Quereinstieg

Quereinstieg als SPS-Programmierer: So realistisch ist es

SPS-Programmierung ist kein reglementierter Beruf, erfordert aber eine solide elektrotechnische Grundlage und Programmierkenntnisse, die nicht über Nacht zu erwerben sind. Quereinsteiger aus der Elektrotechnik oder Mechatronik mit Praxiserfahrung an Industrieanlagen haben realistische Chancen — ein Siemens-SITRAIN-Kurs plus Praxisprojekte öffnen die Tür. Ohne elektrotechnische Grundkenntnisse (Schaltpläne lesen, Sensorik/Aktorik, Sicherheitstechnik) ist der Einstieg nicht realistisch.

Machbarkeit des Quereinstiegs

Machbar mit Aufwand

SPS-Programmierung erfordert elektrotechnisches Grundwissen und Programmierverständnis. Quereinsteiger aus Elektrotechnik und Mechatronik mit Siemens-Schulung haben gute Chancen. Ohne elektrotechnische Basis ist der Einstieg unrealistisch.

Klassischer Werdegang

Ausbildung / Studium

Ausbildung als Elektroniker für Automatisierungstechnik oder Mechatroniker, alternativ Studium Elektrotechnik/Automatisierungstechnik

Typische Dauer

3–3,5 Jahre Ausbildung + 1–2 Jahre Spezialisierung in SPS-Programmierung oder 4–5 Jahre Studium + Praxiserfahrung

Alternative Ausbildung

Techniker-Weiterbildung (Elektrotechnik, Automatisierungstechnik) mit SPS-Schwerpunkt. Auch Elektriker oder Mechatroniker mit intensiver Siemens-SITRAIN-Schulung und Praxisprojekten finden den Einstieg.

Welche Zertifizierungen für den Einstieg ins Projektmanagement besonders wertvoll sind, erfährst du in unserer Übersicht der SPS-Programmierer-Zertifikate.

Quereinstiegs-Pfade

Elektroniker für Betriebstechnik / Elektroniker für Automatisierungstechnik

6–12 Monate (SITRAIN-Schulungen + Praxisprojekte)

Was du mitbringst

  • Elektrotechnische Grundlagen: Schaltpläne lesen, Sensorik/Aktorik, Verdrahtung
  • Grundkenntnisse SPS aus der Ausbildung (STEP 7 oder TIA Portal Basics)
  • Erfahrung mit Inbetriebnahme und Störungsbeseitigung an Industrieanlagen
  • Sicherheitstechnik: Not-Aus, Schutzgitter, Sicherheits-SPS

Was dir fehlt

Vertiefte SPS-Programmierung (SCL, komplexe Funktionsbausteine), Antriebstechnik-Parametrierung, HMI/Visualisierung, eigenständige Softwareentwicklung

So schließt du die Lücke

Siemens SITRAIN-Schulungen: TIA Portal Basics (3 Tage) → TIA Portal Advanced (5 Tage) → Antriebstechnik Sinamics (3 Tage). Parallel: Praxisprojekte an realen Anlagen (Umbauten, Erweiterungen, Störungsanalyse). In 6–12 Monaten gezielter Weiterbildung plus Praxis kannst du als Junior-SPS-Programmierer einsteigen.

Mechatroniker mit Industrieerfahrung

6–12 Monate (mit gezielter Schulung und Praxis)

Was du mitbringst

  • Kombination aus Elektrotechnik und Mechanik — versteht die ganze Maschine
  • Grundkenntnisse SPS aus der Ausbildung
  • Erfahrung mit Antriebstechnik und Pneumatik
  • Inbetriebnahme-Erfahrung und systematische Fehlersuche

Was dir fehlt

Vertiefte Programmierung (SCL, objektorientiert), Softwarearchitektur, Visualisierung, Feldbus-Konfiguration

So schließt du die Lücke

Siemens SITRAIN-Kurse sind der schnellste Weg. Ergänzend: Ein eigenes Übungsprojekt mit einer S7-1200 (Starter Kit kostet ca. 500–800 Euro) beschleunigt das Lernen enorm. Viele Mechatroniker wechseln intern in die Softwareabteilung, wenn sie Programmierpotenzial zeigen.

Softwareentwickler / Informatiker mit Interesse an Automatisierung

12–18 Monate (elektrotechnische Grundlage + SPS-Spezialisierung)

Was du mitbringst

  • Programmierlogik, Datenstrukturen, Softwarearchitektur
  • Verständnis von Schnittstellen, Protokollen und Kommunikation
  • Debugging und systematische Fehlersuche
  • Versionskontrolle und Dokumentation

Was dir fehlt

Elektrotechnische Grundlagen, Sensorik/Aktorik, Sicherheitstechnik, Echtzeit-Anforderungen, physikalische Prozesse verstehen

So schließt du die Lücke

Der Wechsel von IT zu OT (Operational Technology) ist möglich, aber der elektrotechnische Gap ist groß. Empfohlen: Grundkurs Elektrotechnik + Siemens SITRAIN + Praktikum oder Werkstudentenstelle bei einem Maschinenbauer. Die Programmierkompetenz ist ein starker Vorteil, aber du musst die physische Welt (Maschine, Sicherheit, Echtzeit) verstehen lernen.

Du fragst dich, ob du die Anforderungen in Stellenanzeigen erfüllst? Unser Guide SPS-Programmierer-Stellenanzeigen richtig lesen zeigt dir, welche Anforderungen wirklich zählen — und welche Wunschliste sind.

"Vergleichbare Qualifikation" — was heißt das?

Bei SPS-Programmierer-Stellen meint "oder vergleichbare Qualifikation" jeden Bildungsweg, der zu belastbarer SPS-Kompetenz führt. Entscheidend sind nachweisbare Programmiererfahrung an industriellen Steuerungen und elektrotechnisches Grundverständnis — nicht der spezifische Abschluss.

Elektroniker für Betriebstechnik + Siemens SITRAIN TIA Portal Service 1+2 + 2 Jahre Praxiserfahrung = anerkanntes Profil für SPS-Programmierer-Stellen
Staatlich geprüfter Techniker Elektrotechnik (Schwerpunkt Automatisierung) = gleichwertig zu einem Studienabschluss für viele Arbeitgeber
Mechatroniker + selbstständig realisierte SPS-Projekte (dokumentiert) + Siemens-Zertifizierung = akzeptiert im Sondermaschinenbau

Du bist unsicher, ob deine Qualifikationen ausreichen? Der Talent Report analysiert dein Profil und zeigt, wo du als Quereinsteiger stehst.

Häufige Fragen zum Quereinstieg als SPS-Programmierer

Kann ich SPS-Programmierer werden, ohne Elektrotechnik studiert zu haben?

Ja — viele SPS-Programmierer haben eine Ausbildung als Elektroniker oder Mechatroniker plus Weiterbildung (Techniker, SITRAIN-Kurse). Ein Studium ist kein Muss, besonders nicht im Mittelstand. Entscheidend ist, dass du SPS-Systeme programmieren kannst und elektrotechnische Grundlagen beherrschst. Ohne elektrotechnische Basis (Schaltpläne, Sensorik, Sicherheit) geht es allerdings nicht.

Wie lange dauert es, SPS-Programmierung zu lernen?

Grundlagen (einfache Programme in KOP/FUP): 2–4 Wochen Schulung. Arbeitsfähig als Junior-Programmierer: 6–12 Monate (Schulung + Praxis). Eigenständig komplexe Anlagen programmieren: 2–3 Jahre Berufserfahrung. Die Lernkurve ist steil, aber mit Siemens-SITRAIN-Kursen und Praxisprojekten gut strukturiert.

Lohnt sich ein Siemens-SITRAIN-Kurs für den Einstieg?

Ja — SITRAIN ist der anerkannte Schulungsstandard in der DACH-Industrie. Die Kurse sind teuer (1.500–3.000 Euro pro Kurs), aber die Investition lohnt sich: Arbeitgeber kennen und vertrauen dem SITRAIN-Zertifikat. Für den Einstieg empfohlen: "TIA Portal Service 1" (Grundlagen) und "TIA Portal Service 2" (Aufbau).

Welche SPS-Marke sollte ich als Quereinsteiger zuerst lernen?

Siemens (TIA Portal mit S7-1500/1200) — mit 60–70 % Marktanteil in DACH ist das die sicherste Investition. Wenn du Siemens beherrschst, findest du überall Stellen. Beckhoff TwinCAT ist die zweitwichtigste Plattform und wächst stark. Allen-Bradley lohnt sich nur, wenn du gezielt bei US-Konzernen arbeiten willst.

Kann ich als Softwareentwickler in die SPS-Programmierung wechseln?

Möglich, aber anspruchsvoll. Deine Programmierkompetenz ist ein starker Vorteil, aber SPS ist Echtzeitprogrammierung mit physischem Bezug: Maschinen bewegen sich, Sicherheit hat höchste Priorität, und du arbeitest mit Strom. Du musst die elektrotechnischen Grundlagen (Sensorik, Aktorik, Sicherheitstechnik) solide lernen — das dauert 6–12 Monate.

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