Berufsprofil: Beamte/r im gehobenen Dienst
Beamte im gehobenen Dienst (Laufbahngruppe 2, 1. Einstiegsamt) übernehmen verantwortungsvolle Sachbearbeitung, Fachaufsicht, Projektleitung und teilweise Führungsaufgaben in der öffentlichen Verwaltung. Der gehobene Dienst umfasst die Besoldungsgruppen A9–A13 und setzt in der Regel einen Bachelor oder ein Fachhochschulstudium voraus — entweder an einer Hochschule für öffentliche Verwaltung (duales Studium) oder als externer Studiengang mit anschließender Laufbahnprüfung. Das Spektrum reicht von der Kommunalverwaltung über Finanzämter bis zu Bundesbehörden, von der Polizei über den Zoll bis zur Bundesagentur für Arbeit.
Top 5 Aufgaben
Typische Branchen
Hard Skills
- Verwaltungsrecht (VwVfG, VwGO) und Fachrecht des jeweiligen Bereichs
- Haushaltswesen und öffentliche Finanzwirtschaft
- Personalrecht (Beamtenrecht, TVöD/TV-L)
- Projektmanagement im öffentlichen Sektor
- E-Government und digitale Verwaltungsprozesse
Soft Skills
- Analytisches Denken und Rechtsanwendungskompetenz
- Führungsfähigkeit und Teamsteuerung
- Präzise schriftliche Ausdrucksfähigkeit (Bescheide, Vermerke, Berichte)
- Bürgerfreundlichkeit und Serviceorientierung
- Belastbarkeit bei hohem Arbeitsaufkommen und politischem Druck
Arbeitsumfeld: Büroarbeit in Behörden mit geregelten Arbeitszeiten (39–41 Stunden/Woche je nach Dienstherr). Gleitzeit ist verbreitet, Homeoffice wird zunehmend angeboten. Die Arbeitsplatzsicherheit als Beamter ist maximal — Entlassung nur bei schweren Dienstvergehen. Dafür sind die Gehälter im gehobenen Dienst oft niedriger als vergleichbare Positionen in der Privatwirtschaft, besonders in Ballungsräumen.
Arbeitsmarkt-Lage: Beamte/r im gehobenen Dienst
Der öffentliche Dienst steht vor der größten Personalkrise seit Bestehen der Bundesrepublik. Laut dbb (Deutscher Beamtenbund) fehlen bis 2030 über 1,3 Millionen Beschäftigte — darunter überproportional viele im gehobenen Dienst. Die Pensionierungswelle der Babyboomer trifft auf wachsende Aufgaben (Digitalisierung, Klimaschutz, Energiewende, Verteidigung) und einen leergefegten Arbeitsmarkt. Die Folge: Behörden senken Einstellungshürden, bieten Zulagen und werben aggressiv um Nachwuchs.
Top-Regionen
Berlin hat den höchsten Bedarf (Bundesbehörden + Landesverwaltung + Kommunalverwaltung an einem Standort). NRW bietet die meisten Stellen aufgrund der Bevölkerungsgröße. Bayern und Baden-Württemberg zahlen die höchsten Zulagen (Ballungsraumzulage München: bis 200 €/Monat). Ländliche Regionen sind am schwierigsten zu besetzen — hier locken Kommunen mit flexiblen Arbeitszeitmodellen und Wohnungszuschüssen.
Zertifikate für Beamte/r im gehobenen Dienst: welche zählen
Im gehobenen Dienst entscheidet die formale Qualifikation über Laufbahn und Gehalt. Die Laufbahnbefähigung ist der Türöffner — danach schärfen Verwaltungslehrgänge, Führungslehrgänge und fachliche Spezialisierungen das Profil. Für Quereinsteiger ist der Verwaltungslehrgang II der wichtigste Baustein, für aufstiegsorientierte Beamte der Führungslehrgang.
Von 5 verbreiteten Zertifikaten für Beamte/r im gehobenen Dienst gelten 2 als Türöffner — ohne sie kommst du bei vielen Stellen nicht in die engere Auswahl. Der Rest verbessert die Ausgangslage, entscheidet aber nicht.
Duales Studium Public Management / Verwaltungswirt (Diplom/Bachelor)
Hochschulen für öffentliche Verwaltung (z. B. HSPV NRW, HVF BW, BayHföD, HS Bund)
Das duale Studium ist der Standardweg in den gehobenen Dienst und die direkte Laufbahnbefähigung. Absolventen werden mit Bestehen der Laufbahnprüfung sofort als Beamte auf Probe (A9) übernommen. Das Studium kombiniert Verwaltungsrecht, Finanzwirtschaft, Personalwesen und Praxisphasen in Behörden.
Kostenfrei — mit Anwärterbezügen (ca. 1.300–1.500 € netto/Monat)
3 Jahre (6 Semester: Theorie + Praxis)
Abitur oder Fachabitur + bestandenes Auswahlverfahren der Einstellungsbehörde + ggf. Eignungstest
Verwaltungslehrgang II (Angestelltenlehrgang II / Verwaltungsfachwirt)
Kommunale Studieninstitute, Bayerische Verwaltungsschule (BVS), Verwaltungsakademien
Der VL II ist der zentrale Aufstiegsbaustein: Er qualifiziert Tarifbeschäftigte und Beamte des mittleren Dienstes für den gehobenen Dienst (E9b–E12 / A9–A13). Ohne VL II kein Aufstieg und keine Verbeamtung im gehobenen Dienst für Quereinsteiger aus dem mittleren Dienst.
ca. 4.000–8.000 € (wird in der Regel vom Arbeitgeber finanziert)
ca. 2 Jahre berufsbegleitend (800–900 Unterrichtsstunden)
Abgeschlossene Berufsausbildung + 2–3 Jahre Berufserfahrung im öffentlichen Dienst + Empfehlung des Arbeitgebers
Führungslehrgang gehobener Dienst / Verwaltungsmanagement
Bundesakademie für öffentliche Verwaltung (BAköV), Landesverwaltungsakademien, KGSt
Für die Beförderung in Führungspositionen (Sachgebietsleitung, Amtsleitung) ab A11/A12 ist ein Führungslehrgang in vielen Behörden Pflicht oder zumindest starker Pluspunkt. Der Lehrgang vermittelt Personalführung, Organisationsentwicklung, Konfliktmanagement und Change Management.
Kostenfrei für aktive Beamte/Beschäftigte (Dienstreise)
1–4 Wochen (je nach Anbieter und Vertiefungsgrad)
Mehrjährige Berufserfahrung im gehobenen Dienst + dienstliche Empfehlung + ggf. Potenzialanalyse
Projektmanagement-Zertifizierung (PRINCE2 / PMP / GPM)
AXELOS (PRINCE2), PMI (PMP), GPM/IPMA (Basiszertifikat/Level D)
Verwaltungsmodernisierung und Digitalisierung erfordern strukturiertes Projektmanagement. PM-Zertifizierungen werden im öffentlichen Dienst zunehmend nachgefragt — besonders für Stellen in der Organisationsentwicklung, IT-Koordination und Fördermittelmanagement.
PRINCE2 Foundation: ca. 1.000–1.500 € | GPM Basiszertifikat: ca. 500–800 € | PMP: ca. 3.000–5.000 €
PRINCE2 Foundation: 3–5 Tage | GPM: 2–3 Tage | PMP: 35 Stunden Fortbildung + Prüfung
Keine formale Voraussetzung für Basiszertifikate; PMP: 4.500 Stunden Projektmanagement-Erfahrung
Datenschutzbeauftragter (TÜV / DEKRA / GDD) für den öffentlichen Sektor
TÜV SÜD, TÜV Rheinland, DEKRA, GDD, Bayerische Verwaltungsschule
Jede öffentliche Stelle braucht einen Datenschutzbeauftragten. In kleineren Behörden wird diese Funktion von einem Beamten des gehobenen Dienstes mit Zusatzqualifikation wahrgenommen. Die DSGVO-Expertise ist ein starker Karrierebaustein — besonders in Kombination mit Verwaltungsrecht.
ca. 2.500–5.000 € (Grundlehrgang + Prüfung)
5–10 Tage Intensivkurs + Prüfung
Keine formale Voraussetzung, aber Grundkenntnisse Datenschutzrecht und IT empfohlen
Zeugnisse & Referenzen: was zählt
Wichtige Tätigkeitsnachweise im Zeugnis
Positive Formulierungen
Red-Flag-Formulierungen
Häufige Fragen zu Beamte/r im gehobenen Dienst-Zertifikaten
Ist das duale Verwaltungsstudium der einzige Weg in den gehobenen Dienst?
Nein. Das duale Studium ist der Standardweg, aber nicht der einzige. Alternativen: Verwaltungslehrgang II (Aufstieg aus dem mittleren Dienst), externer Bachelor/Master + Verbeamtung über "sonstige Befähigung", oder Bachelor Public Management an einer Fachhochschule (nicht duales Modell). Der Personalmangel führt dazu, dass Behörden zunehmend flexible Wege akzeptieren.
Lohnt sich der Verwaltungslehrgang II für Quereinsteiger?
Ja, der VL II ist der wichtigste Karrierebaustein für den Aufstieg in den gehobenen Dienst. Er ermöglicht den Sprung von E5–E8 auf E9b–E12 — das sind 800–1.500 € mehr brutto/Monat. Für die Verbeamtung: Der VL II ist die Laufbahnprüfung für den gehobenen nichttechnischen Verwaltungsdienst und damit die formale Voraussetzung für die Verbeamtung.
Welche Fortbildung bringt am meisten für die Beförderung?
Für die Beförderung entscheidend: 1. Führungslehrgang (Pflicht für Sachgebietsleitungen ab A11/A12). 2. Fachliche Spezialisierung im eigenen Bereich (z. B. Vergaberecht, Fördermittelmanagement). 3. Projektmanagement-Zertifizierung (für Modernisierungsprojekte). Die dienstliche Beurteilung wiegt aber schwerer als jedes Zertifikat — im öffentlichen Dienst zählt die Leistung im Amt am meisten.
Kann ich mit dem Verwaltungslehrgang II in den höheren Dienst aufsteigen?
Nein. Der VL II qualifiziert für den gehobenen Dienst (bis A13). Für den höheren Dienst (ab A13 Einstiegsamt) ist ein Master-Abschluss oder der Aufstieg über ein Auswahlverfahren + Qualifizierungsprogramm erforderlich. An der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer oder der DHPol können Beamte des gehobenen Dienstes den Aufstieg in den höheren Dienst absolvieren.
Werden die Kosten für Fortbildungen vom Dienstherrn übernommen?
In der Regel ja. Verwaltungslehrgänge, Führungslehrgänge und dienstlich relevante Fortbildungen werden vom Dienstherrn finanziert und als Dienstzeit anerkannt. Bei externen Zertifizierungen (PM, Datenschutz) variiert die Kostenübernahme — manche Behörden finanzieren zu 100 %, andere beteiligen sich anteilig. Eine Bindungsfrist nach der Fortbildung (1–3 Jahre) ist üblich.
Was in diesem Beruf verdient wird: Gehalt als Beamter im gehobenen Dienst — 60.471 € Median (Destatis 2025) · für den Berufsstart: Einstiegsgehalt als Beamter im gehobenen Dienst
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Häufige Fragen zum Beruf Beamte/r im gehobenen Dienst
Was verdient ein Beamter im gehobenen Dienst?
Besoldungsgruppe A9–A13: ca. 3.000–5.000 € brutto/Monat (je nach Stufe und Dienstherr). Da Beamte keine Sozialversicherungsbeiträge zahlen, liegt das Netto deutlich höher als bei vergleichbaren Angestelltengehältern. Dazu kommen Familienzuschlag (ca. 130–400 €/Monat), Ballungsraumzulage (München: bis 200 €) und Beihilfe (Krankenkosten werden anteilig vom Dienstherrn erstattet). Die Pension beträgt ca. 71,75 % der letzten Bezüge.
Wie komme ich in den gehobenen Dienst?
Drei Wege: 1. Duales Studium an einer Hochschule für öffentliche Verwaltung (Public Management, Verwaltungsinformatik, Polizei — 3 Jahre, mit Anwärterbezügen). 2. Externer Bachelor/Master + Aufnahme in eine Laufbahn durch Einstellung als Beamter. 3. Aufstieg aus dem mittleren Dienst über Aufstiegsprüfung oder Verwaltungslehrgang II. Weg 1 ist der Standardweg, Weg 2 gewinnt durch den Personalmangel an Bedeutung.
Was ist der Unterschied zwischen A9 und A13?
A9 ist das Einstiegsamt im gehobenen Dienst (Inspektor). A13 ist das Spitzenamt im gehobenen Dienst und gleichzeitig das Einstiegsamt im höheren Dienst (Rat). Von A9 bis A13 liegen ca. 10–15 Dienstjahre mit regelmäßiger Beförderung. Der Gehaltsunterschied: A9 Stufe 1: ca. 3.000 € brutto, A13 Stufe 8: ca. 5.800 € brutto. Führungspositionen werden in der Regel ab A11/A12 vergeben.
Gibt es eine Altersgrenze für die Verbeamtung?
Ja, die Verbeamtungsgrenze liegt je nach Dienstherr zwischen 42 und 52 Jahren. Bund: keine starre Grenze, aber wirtschaftliche Prüfung. Länder: meist 42–47 Jahre (Ausnahmen: Berlin 52 Jahre seit 2023). Kommunen: richten sich nach dem jeweiligen Landesbeamtengesetz. Wegen des Personalmangels werden die Grenzen zunehmend angehoben.
Kann ich als Angestellter im öffentlichen Dienst verbeamtet werden?
Grundsätzlich ja, wenn du die Laufbahnvoraussetzungen erfüllst (passender Studienabschluss oder Verwaltungslehrgang II + Laufbahnprüfung), die Altersgrenze nicht überschritten hast und gesundheitlich geeignet bist. Viele Behörden bieten die Verbeamtung im Rahmen der Übernahme an — besonders bei langjährigen Tarifbeschäftigten mit Verwaltungslehrgang II.
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