Zertifikate & Qualifikationen

Richter/in Stellen finden — direkt bei den Justizverwaltungen-Zertifikate: Welche wirklich zählen

Für den Richterberuf sind die zwei juristischen Staatsexamina der zentrale Türöffner — und zugleich die einzige zwingende Qualifikation. Darüber hinaus können Promotionen, Fachanwaltslehrgänge und Fortbildungen an der Deutschen Richterakademie die Karriere fördern und die Spezialisierung vertiefen.

Zertifizierungen im Überblick

Erste Juristische Prüfung (1. Staatsexamen)

Landesjustizprüfungsämter (staatlicher Teil) + Universitäten (universitärer Schwerpunktbereich)

Türöffner

Das 1. Staatsexamen ist die erste der zwei zwingend erforderlichen Prüfungen für die Befähigung zum Richteramt. Es besteht aus dem staatlichen Pflichtfachteil (70%) und dem universitären Schwerpunktbereich (30%). Ohne bestandenes 1. Staatsexamen kein Referendariat und kein 2. Staatsexamen.

Kosten

Studium: kostenfrei (staatliche Universität) oder 500-700 Euro/Semester (Semesterbeitrag) | Repetitorium: 1.500-3.000 Euro

Dauer

Jurastudium: 4,5-5,5 Jahre (Regelstudienzeit 9 Semester + Examensvorbereitung)

Voraussetzung

Allgemeine Hochschulreife (Abitur), Immatrikulation an einer juristischen Fakultät

Zweite Juristische Staatsprüfung (2. Staatsexamen)

Landesjustizprüfungsämter

Türöffner

Das 2. Staatsexamen schließt das 2-jährige Referendariat ab und verleiht die Befähigung zum Richteramt. Die Note des 2. Staatsexamens ist das entscheidende Einstellungskriterium für Richterstellen. Ein Prädikatsexamen (mindestens "vollbefriedigend", ca. 9+ Punkte) öffnet die Tür zur Richterkarriere in den meisten Bundesländern.

Kosten

Referendariat: Unterhaltsbeihilfe ca. 1.200-1.500 Euro netto/Monat (je nach Bundesland) | Repetitorium: 1.500-3.000 Euro

Dauer

2 Jahre Referendariat (Pflicht- und Wahlstationen bei Gericht, Staatsanwaltschaft, Anwaltschaft, Verwaltung)

Voraussetzung

Bestandenes 1. Staatsexamen, Zulassung zum Referendariat durch das Landesjustizprüfungsamt

Fachanwaltslehrgang (z. B. Familienrecht, Strafrecht, Verwaltungsrecht)

Deutsche Anwaltsakademie (DAA), Fachanwaltsinstitut der Rechtsanwaltskammern, private Fortbildungsanbieter

Klarer Vorteil

Fachanwaltslehrgänge vermitteln vertiefte Kenntnisse in einem Rechtsgebiet — 120 Stunden theoretische Ausbildung plus Praxisfälle. Für Anwälte, die in das Richteramt wechseln möchten, ist die Fachanwaltsqualifikation ein Nachweis der Spezialisierung und wird bei der Bewerbung auf Richterstellen in dem entsprechenden Rechtsgebiet positiv bewertet.

Kosten

2.000-4.000 Euro (je nach Rechtsgebiet und Anbieter)

Dauer

3-6 Monate (berufsbegleitend, meist Wochenendveranstaltungen)

Voraussetzung

Zulassung als Rechtsanwalt; für Richter: entsprechende Verwendung oder geplanter Wechsel in das Rechtsgebiet

Promotion in Rechtswissenschaft (Dr. jur.)

Juristische Fakultäten der Universitäten

Klarer Vorteil

Eine Promotion ist für die Richterkarriere nicht erforderlich, aber ein erheblicher Vorteil — insbesondere für Positionen an Obergerichten und Bundesgerichten. Promovierte Richter werden für die wissenschaftliche Qualität ihrer Urteilsbegründungen geschätzt. Die Promotion signalisiert vertiefte dogmatische Kompetenz und wissenschaftliche Arbeitsweise.

Kosten

Promotionsstipendium oder Anstellung als wissenschaftlicher Mitarbeiter (kostenneutral bis einkommensgenerierend)

Dauer

2-4 Jahre (Vollzeit) oder 3-6 Jahre (berufsbegleitend)

Voraussetzung

Bestandenes 1. Staatsexamen (in der Regel mit Prädikatsexamen), Annahme als Doktorand durch einen Professor

Fortbildungen an der Deutschen Richterakademie (Trier/Wustrau)

Deutsche Richterakademie (DRA), Trier und Wustrau

Klarer Vorteil

Die Deutsche Richterakademie ist die zentrale Fortbildungsinstitution für Richter und Staatsanwälte. Sie bietet jährlich über 100 Tagungen zu aktuellen Rechtsfragen, Verhandlungsführung, richterlicher Ethik und Spezialthemen an. Die Teilnahme an DRA-Fortbildungen ist karrierefördernd und wird bei Beurteilungen positiv berücksichtigt.

Kosten

Kostenfrei für Richter und Staatsanwälte (Reise- und Übernachtungskosten trägt der Dienstherr)

Dauer

2-5 Tage pro Fortbildung

Voraussetzung

Richter- oder Staatsanwaltsamt; Anmeldung über die Justizverwaltung des Bundeslandes

LL.M. (Master of Laws) an einer internationalen Universität

Renommierte internationale Law Schools (z. B. Cambridge, Oxford, Harvard, Yale, Sciences Po)

Nice-to-have

Ein LL.M. an einer renommierten internationalen Universität vertieft das Verständnis für Rechtsvergleichung und internationales Recht. Für Richter, die in internationalen Kammern (z. B. Handelskammern mit internationalen Sachverhalten) oder an europäischen Gerichten arbeiten möchten, ist der LL.M. ein wertvoller Zusatz. Die Justizverwaltungen fördern LL.M.-Programme teilweise durch Beurlaubung.

Kosten

20.000-80.000 Euro (je nach Universität und Land) — teilweise durch Stipendien finanzierbar (DAAD, Fulbright)

Dauer

1-2 Jahre (Vollzeit)

Voraussetzung

Befähigung zum Richteramt (in der Regel), TOEFL/IELTS für englischsprachige Programme, Motivationsschreiben und Referenzen

In Stellenanzeigen wird oft „PMP wünschenswert“ oder „Zertifizierung erforderlich“ formuliert — aber was davon ist wirklich Muss? Unser Stellenanzeigen-Decoder entschlüsselt die Anforderungen.

Zeugnisse & Referenzen: Was zählt

Wichtige Tätigkeitsnachweise im Zeugnis

Eigenständige Verhandlungsführung und Urteilsverkündung in Zivil-/Straf-/Verwaltungssachen mit Angabe der Fallzahlen
Vorsitz einer Kammer oder eines Senats mit Leitung der mündlichen Verhandlung
Verfassen von Leitsatzentscheidungen oder Grundsatzurteilen mit überregionaler Bedeutung
Abordnung an ein Obergericht, Bundesgericht oder Ministerium
Ausbildungsrichter für Referendare mit Angabe der Bewertungsergebnisse

Positive Formulierungen

"führte eigenständig ein Dezernat mit überdurchschnittlicher Fallbelastung und erzielte stets fristgerechte Erledigungen"
"verfasste Entscheidungen von hoher dogmatischer Qualität, die mehrfach in Fachzeitschriften besprochen wurden"
"wurde aufgrund überdurchschnittlicher Leistungen an das [Obergericht/Ministerium/Bundesgericht] abgeordnet"
"qualifizierte sich durch herausragende richterliche Leistungen für den Vorsitz der [Zivil-/Straf-/Familienkammer]"

Red-Flag-Formulierungen

"bearbeitete die zugewiesenen Fälle im Rahmen des Dezernats" — keine Eigeninitiative oder Qualitätsaussage
"bemühte sich um zügige Erledigung der Verfahren" — Zeugnis-Code für Rückstandsprobleme
"war in die Kammerarbeit eingebunden" — keine eigenständige richterliche Tätigkeit
"nahm an Fortbildungsveranstaltungen teil" — minimale Erwähnung ohne Lernfortschritt

Du überlegst den Quereinstieg ins Projektmanagement? Unser Guide Quereinstieg als Richter/in Stellen finden — direkt bei den Justizverwaltungen zeigt dir, welche Zertifizierungen für deinen Hintergrund am sinnvollsten sind.

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Häufige Fragen zu Richter/in Stellen finden — direkt bei den Justizverwaltungen-Zertifikaten

Was ist wichtiger für die Richterkarriere — Examensnoten oder Berufserfahrung?

Für die Ersteinstellung: eindeutig die Examensnoten. Ohne Prädikatsexamen (7,5-9+ Punkte je nach Bundesland) ist der Zugang zum Richteramt in den meisten Bundesländern versperrt. Nach der Einstellung: die richterliche Beurteilung. Für Beförderungen (R2+) zählen die dienstlichen Beurteilungen, die Qualität der Urteilsbegründungen und die Bewährung in verschiedenen Rechtsgebieten.

Lohnt sich eine Promotion für die Richterkarriere?

Ja, als Karrierebeschleuniger — besonders für Positionen an Obergerichten und Bundesgerichten. Die Promotion ersetzt aber kein Prädikatsexamen: Ohne gute Examensnoten nützt auch ein Dr. jur. nichts für die Einstellung. Die ideale Kombination: Prädikatsexamen + Promotion in einem relevanten Rechtsgebiet + Berufserfahrung.

Welche Fortbildungen bietet die Deutsche Richterakademie?

Über 100 Tagungen pro Jahr zu Themen wie: aktuelle BGH-Rechtsprechung, EU-Recht, Vernehmungstechnik, richterliche Verhandlungsführung, Medienrecht, Cybercrime, Familienrecht-Spezialthemen und richterliche Ethik. Die Tagungen finden in Trier und Wustrau (Brandenburg) statt und dauern 2-5 Tage. Die Teilnahme ist für Richter kostenfrei und wird als Dienstzeit angerechnet.

Hilft ein LL.M. bei der Richterbewerbung?

Ein LL.M. ist kein Einstellungskriterium und ersetzt keine Examensnoten. Er kann aber bei vergleichbaren Kandidaten den Ausschlag geben — besonders für Stellen mit internationalem Bezug (Europäische Gerichte, internationale Kammern an Landgerichten). Manche Justizverwaltungen fördern LL.M.-Programme durch Beurlaubung und werten sie als Fortbildung.

Wie wird man Bundesrichter?

Bundesrichter (BGH, BVerwG, BAG, BSG, BFH) werden vom Richterwahlausschuss gewählt — bestehend aus dem Bundesjustizminister, den 16 Landesjustizministern und 16 Bundestagsabgeordneten. Voraussetzung: mindestens 35 Jahre alt, Befähigung zum Richteramt, langjährige herausragende richterliche Tätigkeit. Die Auswahl ist hochpolitisch und erfolgt nach fachlicher Qualifikation, aber auch nach föderalem und politischem Proporz.

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