-Spanne und Einstiegsgehalt mit Quelle
Typische Fragen, STAR-Methode und Vorbereitung
Kernkompetenzen, häufige Fehler und ein starker Einstieg
Formulierungen richtig deuten und Bewertungen einordnen
Verwandte Berufe
Diese Berufe teilen sich viele Anforderungen mit Verwaltungsfachwirt/in — ein Blick lohnt sich, wenn du deine Suche breiter aufstellen willst.
Häufige Fragen zum Beruf Verwaltungsfachwirt/in
Was ist ein Verwaltungsfachwirt?
Der Verwaltungsfachwirt ist die höchste nicht-akademische Qualifikation in der öffentlichen Verwaltung — vergleichbar mit dem gehobenen Verwaltungsdienst. Die Qualifikation wird über den Angestelltenlehrgang II (für Tarifbeschäftigte, ca. 2 Jahre berufsbegleitend) oder die Beamtenlaufbahn des gehobenen Dienstes (3-jähriges duales Studium) erlangt. Verwaltungsfachwirte übernehmen Sachgebiets- und Amtsleitungen und bearbeiten die komplexesten Verwaltungsvorgänge.
Was verdient ein Verwaltungsfachwirt?
E9c-E12 TVöD als Tarifbeschäftigter (ca. 3.200-4.800 Euro brutto) oder A9-A13 als Beamter (ca. 2.800-4.800 Euro brutto). Sachgebietsleiter: E11-E12 (ca. 3.800-4.800 Euro). Amtsleiter: E12-E13 (ca. 4.200-5.200 Euro). Beamte zahlen keine Sozialversicherungsbeiträge — das Netto ist deutlich höher. Die Vergütung variiert nach Bundesland, Kommune und Berufserfahrung.
Was ist der Unterschied zwischen Verwaltungsfachwirt und Verwaltungsfachangestelltem?
Verwaltungsfachangestellte (Ausbildung, 3 Jahre, mittlerer Dienst) bearbeiten standardisierte Verwaltungsvorgänge in E5-E9a TVöD. Verwaltungsfachwirte (Angestelltenlehrgang II, 2 Jahre, gehobener Dienst) bearbeiten komplexe Vorgänge, erlassen eigenverantwortlich Verwaltungsakte und übernehmen Führungsaufgaben in E9c-E12 TVöD. Der Verwaltungsfachwirt ist die Aufstiegsqualifikation für Verwaltungsfachangestellte.
In welchen Ämtern arbeiten Verwaltungsfachwirte?
In praktisch allen Bereichen der öffentlichen Verwaltung: Ordnungsamt, Sozialamt, Bauamt, Personalamt, Finanzamt, Hauptamt, Jugendamt, Standesamt, Ausländerbehörde, Jobcenter, Vergabestelle, Kämmerei, Rechnungsprüfungsamt. Die Spezialisierung erfolgt durch die Verwaltungspraxis — der Verwaltungsfachwirt ist eine generalistisch ausgebildete Führungskraft, die in jedem Amt einsetzbar ist.
Gibt es den Verwaltungsfachwirt auch in Österreich und der Schweiz?
In Österreich gibt es keine direkte Entsprechung — die Verwaltungsausbildung erfolgt über Fachhochschulen (FH Public Management) oder die Verwaltungsakademie des Bundes. In der Schweiz bilden die Fachhochschulen (z. B. ZHAW, BFH) in Public Management aus — die kommunale Verwaltungsausbildung ist kantonal geregelt. Die deutsche Qualifikation wird in Österreich und der Schweiz nicht automatisch anerkannt.
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