Recruiter-Wissen

Der Schlusssatz im Anschreiben: verbindlich statt bittend

Dein Anschreiben endet mit „Über eine Einladung zu einem persönlichen Gespräch würde ich mich sehr freuen".

Damit endest du in derselben Zeile wie geschätzt drei Viertel aller Bewerbungen, die an dieselbe Stelle gehen.

Der Satz ist nicht falsch. Er ist nur der einzige Ort im Anschreiben, an dem du bestimmen kannst, was als Nächstes passiert, und du verschenkst ihn an eine Höflichkeitsformel im Konjunktiv.

Der Schluss wird gelesen. Er ist neben dem ersten Satz der Teil, den fast jeder vollständig aufnimmt, weil das Auge am Ende der Seite noch einmal hängen bleibt.

So löst du es

Ein guter Schluss leistet drei Dinge in zwei bis drei Sätzen: Er nennt deine Verfügbarkeit, er formuliert den nächsten Schritt verbindlich, und er schließt inhaltlich an, statt nur höflich abzubinden.

Verfügbarkeit gehört hinein. Ein konkretes Datum oder die Kündigungsfrist. Fehlt sie, entsteht eine Rückfrage, bevor über deine Eignung gesprochen wird.

Indikativ statt Konjunktiv. „Ich freue mich auf das Gespräch“ statt „würde mich freuen“. Wer sich im Konjunktiv verabschiedet, klingt, als rechne er nicht damit.

Bei Initiativbewerbungen und Kurzbewerbungen darfst du weitergehen und selbst einen Anruf ankündigen. Bei einer ausgeschriebenen Stelle wirkt das eher forsch, dort reicht ein klarer, indikativer Schluss.

Vorher und Nachher

Konjunktiv, Floskel, keine Verfügbarkeit, kein Anschluss an irgendetwas.

Vorher

Über die Einladung zu einem persönlichen Vorstellungsgespräch würde ich mich sehr freuen und stehe Ihnen für Rückfragen jederzeit gerne zur Verfügung.

Nachher, ausgeschriebene Stelle

Verfügbar bin ich zum 1. Oktober, meine Kündigungsfrist beträgt drei Monate zum Quartalsende. Wie der Anlauf der zweiten Linie konkret geplant ist, bespreche ich gern im persönlichen Termin.

Nachher, Initiativbewerbung

Ich melde mich in der übernächsten Woche telefonisch bei Ihnen, um zu hören, ob das Thema für Sie gerade passt. Kurzfristig verfügbar bin ich ab Januar.

Nachher, interne Bewerbung

Für ein Gespräch bin ich kurzfristig verfügbar, auch außerhalb der Kernzeit. Über den Zeitpunkt der Information an meinen aktuellen Bereich stimme ich mich gern vorher mit Ihnen ab.

Wichtig: Diese Sätze tragen nur mit deiner eigenen Situation, deinem echten Datum und deiner echten Frist. Abgeschriebene Verbindlichkeit fällt spätestens beim Rückruf auf.

Was in den Schluss gehört und was nicht

Hinein gehört: Verfügbarkeit mit Datum oder Frist, Kündigungsfrist bei ungekündigter Stellung, der nächste Schritt im Indikativ, bei Bedarf ein Hinweis auf Vertraulichkeit.

Nicht hinein gehört: der Konjunktiv, die Wiederholung deiner Qualifikation, die Hoffnung auf eine positive Rückmeldung, der Dank für die Zeit des Lesers, das Angebot, „jederzeit für Rückfragen zur Verfügung zu stehen“, und jede Formulierung, die klingt, als sei die Entscheidung ausschließlich Sache des anderen.

Gehaltsvorstellung: Nur wenn die Anzeige danach fragt. Dann aber unbedingt, und mit einer Zahl oder einer engen Spanne, nicht mit „verhandelbar“.

Die Grußformel

„Mit freundlichen Grüßen“ ist die sichere Wahl und in jedem Kontext richtig. „Mit besten Grüßen“ ist möglich, wenn vorher Kontakt bestand. Alles darüber hinaus, „herzliche Grüße“, „beste Grüße aus dem Norden“, regionale oder kreative Varianten, gehört in eine bestehende Beziehung, nicht in eine Erstbewerbung.

Darunter eine eingescannte Unterschrift, darunter der getippte Name. Dann der Anlagenhinweis, kurz.

Warum der Schluss nur so stark ist wie das, was davor steht

Der Applicant Cover Letter liest deinen Lebenslauf gegen die Stellenanzeige, findet die Stellen, an denen deine Bewerbung angreifbar ist, und fragt dort nach, bevor er schreibt:

Aus solchen Antworten entsteht ein Text, in dem der Schlusssatz trägt, weil davor etwas steht.

In der Stellenanzeige wird die Führung von 45 Mitarbeitenden im Drei-Schicht-Betrieb gefordert. Du hast bei Hansa Wellpappe GmbH 32 Mitarbeitende in zwei Schichten geführt und bei Norddeutsche Kartonagen AG 14 Mitarbeitende im Drei-Schicht-Betrieb. Beschreibe bitte, wie du dich auf die Führung eines größeren Teams im Drei-Schicht-Betrieb vorbereiten würdest.

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Wenn nach dem Schluss die Fachfrage kommt

Ein verbindlicher Schluss bringt dich in das Gespräch. Ob deine Erfahrung auf die Anforderungen passt, entscheidet sich danach. Das Anschreiben erklärt Motivation und Bezug, der Lebenslauf zeigt die Historie, den Eignungsnachweis liefert keines von beiden.

Der Applicant Talent Report stellt deine Erfahrung strukturiert gegen die Anforderungen der konkreten Stelle und beantwortet damit die Frage, die nach der Einladung als Erstes kommt.

Was am Schluss nichts mehr verloren hat

Kein neues Argument am Schluss. Wenn dein stärkster Punkt hier steht, steht er zu spät. Kein Rückblick auf die eigene Bewerbung. „Ich hoffe, mein Profil hat Sie überzeugt“ stellt genau die Frage, die du nicht stellen willst. Ein verbindliches Ende wirkt nur, wenn der Leser bis dorthin einen Grund hatte weiterzulesen. Wer in vier Absätzen nichts über sich gesagt hat, dessen Schlusssatz klingt selbstbewusst und leer zugleich.

Der Prüfsatz

Könnte ich diesen Satz im Vorstellungsgespräch spontan sagen und zwei Minuten lang mit Beispielen füllen? Beim Schlusssatz heißt das konkret: Steht dort ein Datum, das stimmt, und eine Frist, die du im Gespräch bestätigen kannst?

Checkliste

  • Steht deine Verfügbarkeit mit konkretem Datum oder Frist darin?
  • Ist der letzte Satz im Indikativ formuliert?
  • Fehlen Dank, Hoffnung und Konjunktiv vollständig?
  • Steht die Gehaltsvorstellung darin, falls die Anzeige danach fragt?
  • Passt der Ton zum Rest des Textes?
  • Grußformel, Unterschrift, getippter Name, Anlagenhinweis vorhanden?

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Häufig gestellte Fragen

Ist „Über eine Einladung würde ich mich freuen“ wirklich schlecht?
Falsch ist es nicht, wirkungslos schon. Es steht in fast jeder Bewerbung und sagt nichts über dich.
Darf ich ankündigen, dass ich anrufe?
Bei Initiativbewerbungen ja, das ist üblich. Bei ausgeschriebenen Stellen wirkt es leicht forsch, dort reicht ein klarer Schluss ohne Ankündigung.
Gehört die Gehaltsvorstellung an den Schluss?
Wenn die Anzeige danach fragt, ja, kurz vor der Verfügbarkeit. Ohne Aufforderung lässt du sie weg.
Muss ich meine Kündigungsfrist nennen?
Wenn du in ungekündigter Stellung bist, ja. Sie ist für die Planung wichtiger als das Wunschdatum.
Welche Grußformel ist richtig?
„Mit freundlichen Grüßen“. Alles Kreativere kostet mehr, als es bringt.
Wie lang darf der Schlussabsatz sein?
Zwei bis drei Sätze. Er soll abschließen, nicht zusammenfassen.