Zertifikate & Qualifikationen

Schifffahrtskaufmann-Zertifikate: Welche wirklich zählen

In der Schifffahrt ist die IHK-Ausbildung die Basis, und Spezialisierungen in Chartering, Maritime Law und Hafenlogistik der Karrierebeschleuniger. Da die Branche stark international ist, haben englischsprachige Zertifizierungen ein besonderes Gewicht.

Zertifizierungen im Überblick

IHK-Abschluss Schifffahrtskaufmann/-frau

IHK Hamburg, IHK Bremen — duale Ausbildung

Türöffner

Der IHK-Abschluss ist die formale Grundqualifikation für die Schifffahrtsbranche. Er umfasst Linienfahrt oder Trampfahrt, Befrachtung, Klarierung, Dokumentation, Seefrachtrecht und kaufmännische Grundlagen. Bei Reedereien und Schiffsmaklern wird er als Standard erwartet.

Kosten

Ausbildungsvergütung (ca. 900–1.200 Euro/Monat im 3. Lehrjahr); Umschulung: per Bildungsgutschein

Dauer

3 Jahre (duale Ausbildung)

Voraussetzung

Empfohlen: (Fach-)Abitur und gute Englischkenntnisse; formal kein Abschluss vorgeschrieben

ICS (Institute of Chartered Shipbrokers) Diploma

Institute of Chartered Shipbrokers (London)

Klarer Vorteil

Das ICS-Diploma ist die international anerkannte Qualifikation für Schifffahrtskaufleute und Schiffsmakler. Es umfasst Chartering, Ship Operations, Maritime Law, Ship Finance und Port Management. In der internationalen Schifffahrt — besonders im Chartering und bei Schiffsmaklern — ist das ICS-Diploma ein starker Karrierebeschleuniger.

Kosten

ca. 3.000–5.000 GBP (gesamtes Programm)

Dauer

2–3 Jahre (berufsbegleitend, 8 Module)

Voraussetzung

Keine formalen Voraussetzungen; empfohlen: Berufserfahrung in der Schifffahrt

Fachwirt/in für Güterverkehr und Logistik (IHK)

IHK, private Bildungsträger

Klarer Vorteil

Branchenübergreifende Aufstiegsfortbildung (DQR 6) für Logistik-Fachkräfte. In der Schifffahrt qualifiziert sie für Führungsaufgaben in Operations, Disposition und Kundenbetreuung. Die Prüfung umfasst Logistikplanung, Leistungserstellung und Marketing — mit Schwerpunkt auf Güterverkehr.

Kosten

ca. 3.000–5.500 Euro; Aufstiegs-BAföG deckt bis zu 75 %

Dauer

12–18 Monate (berufsbegleitend)

Voraussetzung

Kaufmännische Ausbildung (Schifffahrt, Spedition, Logistik) + Berufserfahrung

Gefahrgutbeauftragter (IHK) — ADR/IMDG-Code

IHK, DEKRA, TÜV

Nice-to-have

Der Transport gefährlicher Güter auf See unterliegt dem IMDG-Code (International Maritime Dangerous Goods Code). Der Gefahrgutbeauftragte ist gesetzlich vorgeschrieben für Unternehmen, die Gefahrgut versenden. Die Zusatzqualifikation ist für Schifffahrtskaufleute in der Container-Logistik und bei Spezialverladern wertvoll.

Kosten

ca. 1.000–2.000 Euro (Lehrgang + Prüfung)

Dauer

3–5 Tage (Grundlehrgang)

Voraussetzung

Keine formalen Voraussetzungen; Logistik-Grundkenntnisse empfohlen

Zollkurs / AEO-Zertifizierung (Zugelassener Wirtschaftsbeteiligter)

IHK, Bundesverband Spedition und Logistik (DSLV), AWA — Arbeitsgemeinschaft Zoll

Nice-to-have

Vertiefte Zollkenntnisse sind in der Seefracht wertvoll: Zolltarifierung, Exportkontrolle, Präferenzrecht, AEO-Zertifizierung. Für Schifffahrtskaufleute, die in der Import-/Export-Abwicklung arbeiten, ist die Zollkompetenz ein Differenzierer und öffnet Türen zu Compliance-Funktionen.

Kosten

ca. 500–2.000 Euro (je nach Kurslevel)

Dauer

2–5 Tage (Seminar)

Voraussetzung

Grundkenntnisse in Außenhandel und Zoll

In Stellenanzeigen wird oft „PMP wünschenswert“ oder „Zertifizierung erforderlich“ formuliert — aber was davon ist wirklich Muss? Unser Stellenanzeigen-Decoder entschlüsselt die Anforderungen.

Zeugnisse & Referenzen: Was zählt

Wichtige Tätigkeitsnachweise im Zeugnis

Eigenständige Befrachtung: Charterverträge verhandeln und Ladungen akquirieren
Erstellung und Prüfung von Konnossementen (Bills of Lading) und Frachtdokumenten
Schiffsklarierung: Ein- und Ausklarierung im Hafen, Behördenkontakte, Zolldokumentation
Disposition von Containerstellplätzen und Ladeplanung in der Linienfahrt
Internationale Kundenbetreuung und Frachtratenverhandlungen in Englisch

Positive Formulierungen

„verhandelte eigenverantwortlich Charterverträge mit internationalen Reedern und Verladern"
„disponierte X TEU pro Monat in der Linienfahrt und optimierte die Stellplatzauslastung"
„betreute einen internationalen Kundenstamm in X Ländern und steigerte das Frachtvolumen um X %"
„führte die Klarierung von X Schiffen pro Monat fehlerfrei durch und optimierte die Hafenliegezeiten"

Red-Flag-Formulierungen

„unterstützte bei der Befrachtung" — Zuarbeit, keine eigenverantwortliche Verhandlung
„war in der Abteilung Seefracht tätig" — unspezifisch, keine konkreten Aufgaben
„erledigte die anfallende Korrespondenz" — klingt nach Sekretariat, nicht nach Facharbeit
„bemühte sich um sorgfältige Dokumentation" — Zeugnis-Code für Dokumentationsfehler

Du überlegst den Quereinstieg ins Projektmanagement? Unser Guide Quereinstieg als Schifffahrtskaufmann zeigt dir, welche Zertifizierungen für deinen Hintergrund am sinnvollsten sind.

Du hast bereits Zertifizierungen und Erfahrung? Der Talent Report analysiert, wie deine Qualifikationen bei Arbeitgebern ankommen — und wo du noch nachlegen kannst.

Häufige Fragen zu Schifffahrtskaufmann-Zertifikaten

Lohnt sich das ICS Diploma für die Karriere?

Ja — besonders für eine internationale Karriere. Das ICS-Diploma (Institute of Chartered Shipbrokers) ist die angesehenste Qualifikation in der internationalen Schifffahrt. Es wird bei Brokern, Reedereien und in London — dem globalen Shipping-Zentrum — sehr geschätzt. In Hamburg ist es ein Differenzierer, aber nicht Pflicht.

Welche Weiterbildung bringt am schnellsten Vorteile?

Für Operations/Klarierung: Zollvertiefung (2–5 Tage, ca. 500–2.000 Euro) — sofort einsetzbar. Für Chartering: ICS-Module in Chartering (berufsbegleitend) — positioniert dich als Spezialist. Für Führungspositionen: Fachwirt für Güterverkehr und Logistik (IHK) — DQR 6, 15–25 % Gehaltsplus.

Bezahlen Reedereien die Weiterbildung?

Gute Reedereien und maritime Unternehmen ja — besonders ICS-Module und Fachseminare werden häufig finanziert. Hapag-Lloyd und andere Großreedereien haben interne Weiterbildungsprogramme. Der Fachwirt wird über Aufstiegs-BAföG (75 %) gefördert. Frage im Vorstellungsgespräch nach der Weiterbildungsförderung.

Ist der Gefahrgutbeauftragte für Schifffahrtskaufleute sinnvoll?

Ja — wenn du in der Container-Logistik oder bei Spezialverladern (Chemie, Öl) arbeitest. Der IMDG-Code-Lehrgang qualifiziert für den Transport gefährlicher Güter auf See und ist gesetzlich vorgeschrieben. Die Zusatzqualifikation macht dich für spezialisierte Rollen attraktiver und wird von Arbeitgebern geschätzt.

Kann ich mit der Schifffahrtskaufmann-Ausbildung auch in andere Branchen wechseln?

Ja — die Ausbildung vermittelt breite Logistik-, Zoll- und Außenhandelskenntnisse, die in der gesamten Speditions- und Logistikbranche gefragt sind. Typische Wechsel: in die Luftfracht, Kontraktlogistik, Supply Chain Management oder den Außenhandel. Das maritime Know-how ist dabei ein Alleinstellungsmerkmal.

Weitere Themen für Schifffahrtskaufmann

Elinora zeigt dir, welche deiner maritimen Qualifikationen für offene Schifffahrts-Stellen zählen

Der Talent Report analysiert deine vorhandenen Qualifikationen und zeigt dir, wie du sie optimal für Schifffahrtskaufmann-Bewerbungen einsetzt.

  • Qualifikations-Check: Welche deiner Zertifikate und Erfahrungen zählen
  • Lücken-Analyse: Was du noch ergänzen könntest
  • Formulierungshilfen für Lebenslauf und Anschreiben

Kostenlos starten · Ergebnis in 5 Minuten