Quereinstieg

Quereinstieg als Notar: So realistisch ist es

Der Quereinstieg zum Notar ist de facto nicht möglich. Das Notaramt erfordert zwingend den Volljurist-Status (2. Staatsexamen) mit hervorragenden Examensleistungen — im Nurnotar-System typischerweise mindestens "vollbefriedigend" (9+ Punkte) in beiden Examen. Es gibt keinen alternativen Zertifizierungspfad, keine IHK-Weiterbildung und keine Quereinsteiger-Route. Selbst Volljuristen mit durchschnittlichen Noten haben kaum Chancen auf eine Notarstellung. Die Anzahl der Stellen ist gesetzlich begrenzt, und die Bestellung erfolgt ausschließlich durch die Landesjustizverwaltung.

Machbarkeit des Quereinstiegs

Anspruchsvoll

Der Notar ist einer der am strengsten regulierten Berufe in Deutschland. Volljurist-Status mit hervorragenden Examen, Assessorenzeit und staatliche Bestellung — es gibt keinen Quereinstieg, keine Abkürzung und extrem begrenzte Stellen. Selbst für Top-Juristen ist der Weg lang und unsicher.

Klassischer Werdegang

Ausbildung / Studium

Jurastudium + 1. Staatsexamen (mind. vollbefriedigend) + Referendariat + 2. Staatsexamen (mind. vollbefriedigend) + Notarassessorenzeit (Nurnotar) oder Anwaltstätigkeit + Notarprüfung (Anwaltsnotar)

Typische Dauer

5–7 Jahre Studium + 2 Jahre Referendariat + 3 Jahre Notarassessorenzeit (Nurnotar) ODER 5+ Jahre Anwaltstätigkeit (Anwaltsnotar) = 10–14 Jahre insgesamt

Alternative Ausbildung

Es gibt KEINE alternative Ausbildung zum Notar. Der Beruf ist ausschließlich über das vollständige juristische Ausbildungsprogramm zugänglich.

Welche Zertifizierungen für den Einstieg ins Projektmanagement besonders wertvoll sind, erfährst du in unserer Übersicht der Notar-Zertifikate.

Quereinstiegs-Pfade

Rechtsanwalt mit hervorragenden Examensleistungen (Volljurist)

3–5 Jahre (Anwaltsnotar) oder 3 Jahre Assessorenzeit (Nurnotar)

Was du mitbringst

  • Juristisches Expertenwissen und Vertragsgestaltung
  • Mandantenberatung und Verhandlungserfahrung
  • Gesellschaftsrechtliche oder immobilienrechtliche Praxis
  • Berufsrechtliche Kenntnisse und Berufsethos

Was dir fehlt

Beurkundungsrecht (BeurkG), notarielle Praxis, Beurkundungsverfahren, Gebührenrecht (GNotKG), notarielle Fachanwendungen

So schließt du die Lücke

Im Anwaltsnotar-System: Mehrjährige Anwaltstätigkeit (je nach Bundesland 3–5 Jahre) + Notarprüfung ablegen oder sich um eine freie Notarstelle bewerben. Die Bestellung erfolgt nach Leistungsprinzip (Examensleistungen, Bewerbernote, Berufserfahrung). Im Nurnotar-System: Bewerbung als Notarassessor bei der Landesjustizverwaltung — dafür werden hervorragende Examensnoten benötigt.

Richter oder Staatsanwalt (Volljurist)

3–5 Jahre

Was du mitbringst

  • Hervorragende juristische Subsumtionstechnik
  • Erfahrung in der Rechtsanwendung und Rechtsprechung
  • Unabhängigkeit und Neutralität
  • Verfahrensrecht und formale Genauigkeit

Was dir fehlt

Notarielle Vertragsgestaltung (von der Rechtsanwendung zur Rechtsgestaltung), Mandantenberatung, Gebührenrecht, notarielle Praxis

So schließt du die Lücke

Richter und Staatsanwälte können grundsätzlich eine Notarstellung anstreben, wenn ihre Examensleistungen den Anforderungen genügen. Der Wechsel aus der Justiz ins Notariat erfordert einen fundamentalen Perspektivwechsel: vom Entscheiden zum Gestalten. Im Anwaltsnotar-System muss zuerst eine Anwaltszulassung erworben werden.

Notarassessor (Nurnotar-System)

1–5 Jahre nach Abschluss der Assessorenzeit

Was du mitbringst

  • Fundierte notarielle Ausbildung und Praxis
  • Erfahrung mit Beurkundungsverfahren
  • Kenntnis der notariellen Fachanwendungen
  • Gebührenrecht und Kanzleiorganisation

Was dir fehlt

Eigenständige Amtsführung, Kanzleimanagement, unternehmerische Verantwortung, eigene Mandantenakquise

So schließt du die Lücke

Die Notarassessorenzeit ist der vorgesehene Weg zur Nurnotar-Bestellung. Nach Abschluss der Assessorenzeit (3 Jahre) bewirbt sich der Assessor um eine freie Notarstelle. Die Bestellung erfolgt durch die Landesjustizverwaltung nach Leistungskriterien. Die Wartezeit bis zur Bestellung kann je nach Region und Bewerberlage 1–5 Jahre betragen.

Wirtschaftsjurist oder Nicht-Volljurist

Nicht realistisch (7–9 Jahre Ausbildung + weitere Jahre bis zur Bestellung)

Was du mitbringst

  • Grundkenntnisse in Wirtschaftsrecht
  • Vertragsrecht und Unternehmensrecht
  • Akademische Ausbildung
  • Organisationstalent

Was dir fehlt

Volljurist-Status ist NICHT erreichbar ohne vollständiges Jurastudium + Referendariat — die Notarstellung bleibt verwehrt

So schließt du die Lücke

EHRLICHE ANTWORT: Ohne 2. Staatsexamen ist eine Notarstellung ausgeschlossen. Es gibt keine Ausnahme, keine Quereinsteiger-Regelung und keinen alternativen Weg. Als Wirtschaftsjurist kannst du als qualifizierte Fachkraft in einem Notariat arbeiten (Notarfachangestellte/r, Notariatsmitarbeiter), aber nicht selbst beurkunden. Für die Notarstellung müsstest du das vollständige Jurastudium + Referendariat + beide Examen mit hervorragenden Noten absolvieren.

Du fragst dich, ob du die Anforderungen in Stellenanzeigen erfüllst? Unser Guide Notar-Stellenanzeigen richtig lesen zeigt dir, welche Anforderungen wirklich zählen — und welche Wunschliste sind.

"Vergleichbare Qualifikation" — was heißt das?

Für das Notaramt gibt es KEINE gleichwertige Qualifikation. Der Beruf ist gesetzlich geschützt und erfordert das 2. Staatsexamen mit hervorragenden Leistungen plus die staatliche Bestellung. "Vergleichbare Qualifikation" existiert in Stellenanzeigen für Notare nicht — wohl aber für Notariatsmitarbeiter und Notarfachangestellte.

Volljurist mit 2x vollbefriedigend + abgeschlossene Assessorenzeit = die EINZIGE Qualifikation, die zur Nurnotar-Bestellung führt
Rechtsanwalt mit 5+ Jahren Berufserfahrung + Notarprüfung = Qualifikation für Anwaltsnotar-Bestellung (in Bundesländern mit Anwaltsnotar-System)
LL.M. oder Wirtschaftsjurist = NICHT qualifiziert für eine Notarstellung, nur für Mitarbeiterpositionen im Notariat

Du bist unsicher, ob deine Qualifikationen ausreichen? Der Talent Report analysiert dein Profil und zeigt, wo du als Quereinsteiger stehst.

Häufige Fragen zum Quereinstieg als Notar

Kann ich ohne hervorragende Examensleistungen Notar werden?

Im Nurnotar-System ist das praktisch unmöglich — die Assessorstellen werden ausschließlich nach Leistungskriterien vergeben, und mindestens "vollbefriedigend" in beiden Examen wird erwartet. Im Anwaltsnotar-System gibt es etwas mehr Spielraum, da auch Berufserfahrung und die Notarprüfung zählen. Aber auch dort sind die Anforderungen hoch — bei weitem über dem Durchschnitt.

Wie lange muss ich auf eine Notarstelle warten?

Im Nurnotar-System: Nach der 3-jährigen Assessorenzeit kann die Wartezeit auf eine freie Stelle 1–5 Jahre betragen, je nach Region und Bewerberlage. In ländlichen Gebieten sind die Chancen besser als in Ballungsräumen. Im Anwaltsnotar-System: Die Wartezeit hängt von der Zahl der Bewerber und freien Stellen im Bezirk ab.

Ist der Notar ein Freiberufler oder ein Beamter?

Weder noch — der Notar ist ein "unabhängiger Träger eines öffentlichen Amtes". Er übt ein staatlich verliehenes Amt aus, ist aber wirtschaftlich selbstständig und finanziert sich aus Beurkundungsgebühren (nach GNotKG). Er hat keine Beamtenprivilegien (keine Pension), aber auch keine Weisungsgebundenheit. Die Kombination aus öffentlichem Amt und Freiberuflichkeit ist einzigartig.

Gibt es einen Quereinstieg als Notarfachangestellte/r?

Ja — der Beruf Notarfachangestellte/r ist über eine 3-jährige duale Ausbildung oder über Quereinstieg (z. B. als Rechtsanwaltsfachangestellte/r) zugänglich. Notarfachangestellte bereiten Beurkundungen vor, erstellen Entwürfe und wickeln den Grundbuch- und Handelsregisterverkehr ab. Sie können aber NICHT selbst beurkunden — das ist ausschließlich dem Notar vorbehalten.

Welche Note brauche ich für die Notarkarriere?

Im Nurnotar-System werden typischerweise mindestens 9 Punkte (vollbefriedigend) in beiden Staatsexamina erwartet. In der Praxis liegen die Bestellungsnoten oft bei 10+ Punkten. Im Anwaltsnotar-System sind die Notenanforderungen etwas geringer, aber immer noch deutlich überdurchschnittlich. Die exakten Anforderungen variieren nach Bundesland und Bewerberlage.

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