Berufsprofil: Schweißfachmann
Der Schweißfachmann (International Welding Specialist, IWS) ist die mittlere Qualifikationsstufe der Schweißaufsicht nach ISO 14731. Er überwacht schweißtechnische Fertigung, stellt die Einhaltung von Schweißanweisungen sicher, bewertet Schweißerqualifikationen und koordiniert die Qualitätssicherung. Der Schweißfachmann arbeitet an der Schnittstelle zwischen Fertigung, Qualität und Normen — in Branchen, in denen Schweißnähte sicherheitsrelevant sind.
Top 5 Aufgaben
Typische Branchen
Hard Skills
- Schweißverfahren (MAG, WIG, E-Hand, UP) und deren Anwendungsbereiche
- Schweißtechnische Normen (EN ISO 9606, EN ISO 15614, EN ISO 3834, DIN EN 1090)
- WPS-Erstellung und WPQR-Bewertung
- Werkstoffkunde (Stähle, Edelstähle, Aluminium) und Schweißeignung
- Zerstörungsfreie Prüfverfahren (VT, PT, MT, RT, UT — Grundkenntnisse)
Soft Skills
- Durchsetzungsvermögen gegenüber Schweißern und Produktion bei Qualitätsmängeln
- Sorgfältige Dokumentation und normgerechtes Arbeiten
- Kommunikation mit Kunden, Prüfstellen und Zertifizierungsgesellschaften
- Stressresistenz bei Audits und unter Fertigungsdruck
- Bereitschaft zu Baustelleneinsätzen und wechselnden Einsatzorten
Arbeitsumfeld: Fertigung: Überwiegend in der Werkstatt oder auf Baustellen — direkt an den Schweißarbeitsplätzen. Büro: Dokumentation, WPS-Erstellung und Auswertung (30–40 % der Arbeitszeit). Baustelle: Bei Montagebetrieben und im Rohrleitungsbau häufig Baustelleneinsätze — teilweise mehrtägig, teilweise im Ausland. Schutzausrüstung (Gehörschutz, Schweißbrille, Sicherheitsschuhe) obligatorisch.
Arbeitsmarkt-Lage: Schweißfachmann
Schweißfachleute sind massiv nachgefragt. Die DIN EN 1090 (CE-Kennzeichnung im Stahlbau) hat den Bedarf an qualifizierter Schweißaufsicht deutlich erhöht — jedes Unternehmen, das tragende Stahlkonstruktionen fertigt, braucht eine benannte Schweißaufsichtsperson. Gleichzeitig gehen erfahrene Schweißfachleute in Rente, und der Nachwuchs fehlt.
Top-Regionen
Die stärkste Nachfrage besteht in Regionen mit Stahlbau (Ruhrgebiet, Sachsen), Schiffbau (Hamburg, Rostock, Kiel), Rohrleitungsbau (Norddeutschland, Bayerischer Chemiedreieck) und Schienenfahrzeugbau (Berlin, Kassel, Salzgitter). Im Offshore-Bereich (Windkraft) entstehen neue Stellen an der Nord- und Ostseeküste.
Zertifikate für Schweißfachmann: welche zählen
In der Schweißtechnik sind Zertifikate nicht nur Karrierebeschleuniger — sie sind normativ gefordert. Ohne die richtige DVS/IIW-Qualifikation darfst du die Schweißaufsicht nicht übernehmen. Die folgenden Zertifikate bilden das Fundament und die Aufstiegsmöglichkeiten.
Von 6 verbreiteten Zertifikaten für Schweißfachmann ist eines ein Türöffner — ohne es kommst du bei vielen Stellen nicht in die engere Auswahl. Der Rest verbessert die Ausgangslage, entscheidet aber nicht.
DVS-Schweißfachmann (IWS — International Welding Specialist)
DVS-Bildungseinrichtungen (zugelassen nach IAB-Richtlinie 252)
Das IWS-Diplom ist die Grundvoraussetzung für die Tätigkeit als Schweißaufsichtsperson nach ISO 14731. Ohne dieses Diplom darfst du in regulierten Branchen (Stahlbau, Druckgeräte, Schienenfahrzeug) nicht als benannte Schweißaufsicht arbeiten. Es ist der Standard-Einstieg in die Schweißaufsichtskarriere.
ca. 3.500–6.000 EUR
340 Stunden (ca. 6 Wochen Vollzeit oder 6–12 Monate berufsbegleitend)
Abgeschlossene Berufsausbildung in einem metallverarbeitenden Beruf oder vergleichbare Qualifikation
IWE — International Welding Engineer (Schweißfachingenieur)
DVS-Bildungseinrichtungen / SLV (Schweißtechnische Lehr- und Versuchsanstalt)
Der IWE ist die höchste Qualifikationsstufe der Schweißaufsicht nach ISO 14731. Er wird für die anspruchsvollsten Anwendungen gefordert (EXC4, Druckgeräte Kategorie IV, Schienenfahrzeugbau CL1). Für Karrierewege in Richtung Schweißtechnik-Leitung, Werkstoffprüfung und Beratung die wichtigste Qualifikation.
ca. 8.000–15.000 EUR
ca. 400 Stunden (4–6 Monate Vollzeit oder 12–18 Monate berufsbegleitend)
Ingenieurstudium (Maschinenbau, Werkstofftechnik oder vergleichbar) oder IWT + Berufserfahrung
Schweißerprüfung nach EN ISO 9606 (Stahl/Aluminium)
DVS-zugelassene Prüfstellen / SLV / TÜV
Die Schweißerprüfung nach EN ISO 9606 dokumentiert deine praktische Schweißkompetenz. Für die Schweißaufsicht nicht zwingend erforderlich, aber ein starker Nachweis gegenüber Schweißern und Arbeitgebern. In der Praxis erwarten die meisten Arbeitgeber, dass der IWS mindestens ein Verfahren selbst beherrscht.
ca. 300–800 EUR pro Prüfung (je nach Verfahren und Werkstoff)
Prüfung: 1 Tag; Vorbereitung: 1–4 Wochen (je nach Erfahrungsstand)
Keine formale Voraussetzung; praktische Schweißerfahrung empfohlen
DIN EN 1090 — Werkseigene Produktionskontrolle (WPK) Schulung
DVS / SLV / TÜV / Stahlbauverbände
DIN EN 1090 ist die zentrale Norm im Stahlbau. Die WPK-Schulung vermittelt die Anforderungen an die werkseigene Produktionskontrolle, die Rolle der Schweißaufsicht im Rahmen der CE-Kennzeichnung und die Dokumentationspflichten. Für IWS im Stahlbau ein Muss für die tägliche Arbeit.
ca. 500–1.200 EUR
1–2 Tage
IWS, IWT oder IWE; Grundkenntnisse im Stahlbau
ZfP-Qualifikation Stufe 1/2 nach ISO 9712 (VT, PT, MT)
DGZfP (Deutsche Gesellschaft für Zerstörungsfreie Prüfung) / SLV
Zerstörungsfreie Prüfverfahren (Sichtprüfung VT, Eindringprüfung PT, Magnetpulverprüfung MT) sind Teil der Qualitätssicherung in der Schweißtechnik. Eine ZfP-Qualifikation nach ISO 9712 erlaubt dem Schweißfachmann, Prüfungen selbst durchzuführen — nicht nur zu koordinieren. Besonders in KMU wertvoll, wo Personalressourcen begrenzt sind.
ca. 1.500–3.000 EUR pro Verfahren und Stufe
5–10 Tage pro Verfahren (Theorie + Praxis + Prüfung)
Technische Ausbildung; für Stufe 2: Stufe 1 + Berufserfahrung
DVS-Sachkundiger für Schweißarbeiten an Druckgeräten
DVS-Bildungseinrichtungen / SLV
Für Schweißfachleute, die im Druckgerätebau arbeiten, ist diese Zusatzqualifikation ein starker Spezialisierungsnachweis. Sie vermittelt die Anforderungen der PED (Druckgeräterichtlinie) und des AD 2000-Regelwerks. Im Behälter- und Rohrleitungsbau ein Karrierebeschleuniger.
ca. 800–1.500 EUR
2–3 Tage
IWS, IWT oder IWE; Grundkenntnisse im Druckgerätebau empfohlen
Zeugnisse & Referenzen: was zählt
Wichtige Tätigkeitsnachweise im Zeugnis
Positive Formulierungen
Red-Flag-Formulierungen
Häufige Fragen zu Schweißfachmann-Zertifikaten
Ist der IWS-Lehrgang förderfähig?
Ja. Der DVS-IWS-Lehrgang ist grundsätzlich über Aufstiegs-BAföG (ehemals Meister-BAföG) förderfähig. Auch Bildungsgutscheine der Arbeitsagentur kommen in Frage, wenn du arbeitssuchend bist oder von Arbeitslosigkeit bedroht. Manche Bundesländer bieten zusätzliche Förderprogramme für berufliche Weiterbildung.
Lohnt sich der Aufstieg vom IWS zum IWE?
Finanziell ja: IWE-Qualifizierte verdienen 15–25 % mehr als IWS. Fachlich öffnet der IWE die Tür zu den anspruchsvollsten Anwendungen (EXC4, Druckgeräte Kat. IV, Nukleartechnik) und zu Führungspositionen (Leiter Schweißtechnik). Der Aufstieg erfordert allerdings ein Ingenieurstudium oder den Zwischenschritt über IWT.
Brauche ich als IWS auch eine ZfP-Qualifikation?
Nicht zwingend — die ZfP-Durchführung ist eine eigene Rolle (ZfP-Prüfer nach ISO 9712). Der IWS muss ZfP-Ergebnisse interpretieren und Prüfaufträge erteilen können. In KMU ist es aber üblich, dass der IWS auch einfache Prüfungen (VT, PT) selbst durchführt — dafür brauchst du die ISO-9712-Qualifikation.
Wie oft muss der IWS sein Wissen nachweisen?
Das IWS-Diplom hat keine formale Ablaufrist. Allerdings fordern Arbeitgeber und Benannte Stellen regelmäßige Weiterbildung (typischerweise alle 2–3 Jahre ein Fachseminar). Die Schweißerprüfungen nach EN ISO 9606 haben eine Gültigkeit von 2–3 Jahren und müssen verlängert werden.
Welche Zusatzqualifikation bringt den größten Karriereschub?
Für die Karriere im Stahlbau: DIN-EN-1090-WPK-Schulung + ZfP-VT-Stufe-2. Für den Druckgerätebau: DVS-Sachkundiger für Druckgeräte. Branchenübergreifend: IWT als Aufstieg vom IWS — damit qualifizierst du dich für anspruchsvollere Ausführungsklassen und höhere Verantwortung.
Was in diesem Beruf verdient wird: Gehalt als Schweißfachmann — 46.960 € Median (Destatis 2025) · zum Berufsstart: Einstiegsgehalt ab 4.616 €/Monat
Dein Weg zum Schweißfachmann-Job
Quereinstieg
Wie realistisch ist der Einstieg als Schweißfachmann ohne klassischen Werdegang? Pfade, Zeitaufwand und was wirklich zählt.
Stellenanzeigen richtig lesen
Was Anforderungen in Schweißfachmann-Stellenanzeigen wirklich bedeuten — und wann du dich trotzdem bewerben solltest.
Zertifikate & Qualifikationen
Amtliche Gehaltsspanne für Schweißfachmann und wie Zertifikatsanforderungen in Stellenanzeigen gemeint sind.
Bewerbung als Schweißfachmann: weitere Schritte
Destatis 2025: Median, Niveau-Spanne und Einstiegsgehalt mit Quelle
Typische Fragen, STAR-Methode und Vorbereitung
Kernkompetenzen, häufige Fehler und ein starker Einstieg
Formulierungen richtig deuten und Bewertungen einordnen
Verwandte Berufe
Diese Berufe teilen sich viele Anforderungen mit Schweißfachmann — ein Blick lohnt sich, wenn du deine Suche breiter aufstellen willst.
Häufige Fragen zum Beruf Schweißfachmann
Was macht ein Schweißfachmann (IWS) genau?
Der Schweißfachmann ist die Schweißaufsichtsperson nach ISO 14731, Qualifikationsstufe "Specialist" (IWS). Er überwacht die schweißtechnische Fertigung, stellt die Einhaltung von Schweißanweisungen (WPS) sicher, bewertet Schweißerqualifikationen und koordiniert die Qualitätssicherung. Die Rolle ist normativ gefordert — ohne Schweißaufsicht darf in vielen Branchen nicht geschweißt werden.
Welches Gehalt kann ich als Schweißfachmann erwarten?
Berufseinsteiger mit IWS-Diplom starten bei ca. 40.000–48.000 EUR brutto/Jahr. Mit 3–5 Jahren Erfahrung und Branchenspezialisierung sind 50.000–60.000 EUR realistisch. Erfahrene Schweißfachleute in leitender Funktion oder mit IWE-Qualifikation erreichen 62.000–78.000 EUR. Im Offshore- und Pipelinebereich gibt es Zulagen (Montage, Ausland).
Was ist der Unterschied zwischen IWS, IWT und IWE?
Die drei Qualifikationsstufen nach ISO 14731: IWS (International Welding Specialist / Schweißfachmann) ist die mittlere Stufe, IWT (International Welding Technologist / Schweißtechniker) die gehobene und IWE (International Welding Engineer / Schweißfachingenieur) die höchste. Welche Stufe als Schweißaufsicht gefordert ist, hängt von der Risikoklasse und Norm ab.
Brauche ich die DVS-Qualifikation oder reicht Berufserfahrung?
Die DVS-Qualifikation (IWS-Diplom) ist in der Regel erforderlich, wenn du als benannte Schweißaufsichtsperson nach ISO 14731 fungieren sollst. Reine Berufserfahrung reicht normativ nicht aus — die Qualifikation muss durch ein anerkanntes Diplom (DVS/IIW) nachgewiesen werden. Für Schweißer, die in die Aufsicht wechseln wollen, ist der IWS-Lehrgang der Standardweg.
In welchen Branchen wird der Schweißfachmann am dringendsten gesucht?
Am dringendsten im Stahlbau (DIN EN 1090 fordert Schweißaufsicht), im Druckgerätebau (PED/DGRL), im Schienenfahrzeugbau (DIN EN 15085) und im Rohrleitungsbau. Im Offshore-Windkraftbereich wächst die Nachfrage durch den Ausbau der Meereswindparks. Die Automobilindustrie sucht Schweißfachleute für Karosserie- und Fahrwerkfertigung.
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