Machbarkeit des Quereinstiegs
AnspruchsvollGrundschullehramt erfordert Lehramtsstudium, Referendariat und Staatsexamen. Der Seiteneinstieg existiert in einigen Bundesländern, ist aber an hohe Hürden geknüpft — fächerübergreifende Didaktik und Beziehungsarbeit mit Kindern lassen sich nicht durch Fachwissen ersetzen.
Klassischer Werdegang
Ausbildung / Studium
Lehramtsstudium Grundschule/Primarstufe (Bachelor + Master of Education) oder Staatsexamen Lehramt Grundschule
Typische Dauer
5–7 Jahre (Bachelor 6 Semester + Master 4 Semester + Referendariat 18–24 Monate)
Alternative Ausbildung
Seiteneinstieg über Hochschulabschluss in einem Grundschulfach (Deutsch, Mathematik, Sachunterricht, Kunst, Musik, Sport, Englisch) + intensive pädagogische Nachqualifizierung. Nur in Bundesländern mit extremem Mangel möglich (Berlin, NRW, Sachsen, Brandenburg).
Welche Zertifizierungen für den Einstieg ins Projektmanagement besonders wertvoll sind, erfährst du in unserer Übersicht der Grundschullehrer/in-Zertifikate.
Quereinstiegs-Pfade
Erzieher:in oder Kindheitspädagog:in mit Hochschulabschluss
18–36 Monate (je nach Bundesland und Ausgangslage)Was du mitbringst
- Tiefes Verständnis für kindliche Entwicklung und Lernprozesse
- Praxis in der Arbeit mit Kindern im Grundschulalter (Hort, OGS)
- Elternarbeit und Erziehungspartnerschaft aus erster Hand
- Differenzierungskompetenz für heterogene Kindergruppen
Was dir fehlt
Fachdidaktik (Schriftspracherwerb, Mathematikdidaktik), Leistungsbewertung, Unterrichtsplanung nach Lehrplan, Classroom-Management in großen Gruppen
So schließt du die Lücke
Berlin: Quereinstieg in den Grundschuldienst mit Bachelor Kindheitspädagogik + berufsbegleitendem Referendariat (18 Monate). NRW: OBAS-Programm für Grundschulen — 24 Monate berufsbegleitend mit vollem Gehalt, aber hohe Anforderungen an didaktische Eignung. Sachsen: Seiteneinstieg mit 3-monatigem Einstiegskurs + mehrjähriger berufsbegleitender Qualifizierung. Alternativ: Berufsbegleitendes Grundschullehramtsstudium (z. B. Uni Potsdam, FU Berlin).
Akademiker:in mit Fach in Grundschul-Mangelbereichen (Mathematik, Sachunterricht/Naturwissenschaften, Musik, Kunst, Sport)
18–30 MonateWas du mitbringst
- Fachwissenschaftliche Kompetenz im relevanten Unterrichtsfach
- Analytisches Denken und strukturierte Wissensvermittlung
- Erfahrung in der Vermittlung (z. B. Tutorien, Nachhilfe, Jugendarbeit)
- Akademische Reflexionsfähigkeit
Was dir fehlt
Grundschulpädagogik, Entwicklungspsychologie 6–12 Jahre, Schriftspracherwerb, kindgerechte Didaktik, Classroom-Management mit jungen Kindern, zweites Unterrichtsfach
So schließt du die Lücke
Seiteneinstiegsprogramme der Bundesländer: Berlin ist am offensten — Quereinstieg mit Master/Diplom + berufsbegleitendem Referendariat. NRW: OBAS für Grundschulen, aber nur in Mangelfächern. Brandenburg und Sachsen: Intensiv-Einstiegskurse + berufsbegleitende Qualifizierung. WICHTIG: Grundschulpädagogik ist grundlegend anders als Gymnasialdidaktik — die Nachqualifizierung ist intensiv und sollte nicht unterschätzt werden.
Lehrkraft einer anderen Schulform (Gymnasium, Realschule, Berufsschule) mit Wechselwunsch
3–12 Monate NachqualifizierungWas du mitbringst
- Volle Lehrbefähigung mit Staatsexamen oder Master of Education
- Unterrichtserfahrung, Leistungsbewertung und Classroom-Management
- Kenntnis schulischer Verwaltungsstrukturen und Konferenzkultur
- Erfahrung in Elternarbeit und Schülerberatung
Was dir fehlt
Grundschuldidaktik (speziell Schriftspracherwerb und mathematische Grundbildung), Umstellung auf fächerübergreifendes Unterrichten, Arbeit mit jüngeren Kindern
So schließt du die Lücke
Der Schulformwechsel ist in vielen Bundesländern möglich — oft mit verkürzter Nachqualifizierung (3–12 Monate). In Mangel-Bundesländern werden Lehrkräfte weiterführender Schulen aktiv für Grundschulen geworben. Die Besoldung bleibt erhalten (A13 → A13 oder A12 + Zulage). Hospitationen an einer Grundschule vor dem Wechsel dringend empfohlen — der Alltag unterscheidet sich fundamental.
Pädagogische Mitarbeiter:in oder Vertretungslehrkraft an einer Grundschule
12–48 Monate (je nach Ausgangslage)Was du mitbringst
- Kenntnis des Grundschulalltags aus eigener Erfahrung
- Beziehungsarbeit mit Kindern im Grundschulalter
- Praxis in Unterrichtsvertretung und Betreuung
- Vertrautheit mit OGS-Strukturen und Ganztagskonzepten
Was dir fehlt
Formale Lehrbefähigung, vertiefte Fachdidaktik, wissenschaftliche Fundierung der Grundschulpädagogik, ggf. fehlender Hochschulabschluss
So schließt du die Lücke
Mit Hochschulabschluss: Seiteneinstiegsprogramm nutzen — die vorhandene Grundschulpraxis ist ein großer Vorteil und wird oft angerechnet. Ohne Hochschulabschluss: Berufsbegleitendes Grundschullehramtsstudium (z. B. Uni Potsdam) — lang, aber der einzige Weg zur vollen Lehrbefähigung. Freie Grundschulträger (Montessori, Waldorf) bieten eigene Ausbildungswege und bewerten Praxiserfahrung höher als formale Abschlüsse.
Du fragst dich, ob du die Anforderungen in Stellenanzeigen erfüllst? Unser Guide Grundschullehrer/in-Stellenanzeigen richtig lesen zeigt dir, welche Anforderungen wirklich zählen — und welche Wunschliste sind.
"Vergleichbare Qualifikation" — was heißt das?
Im Grundschullehramt sind formale Qualifikationen besonders wichtig, weil die Arbeit mit jungen Kindern hohe pädagogische Anforderungen stellt. Für Beamtenstellen an öffentlichen Grundschulen ist das Staatsexamen oder der Master of Education Grundschule in der Regel Voraussetzung — Ausnahmen nur über offizielle Seiteneinstiegsprogramme. Freie Grundschulträger und Montessori-Schulen sind deutlich flexibler und akzeptieren Kombinationen aus Fachwissen und pädagogischer Erfahrung.
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Häufige Fragen zum Quereinstieg als Grundschullehrer/in
Kann ich ohne Grundschullehramtsstudium an einer Grundschule unterrichten?
Ja, über Seiteneinstiegsprogramme — aber nur mit Hochschulabschluss und nur in Bundesländern mit extremem Grundschullehrermangel (Berlin, NRW, Sachsen, Brandenburg). Die pädagogische Nachqualifizierung ist intensiv, weil Grundschulunterricht grundlegend andere Kompetenzen erfordert als Unterricht an weiterführenden Schulen. An freien Grundschulen (Montessori, Waldorf) gibt es eigene Ausbildungswege.
Warum ist der Seiteneinstieg in die Grundschule schwieriger als an Berufsschulen?
Grundschullehrkräfte unterrichten fächerübergreifend und brauchen fundierte Kenntnisse in Schriftspracherwerb und mathematischer Grundbildung — Spezialgebiete, die kein fachfremdes Studium abdeckt. Dazu kommt die besondere Beziehungsarbeit mit Kindern im Alter von 6–10 Jahren. Am Gymnasium oder der Berufsschule reicht Fachwissen als Einstieg; an der Grundschule steht die kindgerechte Didaktik im Zentrum.
Werden Quereinsteiger an Grundschulen verbeamtet?
Ja, in den meisten Bundesländern ist eine Verbeamtung nach erfolgreichem Abschluss des Seiteneinstiegsprogramms möglich — sofern die Altersgrenze nicht überschritten ist (meist 42–47 Jahre). Berlin verbeamtet seit 2023 wieder, NRW und Sachsen bieten Verbeamtung für Seiteneinsteiger nach Abschluss der Nachqualifizierung. Die Besoldung liegt bei A12, in einigen Bundesländern bereits bei A13.
Kann ich als Gymnasiallehrkraft an eine Grundschule wechseln?
Ja, der Schulformwechsel ist in vielen Bundesländern möglich und wird angesichts des Grundschullehrermangels aktiv gefördert. Die Nachqualifizierung ist kürzer als beim kompletten Seiteneinstieg (3–12 Monate), weil du bereits eine volle Lehrbefähigung hast. Allerdings unterschätzen viele den Unterschied: Grundschulunterricht erfordert fächerübergreifendes Arbeiten, mehr Beziehungsarbeit und andere didaktische Methoden.
Was verdient ein Quereinsteiger an der Grundschule?
Seiteneinsteiger werden in der Regel nach TV-L E11 eingestellt (ca. 3.500–4.200 € brutto/Monat). Nach erfolgreichem Abschluss der Nachqualifizierung und Verbeamtung steigt das Gehalt auf A12 (ca. 3.800–4.800 €), in einigen Bundesländern bereits auf A13 (ca. 4.200–5.400 €). Während des Seiteneinstiegsprogramms erhalten Teilnehmer in Berlin und NRW das volle Einstiegsgehalt.
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