Quereinstieg

Quereinstieg als Rechtsanwaltsfachangestellte/r: So realistisch ist es

Rechtsanwaltsfachangestellte/r ist ein anerkannter Ausbildungsberuf (3 Jahre dual, IHK). Die Berufsbezeichnung ist geschützt, der Quereinstieg ohne Ausbildung formal nicht möglich. Allerdings bietet der Fachkräftemangel pragmatische Wege: Viele Kanzleien stellen „Kanzleiassistenzen" ohne ReFa-Ausbildung ein und qualifizieren diese berufsbegleitend. Die Umschulung (2 Jahre, Bildungsgutschein) ist der formale Weg. Für Quereinsteiger mit kaufmännischem Hintergrund ist die Externenprüfung (§ 45 Abs. 2 BBiG) nach 4,5 Jahren einschlägiger Berufserfahrung möglich.

Machbarkeit des Quereinstiegs

Machbar mit Aufwand

Anerkannter Ausbildungsberuf (3 Jahre, IHK) mit geschützter Bezeichnung. Der Fachkräftemangel öffnet Türen: Kanzleien stellen zunehmend Assistenzen ohne ReFa-Ausbildung ein. Umschulung (2 Jahre, Bildungsgutschein) und Externenprüfung (§ 45 BBiG bei 4,5 Jahren Kanzleierfahrung) sind die formalen Wege.

Klassischer Werdegang

Ausbildung / Studium

Duale Ausbildung zum/zur Rechtsanwaltsfachangestellten — 3 Jahre (IHK-Abschluss)

Typische Dauer

3 Jahre (Ausbildung) oder 2 Jahre (Umschulung)

Alternative Ausbildung

Umschulung über Bildungsträger (2 Jahre, IHK-Abschluss, AZAV-zertifiziert) oder Externenprüfung (§ 45 Abs. 2 BBiG) nach 4,5 Jahren einschlägiger Berufserfahrung in einer Kanzlei. Verkürzte Ausbildung (2–2,5 Jahre) bei höherem Schulabschluss oder verwandtem Vorberuf möglich.

Welche Zertifizierungen für den Einstieg ins Projektmanagement besonders wertvoll sind, erfährst du in unserer Übersicht der Rechtsanwaltsfachangestellte/r-Zertifikate.

Quereinstiegs-Pfade

Kauffrau/Kaufmann für Büromanagement

2 Jahre (Umschulung) oder sofortiger Einstieg als Kanzleiassistenz mit berufsbegleitender Qualifizierung

Was du mitbringst

  • Büroorganisation, Dokumentenmanagement und Korrespondenz
  • MS Office und digitale Arbeitsmittel
  • Telefonkommunikation und professioneller Schriftverkehr
  • Terminmanagement und Fristenkontrolle (in anderem Kontext)

Was dir fehlt

RVG-Abrechnung, juristische Fachterminologie, Fristenberechnung (ZPO), Zwangsvollstreckungsrecht, beA, Kanzleisoftware

So schließt du die Lücke

Du bringst die stärkste verwandte Vorbildung mit — Büroorganisation, Korrespondenz und Kundenumgang sind direkt übertragbar. Viele Kanzleien stellen Bürokaufleute als „Kanzleiassistenz" ein und finanzieren die berufsbegleitende Qualifizierung. Die Umschulung (2 Jahre) ist per Bildungsgutschein finanzierbar. Die juristische Fachsprache und RVG-Abrechnung lernst du in der Ausbildung.

Steuerfachangestellte/r

2 Jahre (Umschulung) oder 2–2,5 Jahre (verkürzte Ausbildung)

Was du mitbringst

  • Abrechnungskompetenz und Umgang mit Gebührenordnungen
  • Sorgfalt und Genauigkeit bei fristen- und prüfungsrelevanter Arbeit
  • DATEV-Kenntnisse (DATEV Anwalt ist verwandt)
  • Mandantenbetreuung und professionelle Kommunikation

Was dir fehlt

Juristische Fachbegriffe, RVG statt StBVV, Fristenberechnung (ZPO), Zwangsvollstreckung, beA

So schließt du die Lücke

Als Steuerfachangestellte/r hast du die Abrechnungslogik bereits verinnerlicht — RVG und StBVV unterscheiden sich, aber das Prinzip ist gleich. Kanzleien schätzen deinen DATEV-Hintergrund und deine Zahlenaffinität. Die Umschulung (2 Jahre) oder eine verkürzte Ausbildung ist der formale Weg.

Justizfachangestellte/r oder Verwaltungsfachangestellte/r

3–6 Monate Einarbeitung (bei direktem Wechsel) oder 2 Jahre (Umschulung für formalen Abschluss)

Was du mitbringst

  • Kenntnisse im Rechts- und Verwaltungswesen
  • Erfahrung mit Gerichtsverfahren und Aktenführung
  • Fristenmanagement und Schriftverkehr mit Behörden
  • Formale Schriftsprache und Dokumentenpräzision

Was dir fehlt

Kanzleiperspektive (Anwaltssicht statt Gerichtssicht), RVG-Abrechnung, Mandantenbetreuung, Kanzleisoftware

So schließt du die Lücke

Du kennst das Rechtssystem von der Gerichts- oder Behördenseite — der Wechsel auf die Kanzleiseite erfordert hauptsächlich den Perspektivenwechsel und die RVG-Abrechnung. Manche Kanzleien stellen Justizfachangestellte direkt ein und schulen die kanzleispezifischen Inhalte intern.

Du fragst dich, ob du die Anforderungen in Stellenanzeigen erfüllst? Unser Guide Rechtsanwaltsfachangestellte/r-Stellenanzeigen richtig lesen zeigt dir, welche Anforderungen wirklich zählen — und welche Wunschliste sind.

"Vergleichbare Qualifikation" — was heißt das?

In Stellenanzeigen mit „Ausbildung als ReFa oder vergleichbare Qualifikation" ist angesichts des Fachkräftemangels zunehmend Spielraum. Kanzleien akzeptieren verwandte kaufmännische Ausbildungen, wenn die Kandidaten juristische Grundkenntnisse mitbringen oder bereit sind, sich einzuarbeiten.

Kauffrau für Büromanagement mit 2+ Jahren Kanzleierfahrung = bei vielen Kanzleien als Kanzleiassistenz akzeptiert
Justizfachangestellte/r = sehr nah am ReFa-Profil, bei den meisten Kanzleien als gleichwertig angesehen
Steuerfachangestellte/r mit Kanzleierfahrung = für die Abrechnungstätigkeiten direkt einsetzbar

Du bist unsicher, ob deine Qualifikationen ausreichen? Der Talent Report analysiert dein Profil und zeigt, wo du als Quereinsteiger stehst.

Häufige Fragen zum Quereinstieg als Rechtsanwaltsfachangestellte/r

Kann ich ohne ReFa-Ausbildung in einer Kanzlei arbeiten?

Ja — als „Kanzleiassistenz" oder „Office-Managerin" in einer Kanzlei. Die Berufsbezeichnung „Rechtsanwaltsfachangestellte/r" darfst du ohne Ausbildung nicht führen, aber viele Kanzleien stellen Bürokaufleute oder Quereinsteiger für organisatorische Aufgaben ein. Die fachspezifischen Tätigkeiten (Fristenberechnung, RVG-Abrechnung) werden intern geschult oder über eine berufsbegleitende Qualifizierung erworben.

Wird die ReFa-Umschulung von der Arbeitsagentur gefördert?

Ja — die Umschulung zum/zur Rechtsanwaltsfachangestellten ist eine AZAV-zertifizierte Maßnahme und wird per Bildungsgutschein finanziert. Angesichts des massiven Fachkräftemangels bewilligen die Arbeitsagenturen diese Umschulung überdurchschnittlich häufig. Die Umschulung dauert 2 Jahre und schließt mit der IHK-Prüfung ab.

Wie funktioniert die Externenprüfung für ReFa?

Die Externenprüfung (§ 45 Abs. 2 BBiG) ermöglicht die IHK-Prüfung ohne formale Ausbildung — Voraussetzung sind mindestens 4,5 Jahre einschlägige Berufserfahrung in einer Kanzlei. Du meldest dich bei der zuständigen Rechtsanwaltskammer an und legst die reguläre Abschlussprüfung ab. Vorbereitungskurse werden von Bildungsträgern angeboten.

Lohnt sich der Wechsel von der Steuerberatung in die Kanzlei?

Kommt auf die Kanzlei an. Großkanzleien zahlen oft besser als Steuerbüros und bieten interessantere Aufgaben. Einzelkanzleien zahlen ähnlich wie kleine Steuerbüros. Dein DATEV-Hintergrund und deine Abrechnungskompetenz sind in Kanzleien geschätzt. Der Wechsel ist fachlich überschaubar — die juristische Terminologie und RVG-Abrechnung lernst du schnell.

Gibt es Chancen als Quereinsteiger über 35?

Ja — der Fachkräftemangel macht Kanzleien deutlich offener für Quereinsteiger. Lebenserfahrung, Organisationstalent und professionelle Kommunikation sind im Kanzleialltag sehr wertvoll. Die Umschulung ist altersunabhängig möglich und wird per Bildungsgutschein gefördert. Viele Umschulungskurse richten sich explizit an Erwachsene.

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