Zertifikate & Qualifikationen

Verwaltungsfachangestellte/r-Zertifikate: Welche wirklich zählen

In der öffentlichen Verwaltung ist der Aufstieg eng an formale Qualifikationen gebunden. Der Verwaltungslehrgang I ist die Eintrittsvoraussetzung, der Verwaltungslehrgang II der Karrieresprung in den gehobenen Dienst. Darüber hinaus gibt es Spezialisierungen in Haushaltswesen, Personalmanagement und E-Government, die das Profil schärfen und Gehaltsstufen öffnen.

Zertifizierungen im Überblick

Verwaltungslehrgang I (Angestelltenlehrgang I / Basislehrgang)

Kommunale Studieninstitute (z. B. Studieninstitut Ruhr, Studieninstitut Rhein-Neckar, BVS Bayern)

Türöffner

Der VL I ist die formale Gleichstellung mit der VFA-Ausbildung und damit Voraussetzung für Sachbearbeitungstätigkeiten im öffentlichen Dienst. Für Quereinsteiger ohne Verwaltungsausbildung ist er der zentrale Einstiegsbaustein. Ohne VL I bleiben viele Stellen verschlossen.

Kosten

ca. 2.000–4.000 € (wird in der Regel vom Arbeitgeber finanziert)

Dauer

6–12 Monate berufsbegleitend (ca. 400–500 Unterrichtsstunden)

Voraussetzung

Abgeschlossene Berufsausbildung oder vergleichbare Qualifikation + Beschäftigungsverhältnis im öffentlichen Dienst (für die Anmeldung durch den Arbeitgeber)

Verwaltungslehrgang II (Angestelltenlehrgang II / Verwaltungsfachwirt)

Kommunale Studieninstitute, Bayerische Verwaltungsschule (BVS), Verwaltungsakademien der Länder

Türöffner

Der VL II qualifiziert für den gehobenen Dienst und ermöglicht Eingruppierungen in E9b–E12 TVöD — das sind oft 800–1.200 € mehr brutto/Monat. Er ist Voraussetzung für Führungspositionen (Sachgebietsleitung, Amtsleitung) und der wichtigste Karriereschritt nach der Ausbildung.

Kosten

ca. 4.000–8.000 € (wird in der Regel vom Arbeitgeber finanziert)

Dauer

ca. 2 Jahre berufsbegleitend (ca. 800–900 Unterrichtsstunden + Prüfungen)

Voraussetzung

VFA-Ausbildung oder VL I + in der Regel 2–3 Jahre Berufserfahrung im öffentlichen Dienst + Empfehlung des Arbeitgebers

Zertifizierter Kommunaler Bilanzbuchhalter (NKF/NKR)

Studieninstitute, Kommunale Gemeinschaftsstelle (KGSt), IHK (in Kooperation)

Klarer Vorteil

Seit der Umstellung auf doppische Buchführung (NKF/NKR) brauchen Kommunen qualifizierte Bilanzbuchhalter. Das Zertifikat qualifiziert für Stellen in der Kämmerei, im Rechnungsprüfungsamt und im kommunalen Controlling — ein Spezialgebiet mit wenigen Fachkräften.

Kosten

ca. 2.500–5.000 € (oft vom Arbeitgeber finanziert)

Dauer

6–12 Monate berufsbegleitend

Voraussetzung

VFA-Ausbildung oder kaufmännische Ausbildung + Grundlagen Rechnungswesen; für die Prüfung: Berufserfahrung im kommunalen Haushaltswesen

Ausbildereignungsprüfung (AEVO / AdA-Schein)

IHK, kommunale Studieninstitute

Klarer Vorteil

Wer Verwaltungs-Azubis ausbilden möchte, braucht den Ausbilderschein. In größeren Verwaltungen ist die Ausbildertätigkeit ein Karrierevorteil und kann zu Entlastungsstunden oder Zulagen führen. Auch für die Prüfertätigkeit bei Studieninstituten relevant.

Kosten

ca. 500–800 € (Lehrgang) + ca. 170 € (Prüfungsgebühr IHK)

Dauer

2–4 Wochen Intensivkurs oder 3 Monate berufsbegleitend

Voraussetzung

Abgeschlossene Berufsausbildung und Berufserfahrung; keine formale Voraussetzung für die Prüfungsanmeldung

Datenschutzbeauftragter (TÜV / DEKRA / GDD) für den öffentlichen Sektor

TÜV SÜD, TÜV Rheinland, DEKRA, GDD, Bayerische Verwaltungsschule

Klarer Vorteil

Jede öffentliche Stelle mit mehr als 20 Beschäftigten, die personenbezogene Daten verarbeiten, braucht einen Datenschutzbeauftragten. In kleineren Kommunen wird diese Funktion oft von einem/einer VFA mit Zusatzqualifikation wahrgenommen — eine stark nachgefragte Spezialisierung.

Kosten

ca. 2.500–5.000 € (Grundlehrgang + Prüfung)

Dauer

5–10 Tage Intensivkurs + Prüfung

Voraussetzung

Keine formale Voraussetzung, aber Grundkenntnisse Datenschutzrecht und IT-Sicherheit empfohlen

E-Government-Zertifikat / Digitallotse

Kommunale Studieninstitute, Fraunhofer-Institut FOKUS, IT-Planungsrat (Bund-Länder)

Nice-to-have

Die Digitalisierung der Verwaltung (OZG-Umsetzung) schafft Bedarf an Fachkräften, die digitale Verwaltungsprozesse gestalten können. Das Zertifikat qualifiziert für Rollen als Digitalisierungsbeauftragter oder Projektleiter E-Government — in vielen Kommunen eine neue und wichtige Funktion.

Kosten

ca. 1.500–3.500 € (je nach Anbieter und Umfang)

Dauer

3–6 Monate berufsbegleitend

Voraussetzung

Beschäftigung im öffentlichen Dienst, Grundkenntnisse IT und Verwaltungsprozesse

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Zeugnisse & Referenzen: Was zählt

Wichtige Tätigkeitsnachweise im Zeugnis

Eigenständige Sachbearbeitung in [Amt/Sachgebiet] mit Bescheiderteilung und Rechtsanwendung
Bearbeitung von Widersprüchen und Klageverfahren in Zusammenarbeit mit dem Rechtsamt
Verwaltung von Haushaltsmitteln in Höhe von € X mit Mittelanmeldung und Jahresabschluss
Beratung von Bürgern zu [Fachgebiet] — persönlich, telefonisch und schriftlich
Mitwirkung bei der Einführung neuer Fachanwendungen (z. B. SAP, Infoma, OZG-Umsetzung)

Positive Formulierungen

"bearbeitete eigenständig einen komplexen Aufgabenbereich mit hohem Fallaufkommen zuverlässig und termingerecht"
"die Bescheide waren rechtlich einwandfrei und bürgerfreundlich formuliert"
"beriet Bürgerinnen und Bürger stets kompetent und serviceorientiert, auch in konflikthaften Situationen"
"übernahm eigeninitiativ die Einarbeitung neuer Kolleginnen und Kollegen im Sachgebiet"

Red-Flag-Formulierungen

"bearbeitete die zugewiesenen Vorgänge" — Mindestbeschreibung ohne Eigeninitiative
"war bemüht, die Termine einzuhalten" — Zeugnis-Code für Fristenprobleme
"erledigte die Aufgaben im Wesentlichen zufriedenstellend" — unterdurchschnittliche Leistung
"die Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen verlief ohne größere Beanstandungen" — Hinweis auf Konflikte im Team

Du überlegst den Quereinstieg ins Projektmanagement? Unser Guide Quereinstieg als Verwaltungsfachangestellte/r zeigt dir, welche Zertifizierungen für deinen Hintergrund am sinnvollsten sind.

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Häufige Fragen zu Verwaltungsfachangestellte/r-Zertifikaten

Ist der Verwaltungslehrgang I Pflicht für Quereinsteiger?

In den meisten Kommunen ja. Der VL I ist die formale Gleichstellung mit der VFA-Ausbildung und wird von vielen Arbeitgebern als Bedingung für die Einstellung oder innerhalb der ersten 1–2 Jahre als Nachqualifizierung erwartet. Ausnahme: IT- und Digitalisierungsstellen sowie Spezialfunktionen, die keine Verwaltungsausbildung erfordern.

Wie schwer ist der Verwaltungslehrgang II?

Der VL II ist anspruchsvoll — die Durchfallquote liegt je nach Studieninstitut bei 15–25 %. Die Themen umfassen Verwaltungsrecht, Kommunalrecht, Personalwesen, Haushaltswesen, Organisation und Führung. Die berufsbegleitende Doppelbelastung (ca. 2 Abende pro Woche + Samstage) über 2 Jahre erfordert Disziplin. Die Investition lohnt sich: Der Gehaltssprung nach bestandenem VL II ist erheblich.

Kann ich den Verwaltungslehrgang II auch ohne vorherigen VL I machen?

Ja, wenn du eine abgeschlossene VFA-Ausbildung hast. Der VL I ist die Grundlage für Quereinsteiger ohne VFA-Ausbildung. Wer die VFA-Ausbildung hat, kann direkt zum VL II zugelassen werden — in der Regel nach 2–3 Jahren Berufserfahrung und mit Empfehlung des Arbeitgebers.

Welche Weiterbildung bringt am meisten Gehalt?

Der Verwaltungslehrgang II ist der mit Abstand stärkste Gehaltshebel: Er ermöglicht den Sprung von E5–E8 auf E9b–E12 TVöD — das sind je nach Stufe 800–1.500 € mehr brutto/Monat. Danach: Bachelor Public Management für den gehobenen Dienst mit Beamtung, oder Spezialisierungen wie kommunaler Bilanzbuchhalter für Nischenfunktionen mit Zulagen.

Werden die Kosten für Verwaltungslehrgänge vom Arbeitgeber übernommen?

In der Regel ja. Die meisten kommunalen und staatlichen Arbeitgeber finanzieren die Verwaltungslehrgänge I und II vollständig und stellen die Teilnehmer für Präsenztage frei. Im Gegenzug wird oft eine Bindungsfrist vereinbart (1–3 Jahre nach Abschluss). Selbstzahler können den VL auch ohne aktuellen Arbeitgeber im öffentlichen Dienst besuchen — aber die Kosten (2.000–8.000 €) tragen sie selbst.

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