Quereinstieg

Quereinstieg als Automatisierungsingenieur: So realistisch ist es

Der Quereinstieg in die Automatisierungstechnik ist realistischer als in viele andere Ingenieurdisziplinen, weil praktische SPS-Programmierfähigkeiten am Markt hoch bewertet werden — auch ohne formalen Ingenieurtitel. Staatlich geprüfte Techniker Elektrotechnik, Elektroniker für Automatisierungstechnik und Mechatroniker mit SPS-Weiterbildung arbeiten in vielen Unternehmen auf einem Niveau, das dem von Ingenieuren nahekommt. Der Ingenieurtitel erfordert aber weiterhin ein Hochschulstudium.

Machbarkeit des Quereinstiegs

Machbar mit Aufwand

Der Quereinstieg in die Automatisierungstechnik ist über den Techniker-Weg oder gezielte SPS-Weiterbildungen möglich. Praktische SPS-Kompetenz wird am Markt hoch bewertet — auch ohne Ingenieurtitel. Der formale Abschluss bleibt für Konzern-Stellen aber relevant.

Klassischer Werdegang

Ausbildung / Studium

Bachelor Automatisierungstechnik, Elektrotechnik oder Mechatronik (B.Eng. / B.Sc.) an einer Universität oder Fachhochschule

Typische Dauer

3,5–4 Jahre Bachelor (7–8 Semester) + optional 1,5–2 Jahre Master + 1–2 Jahre Berufseinstieg

Alternative Ausbildung

Staatlich geprüfter Techniker Elektrotechnik/Automatisierungstechnik (2 Jahre Vollzeit oder 4 Jahre berufsbegleitend) oder Elektroniker für Automatisierungstechnik (3,5 Jahre Ausbildung) mit SPS-Zusatzqualifikation

Welche Zertifizierungen für den Einstieg ins Projektmanagement besonders wertvoll sind, erfährst du in unserer Übersicht der Automatisierungsingenieur-Zertifikate.

Quereinstiegs-Pfade

Elektroniker für Automatisierungstechnik / Elektroniker für Betriebstechnik

2–4 Jahre (Techniker) oder 4–5 Jahre (berufsbegleitendes Studium)

Was du mitbringst

  • Schaltplanlesung und elektrische Installation aus der täglichen Praxis
  • SPS-Grundkenntnisse aus der Ausbildung (Siemens S7, Kleinsteuerungen)
  • Sensorik und Aktorik: Auswahl, Anschluss und Fehlerdiagnose
  • Inbetriebnahme-Erfahrung an realen Anlagen

Was dir fehlt

SPS-Programmierung auf professionellem Niveau (Structured Text, Funktionsbausteine), SCADA/HMI-Entwicklung, Antriebstechnik, industrielle Netzwerke (Profinet, EtherCAT), Safety-Programmierung

So schließt du die Lücke

Option A: Weiterbildung zum Staatlich geprüften Techniker Elektrotechnik/Automatisierungstechnik (2 Jahre Vollzeit / 4 Jahre berufsbegleitend). Parallel: SPS-Intensivkurse bei Siemens SITRAIN oder Beckhoff. Option B: Berufsbegleitendes Ingenieurstudium Elektrotechnik/Automatisierungstechnik (WINGS, HFH) für den formalen Ingenieurtitel. Dein Vorteil: Du kennst die Hardware — jetzt lernst du die Software.

Mechatroniker mit Berufserfahrung

2–4 Jahre je nach Weg (Techniker oder Studium)

Was du mitbringst

  • Breites Grundwissen: Mechanik, Elektrik und Informatik aus der Ausbildung
  • Praktische Erfahrung mit Steuerungen und Pneumatik
  • Fehlerdiagnose an mechanisch-elektrischen Systemen
  • Verständnis für das Zusammenspiel von Mechanik, Elektrik und Software

Was dir fehlt

SPS-Programmierung auf Ingenieursniveau, Antriebstechnik, industrielle Netzwerke, Robotik-Grundlagen, Safety-Programmierung nach ISO 13849

So schließt du die Lücke

SPS-Intensivkurs bei Siemens SITRAIN (Siemens TIA Portal Basics + Advanced, je 5 Tage) als Einstieg. Dann: Techniker Elektrotechnik oder berufsbegleitendes Studium. Dein Vorteil als Mechatroniker: Du verstehst das Zusammenspiel aller Gewerke und kannst die Lücke zwischen Mechanik-Konstruktion und Software-Entwicklung schließen.

Informatiker oder Softwareentwickler

6–12 Monate für den fachlichen Übergang

Was du mitbringst

  • Programmierkompetenz: Strukturierter Code, Debugging, Versionskontrolle
  • Netzwerktechnik: TCP/IP, Protokolle, Datenbanken
  • Algorithmisches Denken und Softwarearchitektur
  • IT-Security-Grundlagen (zunehmend relevant für OT-Sicherheit)

Was dir fehlt

Elektrotechnik-Grundlagen (Schaltungstechnik, Antriebe, Sensorik), SPS-spezifische Programmierung (Echtzeit, deterministische Zyklen), industrielle Netzwerke (Profinet, EtherCAT), Maschinensicherheit

So schließt du die Lücke

SPS-Grundkurs bei Siemens SITRAIN oder Beckhoff (2 Wochen). Dann: Einstieg in ein Unternehmen, das IT/OT-Konvergenz vorantreibt — hier ist dein IT-Hintergrund ein Alleinstellungsmerkmal. Die Elektrotechnik-Grundlagen (Sensorik, Antriebe, Schaltpläne) lernst du on-the-job. Besonders gefragt: Automatisierungsingenieure, die OPC UA, MQTT und Cloud-Anbindung beherrschen.

Maschinenbauingenieur mit Interesse an Steuerungstechnik

6–12 Monate Weiterbildung + Einarbeitung

Was du mitbringst

  • Ingenieurstitel und analytisches Denken aus dem Studium
  • Verständnis für mechanische Systeme und Antriebe
  • Technische Dokumentation und normgerechtes Arbeiten
  • Projektarbeit und interdisziplinäre Zusammenarbeit

Was dir fehlt

SPS-Programmierung (Structured Text, KOP, FBD), Elektrotechnik-Grundlagen, SCADA/HMI-Entwicklung, industrielle Netzwerke, Safety-Programmierung

So schließt du die Lücke

SPS-Intensivkurse bei Siemens SITRAIN (TIA Portal Basics + Advanced + Motion Control, je 5 Tage). Parallel: Einstieg in eine Rolle, die Maschinenbau und Automatisierung verbindet — z. B. Inbetriebnahme von Anlagen, wo du beide Kompetenzen brauchst. Viele Maschinenbauer wachsen über die Inbetriebnahme in die Automatisierung hinein.

Du fragst dich, ob du die Anforderungen in Stellenanzeigen erfüllst? Unser Guide Automatisierungsingenieur-Stellenanzeigen richtig lesen zeigt dir, welche Anforderungen wirklich zählen — und welche Wunschliste sind.

"Vergleichbare Qualifikation" — was heißt das?

Bei Automatisierungsingenieur-Stellen ist „vergleichbare Qualifikation" relativ pragmatisch gemeint. Gemeint sind: Elektrotechnik-Studium, Mechatronik-Studium, Informatik mit Automatisierungsschwerpunkt oder ein Staatlich geprüfter Techniker Elektrotechnik mit nachweisbarer SPS-Programmiererfahrung. Praktische Inbetriebnahme-Erfahrung wiegt in dieser Branche besonders schwer.

Bachelor Mechatronik + 3 Jahre SPS-Programmierung (Siemens TIA Portal) bei einem Maschinenbauer = wird von praktisch allen Arbeitgebern als gleichwertig akzeptiert
Staatlich geprüfter Techniker Elektrotechnik + 6 Jahre Automatisierungserfahrung + SITRAIN-Zertifizierungen = akzeptiert bei vielen KMU und Systemintegratoren
Bachelor Informatik + 2 Jahre in der Automatisierungstechnik (OPC UA, IoT, Edge Computing) = akzeptiert für IT/OT-Schnittstellenrollen, weniger für klassische SPS-Programmierung

Du bist unsicher, ob deine Qualifikationen ausreichen? Der Talent Report analysiert dein Profil und zeigt, wo du als Quereinsteiger stehst.

Häufige Fragen zum Quereinstieg als Automatisierungsingenieur

Kann ich ohne Studium als Automatisierungsingenieur arbeiten?

Die Tätigkeit ja, den Titel formal nicht. Staatlich geprüfte Techniker Elektrotechnik und erfahrene Elektroniker mit SPS-Weiterbildung arbeiten in vielen Unternehmen als Automatisierer und übernehmen SPS-Programmierung, Inbetriebnahme und Roboterintegration. Für den Ingenieurtitel braucht es ein Hochschulstudium — aber gerade bei Systemintegratoren und im Mittelstand zählt die SPS-Praxis mehr als der formale Abschluss.

Welche SPS-Weiterbildung ist am sinnvollsten?

Siemens SITRAIN ist der Gold-Standard im DACH-Raum — weil Siemens TIA Portal mit über 50 % Marktanteil das dominante System ist. Die Kurse „TIA Portal Basics" und „TIA Portal Advanced" (je 5 Tage, je ca. 2.000 EUR) bilden eine solide Grundlage. Beckhoff bietet eigene Trainingskurse für TwinCAT an (3–5 Tage, kostenlos oder subventioniert). Wähle die Plattform, die in deiner Zielbranche dominiert.

Ist der Einstieg als Informatiker in die Automatisierung realistisch?

Ja — besonders in der IT/OT-Konvergenz. Unternehmen suchen dringend Profile, die sowohl SPS als auch IT-Technologien (OPC UA, MQTT, Cloud, Edge Computing) beherrschen. Als Informatiker bringst du die IT-Seite mit und lernst die OT-Seite (SPS, Feldbusse, Sensorik) dazu. Ein SPS-Grundkurs bei SITRAIN (2 Wochen) ist der schnellste Einstieg.

Wie wichtig ist Reisebereitschaft für Automatisierungsingenieure?

Bei Systemintegratoren ist Reisebereitschaft (40–70 %) oft Pflicht — Inbetriebnahmen finden beim Kunden statt. Bei Endanwendern (z. B. Automobilwerk, Pharma-Produktion) ist die Reisetätigkeit gering (5–15 %). Wenn du nicht reisen willst, fokussiere dich auf Stellen bei Endanwendern oder auf Rollen in der Anlagenplanung/Simulation, die stärker bürogebunden sind.

Welche Elektrotechnik-Grundlagen brauche ich für den Quereinstieg?

Mindestens: Schaltpläne lesen (EPLAN P8 ist Standard), Sensorik und Aktorik verstehen (Näherungsschalter, Lichtschranken, Pneumatikventile), elektrische Sicherheit auf Grundniveau. Idealerweise auch: Antriebstechnik-Grundlagen (Frequenzumrichter, Servoregler) und Safety-Grundlagen (Not-Halt-Kreise). Diese Themen werden in der Techniker-Ausbildung oder in gezielten Kursen bei Festo Didactic, Siemens SITRAIN oder der IHK vermittelt.

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