Quereinstieg

Quereinstieg als Steuerberater: So realistisch ist es

Die Berufsbezeichnung "Steuerberater" ist gesetzlich geschützt (§36 StBerG). Ohne bestandene Steuerberaterprüfung darf sich niemand so nennen — es gibt keine Abkürzung und keinen alternativen Weg. Die Prüfung selbst hat eine Durchfallquote von ca. 50 % und gilt als eine der schwersten Berufsprüfungen in Deutschland. Ein Quereinstieg ist deshalb nicht unmöglich, aber der Weg dorthin ist lang und anspruchsvoll. Über den praktischen Weg (Steuerfachangestellter + 10 Jahre Berufserfahrung oder Bilanzbuchhalter + 7 Jahre) ist eine Zulassung auch ohne Studium möglich — aber die Prüfung bleibt dieselbe.

Machbarkeit des Quereinstiegs

Anspruchsvoll

Die Berufsbezeichnung "Steuerberater" ist gesetzlich geschützt. Ohne bestandene Steuerberaterprüfung (§36 StBerG, ~50 % Durchfallquote) gibt es keinen Weg. Ein Quereinstieg ist möglich — aber nur über lange Berufserfahrung im Steuerbereich und die gleiche, anspruchsvolle Prüfung.

Klassischer Werdegang

Ausbildung / Studium

Studium der Betriebswirtschaftslehre, Rechtswissenschaften oder Wirtschaftsrecht mit Schwerpunkt Steuern

Typische Dauer

4–5 Jahre Studium + 2–3 Jahre Berufserfahrung im Steuerbereich (bei Diplom/Master) oder 3 Jahre (bei Bachelor) + Steuerberaterprüfung (6 Monate Vorbereitung)

Alternative Ausbildung

Ausbildung zum Steuerfachangestellten (3 Jahre) + 10 Jahre Berufserfahrung im Steuerbereich ODER Steuerfachwirt (IHK) + 7 Jahre ODER Bilanzbuchhalter + 7 Jahre Berufserfahrung — jeweils mit anschließender Steuerberaterprüfung

Welche Zertifizierungen für den Einstieg ins Projektmanagement besonders wertvoll sind, erfährst du in unserer Übersicht der Steuerberater-Zertifikate.

Quereinstiegs-Pfade

Steuerfachangestellter mit 10 Jahren Berufserfahrung

10 Jahre Berufserfahrung + 12–18 Monate Prüfungsvorbereitung

Was du mitbringst

  • Fundierte DATEV-Kenntnisse und Buchhaltungspraxis
  • Täglicher Umgang mit Steuererklärungen und Finanzbuchhaltung
  • Direkte Mandantenkommunikation und Fristenverwaltung
  • Praxiswissen über Kanzleiabläufe und Steuerarten

Was dir fehlt

Vertiefte Kenntnisse in Bilanzsteuerrecht, internationalem Steuerrecht, Umwandlungssteuerrecht und Verfahrensrecht; wissenschaftlich-systematisches Arbeiten auf Prüfungsniveau

So schließt du die Lücke

Gezielte Prüfungsvorbereitung über einen Vorbereitungskurs (z. B. Knoll, Haas, Endriss — 12–18 Monate berufsbegleitend oder 3–6 Monate Vollzeit). Alternativ Steuerfachwirt-Prüfung vorschalten, um die Berufserfahrung auf 7 Jahre zu verkürzen. Die Steuerberaterprüfung findet jährlich im Oktober statt (schriftlich) und im Februar/März (mündlich).

Bilanzbuchhalter oder Wirtschaftsprüfungsassistent

7 Jahre Berufserfahrung + 12–18 Monate Prüfungsvorbereitung

Was du mitbringst

  • Tiefes Verständnis für Bilanzierung nach HGB
  • Erfahrung mit Jahresabschlüssen und Konzernabschlüssen
  • Kenntnisse in Kostenrechnung und Controlling
  • Umgang mit Wirtschaftsprüfern und Finanzbehörden

Was dir fehlt

Steuerrechtliche Spezialisierung (EStG, KStG, UStG, AO im Detail), Verfahrensrecht, steuerliche Gestaltungsberatung

So schließt du die Lücke

Mit Bilanzbuchhalter-Abschluss (IHK) und mindestens 7 Jahren Berufserfahrung im Steuerbereich ist die Zulassung zur Steuerberaterprüfung möglich. Vorbereitungskurs bei einem spezialisierten Anbieter belegen. Vorteil: Die bilanzielle Grundlage ist bereits stark — Fokus auf Steuerrecht und Verfahrensrecht legen.

BWL-Absolvent mit Schwerpunkt Steuern oder Rechnungswesen

4–5 Jahre Studium + 2–3 Jahre Berufserfahrung + 6–12 Monate Prüfungsvorbereitung

Was du mitbringst

  • Akademische Grundlagen in Steuerrecht und Bilanzierung
  • Wissenschaftlich-systematische Arbeitsweise
  • Grundverständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge
  • Methodenkompetenz für die anspruchsvolle Prüfungsvorbereitung

Was dir fehlt

Praktische Berufserfahrung im Steuerbereich (2–3 Jahre bei Master/Diplom, 3 Jahre bei Bachelor), tiefgehende Praxiskenntnis in DATEV und Mandantenbetreuung

So schließt du die Lücke

Nach dem Studium 2–3 Jahre (Master/Diplom) bzw. 3 Jahre (Bachelor) in einer Steuerkanzlei oder Steuerabteilung arbeiten. Viele Kanzleien bieten "Steuerberater-Anwärter"-Programme mit strukturierter Prüfungsvorbereitung und teilweiser Freistellung. Diesen Weg wählen die meisten Steuerberater — er ist der schnellste.

Du fragst dich, ob du die Anforderungen in Stellenanzeigen erfüllst? Unser Guide Steuerberater-Stellenanzeigen richtig lesen zeigt dir, welche Anforderungen wirklich zählen — und welche Wunschliste sind.

"Vergleichbare Qualifikation" — was heißt das?

Im Steuerberaterberuf gibt es keine "vergleichbare Qualifikation" — der Titel ist gesetzlich geschützt und die Prüfung ist Pflicht. Allerdings gibt es verschiedene Wege zur Prüfungszulassung: Neben dem Hochschulstudium ist der Weg über kaufmännische Ausbildung plus langjährige Berufserfahrung gesetzlich verankert (§36 StBerG). Die Prüfung selbst ist für alle Kandidaten identisch.

Steuerfachangestellter + 10 Jahre Berufserfahrung im Steuerbereich = Zulassung zur Steuerberaterprüfung, gleiches Examen wie Hochschulabsolventen
Steuerfachwirt (IHK) + 7 Jahre Berufserfahrung = Zulassung zur Prüfung, oft mit besonders starker Praxisvorbereitung
Bilanzbuchhalter (IHK) + 7 Jahre Berufserfahrung im Steuerbereich = Zulassung möglich, Fokus auf Bilanzrecht als Stärke

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Häufige Fragen zum Quereinstieg als Steuerberater

Kann ich Steuerberater werden, ohne studiert zu haben?

Ja, aber der Weg ist lang. Über eine Ausbildung zum Steuerfachangestellten plus 10 Jahre Berufserfahrung im Steuerbereich ist die Zulassung zur Steuerberaterprüfung möglich. Mit einer Weiterbildung zum Steuerfachwirt oder Bilanzbuchhalter verkürzt sich die nötige Berufserfahrung auf 7 Jahre. Die Prüfung selbst ist identisch — egal welchen Zugangsweg du wählst.

Wie schwer ist die Steuerberaterprüfung wirklich?

Die Steuerberaterprüfung hat eine Durchfallquote von ca. 50 % und gilt als eine der schwersten Berufsprüfungen in Deutschland. Sie besteht aus drei sechsstündigen Klausuren (Oktober) und einer mündlichen Prüfung (Februar/März). Die meisten Kandidaten investieren 12–18 Monate in die Vorbereitung — viele nehmen sich die letzten 3–6 Monate komplett frei.

Was kostet die Steuerberaterprüfung und die Vorbereitung?

Die Prüfungsgebühr liegt bei ca. 1.000–1.500 EUR (je nach Steuerberaterkammer). Vorbereitungskurse kosten 3.000–6.000 EUR (berufsbegleitend, 12–18 Monate) oder 4.000–8.000 EUR (Vollzeit, 3–6 Monate). Dazu kommen Lehrmaterialien und ggf. Verdienstausfall. Gesamtinvestition: ca. 5.000–15.000 EUR. Viele Kanzleien beteiligen sich an den Kosten oder stellen frei.

Gibt es einen Quereinstieg in die Steuerberatung ohne Steuerberaterprüfung?

Nein — wer sich "Steuerberater" nennen will, muss die Prüfung bestehen. Es gibt keine Alternative. Allerdings kann man im Steuerbereich auch ohne Prüfung arbeiten: als Steuerfachangestellter, Steuerfachwirt oder Bilanzbuchhalter. Diese Rollen decken viele Aufgaben ab, aber ohne Berufsträger-Status darf man keine eigenverantwortliche Steuerberatung erbringen.

Welcher Weg zur Steuerberaterprüfung ist der schnellste?

Der schnellste Weg ist ein BWL- oder Jura-Studium mit Steuerschwerpunkt (Master/Diplom) plus 2 Jahre Berufserfahrung im Steuerbereich — insgesamt ca. 6–7 Jahre ab Studienbeginn. Der praktische Weg über Ausbildung zum Steuerfachangestellten plus Steuerfachwirt-Weiterbildung plus 7 Jahre Praxis dauert ca. 12–13 Jahre, dafür verdient man vom ersten Tag an Geld.

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