Berufsprofil: Maler/in und Lackierer/in
Maler/innen und Lackierer/innen gestalten, beschichten und schützen Oberflächen — Fassaden, Innenräume, Fahrzeuge und Industrieanlagen. Der Beruf gliedert sich in die Fachrichtungen Gestaltung und Instandhaltung, Energieeffizienz und Gestaltungstechnik (seit 2021 neu), Kirchenmalerei und Denkmalpflege sowie Bauten- und Korrosionsschutz. Maler und Lackierer ist ein zulassungspflichtiges Handwerk (Anlage A der Handwerksordnung) — für die Selbstständigkeit ist der Meistertitel erforderlich.
Top 5 Aufgaben
Typische Branchen
Hard Skills
- Anstrichtechnik: Streichen, Rollen, Spritzen (Airless, HVLP) auf verschiedenen Untergründen
- Tapezierarbeiten: Raufaser, Vliestapete, Mustertapeten, Spezialbeläge fachgerecht verarbeiten
- WDVS-Technik: Wärmedämmverbundsysteme kleben, dübeln, armieren und verputzen nach EnEV/GEG
- Farbmischsysteme: Farbtöne anmischen nach RAL, NCS und Herstellersystemen
- Untergrundvorbereitung: Spachteln, Schleifen, Grundieren, Altanstriche beurteilen, Schimmel- und Feuchtebehandlung
Soft Skills
- Farbgefühl und gestalterisches Auge: Farbkonzepte beraten und umsetzen
- Sorgfalt und Sauberkeit: Saubere Kanten, gleichmäßige Oberflächen, abdecken und abkleben
- Kundenorientierung: Beratung zu Farben, Materialien und Gestaltung bei Privatkunden
- Körperliche Belastbarkeit: Arbeit auf Leitern und Gerüsten, über Kopf, im Stehen
- Teamfähigkeit: Großprojekte erfordern Koordination im Team und mit anderen Gewerken
Arbeitsumfeld: Überwiegend auf Baustellen (Neubau und Sanierung), in Bestandsgebäuden und auf Gerüsten. Körperliche Arbeit: Arbeiten über Kopf, auf Leitern und Gerüsten, Heben von Farbeimern und Materialien. Witterungsabhängig bei Fassadenarbeiten. Kontakt mit Lösemitteln, Farben und Stäuben (Atemschutz bei Schleif- und Spritzarbeiten). In der Autolackierung Arbeit in Spritzkabinen. Reisetätigkeit je nach Betrieb lokal bis regional.
Arbeitsmarkt-Lage: Maler/in und Lackierer/in
Maler und Lackierer gehören zu den Handwerksberufen mit dem stärksten Fachkräftemangel. Der Sanierungsstau im Gebäudebestand, die energetische Gebäudesanierung (GEG/EnEV), steigende Ansprüche an Wohnraumgestaltung und der demografische Wandel treiben die Nachfrage. Der Bundesverband Farbe Gestaltung Bautenschutz meldet zehntausende offene Stellen. Gleichzeitig sinken die Ausbildungszahlen seit Jahren.
Top-Regionen
Bayern und Baden-Württemberg bieten die höchsten Gehälter, getrieben durch Bauboom und Sanierungsbedarf. Hamburg profitiert von Wohnungsneubau und Fassadensanierung. Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet haben starke Nachfrage im Gewerbebau. Berlin wächst durch Sanierungsprojekte. In ländlichen Regionen ist die Konkurrenz geringer, und Betriebe bieten teils übertarifliche Bezahlung.
Zertifikate für Maler/in und Lackierer/in: welche zählen
Im Malerhandwerk ist der Gesellenbrief die Eintrittskarte — aber gezielte Zusatzqualifikationen entscheiden über Gehalt und Karriere. Besonders die energetische Gebäudesanierung (WDVS), Korrosionsschutz und der Meisterbrief heben dich am Arbeitsmarkt ab.
Von 6 verbreiteten Zertifikaten für Maler/in und Lackierer/in gelten 2 als Türöffner — ohne sie kommst du bei vielen Stellen nicht in die engere Auswahl. Der Rest verbessert die Ausgangslage, entscheidet aber nicht.
Meisterbrief im Maler- und Lackiererhandwerk
Handwerkskammern (HWK) bundesweit, Meisterschulen
Voraussetzung für die Selbstständigkeit (Anlage A HwO) und qualifiziert für Führungspositionen als Vorarbeiter, Bauleiter oder Betriebsleiter. Der Meisterbrief ist dem Bachelor gleichgestellt (DQR Stufe 6) und berechtigt zur Ausbildung von Lehrlingen (AEVO).
ca. 6.000–10.000 EUR (je nach HWK und Vollzeit/Teilzeit), Aufstiegs-BAföG deckt bis zu 75 %
1 Jahr Vollzeit oder 2–3 Jahre Teilzeit (berufsbegleitend)
Gesellenbrief als Maler/in und Lackierer/in + in der Regel Berufserfahrung
WDVS-Fachverarbeiter (Herstellerzertifizierung)
Sto, Caparol, Brillux, Baumit und weitere Systemhersteller
Die energetische Gebäudesanierung boomt — WDVS-Aufträge machen bei vielen Malerbetrieben 30–50 % des Umsatzes aus. Herstellerzertifizierungen sind bei Ausschreibungen oft gefordert und verschaffen dem Betrieb Wettbewerbsvorteile. WDVS-Fachverarbeiter verdienen deutlich mehr.
ca. 300–800 EUR pro Herstellerschulung (oft vom Arbeitgeber bezahlt)
1–3 Tage pro Herstellerzertifizierung
Gesellenbrief Maler und Lackierer oder vergleichbare Qualifikation
Asbestsachkunde nach TRGS 519 (Anlage 4c)
DGUV-zertifizierte Bildungsträger, BG Bau, TÜV, DEKRA
In Bestandsgebäuden (vor 1993) steckt häufig Asbest — in Putzen, Spachtelmassen, Fliesenklebern und Bodenbelägen. Ohne Sachkunde nach TRGS 519 dürfen Malerarbeiten an asbesthaltigen Materialien nicht durchgeführt werden. Die Qualifikation macht dich im Sanierungsbereich unverzichtbar.
ca. 400–800 EUR
2 Tage (Anlage 4c für Abbruch- und Sanierungsarbeiten geringen Umfangs)
Abgeschlossene Ausbildung in einem Bauberuf
Sachkunde Schimmelpilzsanierung (nach Schimmelleitfaden UBA)
BG Bau, TÜV, Handwerkskammern, Fachverbände
Schimmelprobleme in Bestandsgebäuden nehmen zu. Die sachkundige Beurteilung und Sanierung von Schimmelbefall ist eine lukrative Nische. Maler mit Sachkunde Schimmelpilzsanierung können Zusatzleistungen anbieten und höhere Stundensätze erzielen.
ca. 500–1.200 EUR
2–3 Tage Seminar + Prüfung
Abgeschlossene handwerkliche Ausbildung + Berufserfahrung im Baubereich
Gerüstbau-Befähigungsnachweis nach TRBS 2121
BG Bau, TÜV, DEKRA, Gerüstbauhersteller
Maler arbeiten regelmäßig auf Gerüsten. Der Befähigungsnachweis qualifiziert zur Prüfung und Freigabe von Gerüsten — ein Vorteil für Vorarbeiter und Bauleiter. Kleine Betriebe schätzen Mitarbeiter, die Gerüste eigenständig auf- und abbauen sowie freigeben können.
ca. 300–600 EUR
1–2 Tage
Berufserfahrung im Baubereich, Höhentauglichkeit
SCC-Zertifizierung (Safety Certificate Contractors)
TÜV, DEKRA und weitere akkreditierte Prüfstellen
Im Industriebereich (Korrosionsschutz, Raffinerien, Chemieanlagen) ist die SCC-Zertifizierung oft Voraussetzung für den Zutritt zum Werksgelände. Für Maler, die im Industriekorrosionsschutz arbeiten wollen, ein wichtiger Nachweis der Arbeitssicherheitskompetenz.
ca. 150–300 EUR (Prüfung)
1 Tag Prüfungsvorbereitung + Prüfung
Keine formalen Voraussetzungen, Berufserfahrung empfohlen
Zeugnisse & Referenzen: was zählt
Wichtige Tätigkeitsnachweise im Zeugnis
Positive Formulierungen
Red-Flag-Formulierungen
Häufige Fragen zu Maler/in und Lackierer/in-Zertifikaten
Welche Weiterbildung lohnt sich als Maler am meisten?
Der Meisterbrief bietet das größte Karrierepotenzial — Selbstständigkeit, Führungsrollen, Ausbilderberechtigung. Wer schneller Ergebnisse will: WDVS-Herstellerschulungen (1–3 Tage, 300–800 EUR) steigern deinen Marktwert sofort, weil die Nachfrage nach WDVS-Fachkräften aktuell extrem hoch ist.
Was kostet der Malermeister?
Die Kursgebühren liegen bei 6.000–10.000 EUR je nach HWK. Das Aufstiegs-BAföG übernimmt bis zu 75 % bei bestandener Prüfung. Hinzu kommen Prüfungsgebühren (ca. 400–800 EUR) und Materialkosten für die Meisterarbeit. Dauer: 1 Jahr Vollzeit oder 2–3 Jahre berufsbegleitend.
Brauche ich die Asbestsachkunde als Maler?
Bei Sanierungsarbeiten in Bestandsgebäuden (Baujahr vor 1993) zunehmend ja. Asbest kann in Putzen, Spachtelmassen, Fliesenklebern und Bodenbelägen stecken. Ohne TRGS-519-Sachkunde darfst du bei Verdacht auf Asbest nicht weiterarbeiten. Die Investition (400–800 EUR, 2 Tage) macht dich im wachsenden Sanierungsmarkt unverzichtbar.
Sind Herstellerzertifizierungen (Sto, Caparol) wichtig?
Ja, besonders für WDVS und Fassadenbeschichtungen. Viele Ausschreibungen verlangen eine Herstellerzertifizierung als Qualitätsnachweis. Die Schulungen sind oft kostenlos oder günstig (300–800 EUR) und werden häufig vom Arbeitgeber bezahlt. Sie zeigen Arbeitgebern, dass du mit den aktuellen Materialsystemen vertraut bist.
Erkennen Arbeitgeber Online-Weiterbildungen für Maler an?
Im Malerhandwerk zählt die praktische Kompetenz — Online-Kurse haben begrenzten Wert. Anerkannt werden: HWK-Meisterbrief, Herstellerzertifizierungen (Sto, Caparol, Brillux), TRGS 519 Asbestsachkunde, BG-Bau-Schulungen und Sachkunde Schimmelpilzsanierung. Die praktische Anwendung auf der Baustelle ist entscheidend.
Was in diesem Beruf verdient wird: Gehalt als Maler und Lackierer/in — 40.135 € Median (Destatis 2025) · zum Berufsstart: Einstiegsgehalt ab 3.251 €/Monat
Dein Weg zum Maler/in und Lackierer/in-Job
Quereinstieg
Wie realistisch ist der Einstieg als Maler/in und Lackierer/in ohne klassischen Werdegang? Pfade, Zeitaufwand und was wirklich zählt.
Stellenanzeigen richtig lesen
Was Anforderungen in Maler/in und Lackierer/in-Stellenanzeigen wirklich bedeuten — und wann du dich trotzdem bewerben solltest.
Zertifikate & Qualifikationen
Amtliche Gehaltsspanne für Maler/in und Lackierer/in und wie Zertifikatsanforderungen in Stellenanzeigen gemeint sind.
Bewerbung als Maler/in und Lackierer/in: weitere Schritte
Destatis 2025: Median, Niveau-Spanne und Einstiegsgehalt mit Quelle
Typische Fragen, STAR-Methode und Vorbereitung
Kernkompetenzen, häufige Fehler und ein starker Einstieg
Formulierungen richtig deuten und Bewertungen einordnen
Verwandte Berufe
Diese Berufe teilen sich viele Anforderungen mit Maler/in und Lackierer/in — ein Blick lohnt sich, wenn du deine Suche breiter aufstellen willst.
Häufige Fragen zum Beruf Maler/in und Lackierer/in
Was macht ein Maler und Lackierer genau?
Maler und Lackierer gestalten und schützen Oberflächen — von der Wandgestaltung in Wohnungen über Fassadenanstriche bis zur Fahrzeuglackierung. Der Beruf umfasst Streichen, Tapezieren, Spachteln, Lackieren, Bodenverlegen und das Aufbringen von Wärmedämmverbundsystemen. Je nach Fachrichtung liegt der Schwerpunkt auf Raumgestaltung, Fassade, Lackierung oder Korrosionsschutz.
Wie ist die Arbeitsmarktlage für Maler und Lackierer?
Die Nachfrage ist hoch und steigt weiter. Die energetische Gebäudesanierung (Wärmedämmung, Fassade) schafft massiv Aufträge, während gleichzeitig Fachkräfte fehlen. Der Bundesverband meldet zehntausende offene Stellen. Gesellen mit Berufserfahrung finden sofort Arbeit — besonders wer WDVS-Erfahrung mitbringt.
Welches Gehalt kann ich als Maler und Lackierer erwarten?
Berufseinsteiger nach der Ausbildung verdienen 28.000–33.000 EUR brutto/Jahr. Mit 3–5 Jahren Erfahrung und Spezialisierung (WDVS, Lackierung) sind 34.000–42.000 EUR realistisch. Meister und Vorarbeiter erreichen 40.000–52.000 EUR. In der Industrielackierung und im Korrosionsschutz liegen die Gehälter oft über dem klassischen Malerhandwerk.
Warum finde ich auf Jobbörsen oft nur Zeitarbeitsfirmen für Maler?
Viele Malerbetriebe sind kleine Meisterbetriebe mit 3–15 Mitarbeitern. Die Kosten für Jobbörsen-Anzeigen lohnen sich für sie nicht. Stattdessen suchen sie über die Maler-Innung, Mundpropaganda oder ihre eigene Website. Zeitarbeitsfirmen hingegen schalten massenhaft Anzeigen, weil sie ständig Maler für wechselnde Baustellen brauchen.
Welche Spezialisierungen als Maler sind besonders gefragt?
WDVS-Fachkräfte (Wärmedämmverbundsysteme) sind aktuell am stärksten gefragt — die energetische Sanierung boomt. Auch Autolackierer mit Erfahrung in modernen Lackiersystemen, Korrosionsschutz-Fachkräfte und Kirchenmaler/Denkmalpfleger haben hervorragende Jobaussichten. Wer Spritzlackierung (Airless) beherrscht, ist vielseitig einsetzbar.
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