Quereinstieg

Quereinstieg als Solartechnik-Installateur/in: So realistisch ist es

Solartechnik-Installation gehört zum Elektrotechnikerhandwerk — einem zulassungspflichtigen Meisterhandwerk nach Anlage A der HwO. Der vollständige AC-Anschluss einer PV-Anlage darf nur von eingetragenen Elektrofachbetrieben durchgeführt werden. Ohne Elektrofachkraft-Status (Gesellenbrief Elektroniker oder mindestens EFKffT) bist du auf die reine Dachmontage beschränkt. Die elektrotechnische Qualifikation ist der Flaschenhals für den Quereinstieg.

Machbarkeit des Quereinstiegs

Anspruchsvoll

PV-Installation gehört zum Elektrotechnikerhandwerk (HwO Anlage A, Meisterpflicht). Ohne Elektrofachkraft-Status bist du auf die mechanische Dachmontage beschränkt. Umschulung zum Elektroniker (2 Jahre) oder Solarteur-Zertifikat + EFKffT sind die realistischen Wege.

Klassischer Werdegang

Ausbildung / Studium

Ausbildung als Elektroniker/in (Energie- und Gebäudetechnik) oder Anlagenmechaniker/in SHK, dann Spezialisierung auf Solartechnik

Typische Dauer

3–3,5 Jahre Grundausbildung + 6–12 Monate Spezialisierung (Herstellerschulungen, Praxis)

Alternative Ausbildung

Weiterbildung zum „Solarteur" (DGS — Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie), Herstellerschulungen (SMA, Fronius, Huawei, BYD) oder ZVEH-Fachkraft für PV. Für Nicht-Elektriker: Qualifikation „Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten" (EFKffT) als Einstieg in den elektrischen Bereich.

Welche Zertifizierungen für den Einstieg ins Projektmanagement besonders wertvoll sind, erfährst du in unserer Übersicht der Solartechnik-Installateur/in-Zertifikate.

Quereinstiegs-Pfade

Elektroniker (alle Fachrichtungen)

2–4 Wochen Schulung + 3–6 Monate Praxis-Einarbeitung

Was du mitbringst

  • Elektrotechnische Grundlagen und VDE-Normen
  • Wechselrichter-, Zählerschrank- und Verkabelungstechnik
  • Messtechnik: Isolationswiderstand, Schleifenimpedanz, RCD-Prüfung
  • Eigenständiger elektrischer Anschluss — die Kernkompetenz für PV-Inbetriebnahme

Was dir fehlt

PV-spezifisches Wissen: Modultypen, Stringberechnung, Wechselrichter-Konfiguration, Speichertechnik, Dacharbeit und Unterkonstruktion

So schließt du die Lücke

Herstellerschulungen (SMA, Fronius, Huawei) für Wechselrichter und Speicher (je 1–2 Tage). ZVEH-Fachkraft für PV (5 Tage). Praxis bei einem PV-Unternehmen — die meisten Arbeitgeber bilden on-the-job aus, weil sie händeringend Elektriker suchen.

Anlagenmechaniker SHK oder Heizungsbauer

3–6 Monate (EFKffT + Herstellerschulungen + Praxis)

Was du mitbringst

  • Dacharbeit (Solarthermie-Montage) und Umgang mit Unterkonstruktionen
  • Rohrleitungs- und Verbindungstechnik (relevant für Solarthermie und Wärmepumpen-Kombis)
  • Kundenorientierung und Arbeit in Bestandsgebäuden
  • Verständnis für Energiesysteme (Heizung, Warmwasser)

Was dir fehlt

Elektrotechnik: DC/AC-Verkabelung, Wechselrichtertechnik, Zählerschrank, VDE-Normen. Für eigenständigen Elektroanschluss: Elektrofachkraft-Qualifikation

So schließt du die Lücke

Qualifikation „Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten" (EFKffT, ca. 80–120 Std.) für den Einstieg in den elektrischen Bereich. Dann Herstellerschulungen PV. Viele PV-Unternehmen stellen SHK-Fachkräfte ein und bilden die Elektro-Komponente on-the-job aus — in Kombination mit der EFKffT.

Dachdecker oder Zimmerer

1–2 Wochen (reine Montage) oder 3–6 Monate (inkl. Elektro-Grundlagen)

Was du mitbringst

  • Sicheres Arbeiten auf Dächern (Schrägdach, Flachdach)
  • Kenntnis der Dachkonstruktionen und Dachdurchdringungen
  • Unterkonstruktionsmontage und Abdichtung
  • Körperliche Belastbarkeit und Höhentauglichkeit

Was dir fehlt

Komplette Elektrotechnik: DC/AC-Verkabelung, Wechselrichter, Speicher, Zählerschrank, Messtechnik. Für eigenständigen Anschluss: Elektro-Qualifikation

So schließt du die Lücke

Für reine PV-Montage (mechanisch) reichen Herstellerschulungen für Unterkonstruktionen (1–2 Tage) und Praxis. Für den elektrischen Bereich: EFKffT (80–120 Std.) als Einstieg. Viele PV-Teams bestehen aus Dacharbeitern (mechanisch) + Elektriker (Anschluss) — du musst nicht alles können.

Du fragst dich, ob du die Anforderungen in Stellenanzeigen erfüllst? Unser Guide Solartechnik-Installateur/in-Stellenanzeigen richtig lesen zeigt dir, welche Anforderungen wirklich zählen — und welche Wunschliste sind.

"Vergleichbare Qualifikation" — was heißt das?

Da es keinen eigenen Ausbildungsberuf gibt, ist die Anerkennung „vergleichbarer Qualifikation" flexibler als in regulierten Handwerken. Für die mechanische PV-Montage (Unterkonstruktion, Module) gibt es keine formale Zulassungspflicht. Für den elektrischen Anschluss gilt: Nur Elektrofachkräfte (Gesellenbrief Elektroniker oder EFKffT mit passendem Tätigkeitsfeld) dürfen eigenständig arbeiten.

Elektroniker-Gesellenbrief (jede Fachrichtung) + Herstellerschulungen PV + Praxis = vollwertige Fachkraft für PV-Installation und Inbetriebnahme
Anlagenmechaniker SHK + EFKffT + Herstellerschulungen = kann PV-Montage und einfache elektrische Anschlussarbeiten unter Aufsicht durchführen
Dachdecker + PV-Montageschulung = qualifiziert für die mechanische Montage (Unterkonstruktion, Module), nicht für den Elektroanschluss

Du bist unsicher, ob deine Qualifikationen ausreichen? Der Talent Report analysiert dein Profil und zeigt, wo du als Quereinsteiger stehst.

Häufige Fragen zum Quereinstieg als Solartechnik-Installateur/in

Kann ich ohne Elektriker-Ausbildung in der Solartechnik arbeiten?

Ja — aber nur im mechanischen Bereich (Unterkonstruktion, Modulmontage). Für den elektrischen Anschluss (Wechselrichter, Verkabelung, Zählerschrank, Netzanschluss) brauchst du mindestens eine EFKffT-Qualifikation (Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten). Viele PV-Teams teilen die Arbeit: Dach-Team (mechanisch) + Elektro-Team (Anschluss).

Was ist die EFKffT und reicht sie für Solartechnik?

Die Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten (EFKffT) ist eine Kurzqualifikation (80–120 Stunden), die dich berechtigt, klar definierte und wiederkehrende elektrotechnische Arbeiten eigenständig durchzuführen. Für den PV-Bereich kann das die DC-Verkabelung und den Wechselrichteranschluss umfassen — je nach betrieblicher Festlegung. Sie ersetzt nicht den Elektriker-Gesellenbrief.

Lohnt sich der Quereinstieg in die Solartechnik finanziell?

Ja — die Gehälter steigen überdurchschnittlich. PV-Fachkräfte mit Elektro-Qualifikation und Spezialisierung verdienen 40.000–50.000 EUR, mit Projektverantwortung 48.000–58.000 EUR. Die Branche wächst so schnell, dass erfahrene Fachkräfte übertarifliche Zulagen und Signing-Bonuses verhandeln können.

Welche Herstellerschulungen sind am wichtigsten?

Wechselrichter-Herstellerschulungen (SMA, Fronius, Huawei, GoodWe) sind die wertvollsten — Wechselrichter sind das Herzstück jeder PV-Anlage. Speicher-Herstellerschulungen (BYD, SENEC, sonnen) werden zunehmend wichtig. Unterkonstruktions-Schulungen (K2, Mounting Systems) sind für die mechanische Montage relevant. Die meisten Schulungen sind kostenlos oder günstig.

Ist der „Solarteur"-Kurs der DGS eine anerkannte Qualifikation?

Der Solarteur-Kurs der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) vermittelt Grundlagen der PV-Planung und -Installation. Er ist als Einstieg nützlich, aber kein formaler Berufsabschluss. Arbeitgeber schätzen ihn als Nachweis von Fachwissen, erwarten aber zusätzlich eine handwerkliche Grundausbildung (Elektriker, SHK, Dachdecker) und praktische Erfahrung.

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  • Stärken-Analyse: Was du aus deinem bisherigen Werdegang mitbringst
  • Gap-Analyse: Welche Lücken du noch schließen solltest
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