Quereinstieg

Quereinstieg als Elektroplaner: So realistisch ist es

Der Quereinstieg in die Elektroplanung ist machbar, erfordert aber solide elektrotechnische Grundkenntnisse und den Erwerb von CAD-Skills (EPLAN P8). Für Elektrotechniker, Elektroniker und Mechatroniker ist der Weg vergleichsweise kurz — sie bringen das Fachwissen mit und müssen primär die CAD-Software und Normen der Konstruktion lernen. Für komplette Fachfremde ohne Elektrotechnik-Hintergrund ist der Einstieg deutlich schwieriger, da die Materie normintensiv und sicherheitsrelevant ist.

Machbarkeit des Quereinstiegs

Machbar mit Aufwand

Mit elektrotechnischem Hintergrund (Ausbildung oder Studium) ist der Quereinstieg gut machbar — EPLAN-Kurse und Normenkenntnis lassen sich in 3–6 Monaten aufbauen. Ohne Elektrotechnik-Basis ist der Weg deutlich länger und erfordert eine fundierte Weiterbildung.

Klassischer Werdegang

Ausbildung / Studium

Studium der Elektrotechnik (B.Eng./B.Sc.) oder Techniker-Weiterbildung Elektrotechnik mit Schwerpunkt Planung/Konstruktion

Typische Dauer

3,5–4 Jahre (Studium) oder 3,5 Jahre Ausbildung + 2 Jahre Technikerweiterbildung

Alternative Ausbildung

Ausbildung als Elektroniker (Betriebstechnik, Automatisierungstechnik) mit anschließender EPLAN-Qualifizierung und Berufserfahrung in der Planung. Viele Elektroplaner kommen über den praktischen Weg aus der Fertigung oder Inbetriebnahme in die Konstruktion.

Welche Zertifizierungen für den Einstieg ins Projektmanagement besonders wertvoll sind, erfährst du in unserer Übersicht der Elektroplaner-Zertifikate.

Quereinstiegs-Pfade

Elektroniker für Betriebstechnik / Automatisierungstechnik

3–6 Monate (EPLAN-Schulung + betriebliche Einarbeitung)

Was du mitbringst

  • Fundierte elektrotechnische Grundkenntnisse und Schaltplanverständnis
  • Praktische Erfahrung mit Schaltschrankbau und Verdrahtung
  • Kenntnis von SPS-Systemen und industrieller Sensorik
  • Normenbewusstsein aus der betrieblichen Praxis

Was dir fehlt

EPLAN P8 Bedienkompetenz, systematische Konstruktionsmethodik, vertiefte Normenkenntnis (EN 60204, EN 61439)

So schließt du die Lücke

EPLAN-Schulung beim EPLAN Training Center (Basis + Aufbau, ca. 5 Tage). Parallel: Einarbeitung in die spezifischen Normen der Elektrokonstruktion. Viele Arbeitgeber bieten eine interne Übernahme aus der Fertigung in die Planungsabteilung an — das ist der schnellste Weg.

Mechatroniker / Technischer Zeichner Elektrotechnik

4–8 Monate (EPLAN-Zertifizierung + Elektrotechnik-Vertiefung)

Was du mitbringst

  • CAD-Erfahrung und technisches Zeichnen
  • Grundkenntnisse in Elektrotechnik und Mechanik
  • Verständnis für Dokumentationsstandards
  • Erfahrung mit Stücklisten und Artikelverwaltung

Was dir fehlt

Tiefergehende Elektrotechnik-Kenntnisse, EPLAN-spezifisches Arbeiten, Dimensionierung von Schutzorganen

So schließt du die Lücke

EPLAN-Zertifizierung (Certified Engineer) und parallele Vertiefung der Elektrotechnik durch IHK-Kurse oder Technikerschule. Der vorhandene CAD-Background beschleunigt die Einarbeitung in EPLAN erheblich.

SPS-Programmierer / Automatisierungstechniker

3–6 Monate (EPLAN-Schulung + Hardware-Vertiefung)

Was du mitbringst

  • Verständnis für Steuerungslogik und Signalflüsse
  • Kenntnis von Antriebstechnik und Sensorik
  • Erfahrung mit Inbetriebnahme und Funktionsprüfung
  • Vertrautheit mit industriellen Kommunikationsprotokollen

Was dir fehlt

EPLAN-Bedienkompetenz, Schaltschrankplanung, normgerechte Dokumentation der Leistungselektrik

So schließt du die Lücke

EPLAN-Schulung (Basis + Aufbau) und Einarbeitung in die Hardware-Seite der Elektroplanung (Leistungsteil, Schutzorgane, Kabelberechnung). SPS-Programmierer bringen das logische Denken bereits mit — der Übergang zur Elektroplanung ist fließend, da beide Rollen eng zusammenarbeiten.

Gebäudetechnik-Planer / TGA-Fachplaner Elektro

2–4 Monate (EPLAN-Umschulung + Normen-Update)

Was du mitbringst

  • Erfahrung mit elektrotechnischer Planung im Gebäudebereich
  • Normenkenntnis (VDE, DIN 18015, HOAI)
  • CAD-Erfahrung (AutoCAD Electrical, DDS-CAD)
  • Projektmanagement und Kundenabstimmung

Was dir fehlt

EPLAN P8 (industrielle Planung statt Gebäudeplanung), Maschinenrichtlinie, SPS-Grundkenntnisse

So schließt du die Lücke

Wechsel von Gebäude- in Industrieplanung erfordert primär EPLAN-Umschulung und Einarbeitung in Maschinen-Normen (EN 60204). Die planungsmethodische Kompetenz ist übertragbar. Umgekehrt: Wechsel von Industrie in TGA ist ebenfalls gut machbar.

Du fragst dich, ob du die Anforderungen in Stellenanzeigen erfüllst? Unser Guide Elektroplaner-Stellenanzeigen richtig lesen zeigt dir, welche Anforderungen wirklich zählen — und welche Wunschliste sind.

"Vergleichbare Qualifikation" — was heißt das?

In Elektroplaner-Stellenanzeigen bedeutet "oder vergleichbare Qualifikation" typischerweise: Auch Bewerber ohne Studium sind willkommen, wenn sie Elektrotechnik-Kenntnisse, EPLAN-Erfahrung und Normenverständnis mitbringen. Der formale Abschluss ist zweitrangig — CAD-Skills und Praxiserfahrung zählen.

Staatlich geprüfter Techniker Elektrotechnik + EPLAN-Erfahrung = vollwertig für die meisten Elektroplaner-Stellen
Elektroniker mit Berufserfahrung in der Schaltschrankplanung + EPLAN-Zertifikat = anerkannter Quereinstieg
Mechatroniker mit nachweislicher Konstruktionserfahrung in EPLAN P8 = gleichwertig zu Absolventen

Du bist unsicher, ob deine Qualifikationen ausreichen? Der Talent Report analysiert dein Profil und zeigt, wo du als Quereinsteiger stehst.

Häufige Fragen zum Quereinstieg als Elektroplaner

Kann ich als Elektroniker ohne Studium Elektroplaner werden?

Ja, das ist einer der häufigsten Karrierewege. Viele Elektroplaner sind gelernte Elektroniker, die sich über EPLAN-Schulungen und Berufserfahrung in die Konstruktion entwickelt haben. Arbeitgeber schätzen die praktische Erfahrung aus Fertigung und Inbetriebnahme oft höher als ein reines Studium ohne Praxisbezug.

Wie lange dauert es, EPLAN P8 zu lernen?

Die Grundlagen von EPLAN P8 lassen sich in einem 3–5-tägigen Intensivkurs erlernen. Bis du produktiv und eigenständig Projekte planst, vergehen typischerweise 3–6 Monate betriebliche Einarbeitung. Für die EPLAN Certified Engineer Prüfung solltest du 6–12 Monate Praxiserfahrung mitbringen.

Ist EPLAN die einzige relevante Software für Elektroplaner?

EPLAN P8 dominiert den DACH-Markt im Maschinen- und Anlagenbau mit über 60 % Marktanteil. Alternativen sind WSCAD (besonders bei KMU), Engineering Base (Aucotec, stark im Anlagenbau) und AutoCAD Electrical (eher in der Gebäudetechnik). Wer EPLAN beherrscht, kann sich in andere Systeme relativ schnell einarbeiten.

Welche Weiterbildung lohnt sich für den Quereinstieg als Elektroplaner?

Die EPLAN-Zertifizierung (Certified Engineer) ist der sichtbarste Nachweis. Ergänzend sind VDE-Seminare zur Normenlage (EN 60204, EN 61439) empfehlenswert. Wer aus der Praxis kommt, sollte zudem den TREI-Schein erwägen — er dokumentiert die elektrotechnische Kompetenz gegenüber Arbeitgebern.

Verdient ein Elektroplaner weniger als ein Elektroingenieur?

Das Gehalt hängt mehr von Erfahrung, Branche und Unternehmensgröße ab als vom Titel. Ein erfahrener Elektroplaner mit EPLAN-Expertise und Projektverantwortung verdient oft gleichviel wie ein Elektroingenieur in der gleichen Abteilung. In der Praxis verschwimmen die Grenzen zwischen beiden Rollen zunehmend.

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