Quereinstieg

Quereinstieg als Laborant: So realistisch ist es

Der Quereinstieg als Laborant:in erfordert eine formale Ausbildung — ohne Laborausbildung ist eigenständiges Arbeiten im Labor nicht möglich, da Sicherheitsvorschriften und Qualitätsstandards (GLP, GMP) fundierte Kenntnisse verlangen. Die duale Ausbildung dauert 3,5 Jahre (IHK). Quereinsteiger aus verwandten Berufen (CTA, PTA, MTLA) können verkürzen oder über die Externenprüfung einsteigen. Für branchenfremde Quereinsteiger ist die IHK-Umschulung (2 Jahre) der realistischste Weg.

Machbarkeit des Quereinstiegs

Machbar mit Aufwand

Ohne Laborausbildung ist eigenständiges Arbeiten im Labor nicht möglich. Quereinsteiger aus CTA, PTA oder MTLA können verkürzen. Für Branchenfremde: IHK-Umschulung (2 Jahre) per Bildungsgutschein. Der Fachkräftemangel erhöht die Bereitschaft, Quereinsteiger zu qualifizieren.

Klassischer Werdegang

Ausbildung / Studium

Duale Ausbildung zum Chemielaborant:in, Biologielaborant:in, Lacklaborant:in oder Physiklaborant:in (IHK)

Typische Dauer

3,5 Jahre (Verkürzung auf 2,5–3 Jahre bei Abitur, Studienabbruch oder verwandter Vorbildung möglich)

Alternative Ausbildung

IHK-Umschulung (ca. 2 Jahre), gefördert per Bildungsgutschein. IHK-Externenprüfung bei nachgewiesener Berufserfahrung (mindestens 5,25 Jahre im Laborbereich). Schulische Ausbildung als Chemisch-technische:r Assistent:in (CTA) — 2 Jahre Vollzeit, kein IHK-Abschluss, aber branchenweit anerkannt.

Welche Zertifizierungen für den Einstieg ins Projektmanagement besonders wertvoll sind, erfährst du in unserer Übersicht der Laborant-Zertifikate.

Quereinstiegs-Pfade

Chemisch-technische:r Assistent:in (CTA) oder Pharmazeutisch-technische:r Assistent:in (PTA)

6–18 Monate

Was du mitbringst

  • Laborpraxis: Grundlegende Analysetechniken, Pipettieren, Wiegen, Probenvorbereitung
  • Chemie-/Pharmazie-Grundwissen
  • Dokumentationsdisziplin und Sicherheitsbewusstsein
  • Erfahrung mit Laborgeräten

Was dir fehlt

Vertiefte instrumentelle Analytik (HPLC, GC-MS, ICP), eigenständige Methodenentwicklung, GLP/GMP auf Industrieniveau, LIMS-Systeme

So schließt du die Lücke

Direkter Einstieg als Laborant:in bei Chemie-/Pharmaunternehmen — CTA und PTA werden häufig als Laborant:innen eingestellt. Alternativ: Verkürzte IHK-Ausbildung (Anrechnung der CTA/PTA-Ausbildung). Die Externenprüfung bei der IHK ist mit 1,5+ Jahren Laborerfahrung möglich.

Studienabbrecher:in Chemie, Biologie, Pharmazie oder Lebensmitteltechnologie

2–2,5 Jahre

Was du mitbringst

  • Theoretisches Naturwissenschafts-Wissen
  • Laborerfahrung aus Praktika und Übungen
  • Wissenschaftliche Arbeitsweise und Dokumentation
  • Grundkenntnisse in instrumenteller Analytik

Was dir fehlt

Praxisvertiefung in industriellen Analysemethoden, GLP/GMP-konformes Arbeiten, Routinelaborarbeit, IHK-Abschluss als formale Qualifikation

So schließt du die Lücke

Verkürzte IHK-Ausbildung (2–2,5 Jahre, Anrechnung von Studienleistungen). Viele Chemie- und Pharmaunternehmen bilden gezielt Studienabbrecher als Laborant:innen aus. Alternativ: Externenprüfung bei der IHK nach ausreichender Laborpraxis.

Medizinisch-technische Laborassistenz (MTLA / MTL)

6–18 Monate

Was du mitbringst

  • Umfangreiche Laborpraxis in Hämatologie, klinischer Chemie, Mikrobiologie
  • Qualitätssicherung und Dokumentation nach medizinischen Standards
  • Gerätekompetenz (Analysatoren, Mikroskope)
  • Sorgfalt und Verantwortungsbewusstsein

Was dir fehlt

Industrielle Analysemethoden (HPLC, GC statt klinischer Analysatoren), chemisches Fachwissen, GLP/GMP statt RiliBÄK, LIMS statt KIS

So schließt du die Lücke

Direkter Wechsel in Pharma-/Chemielabore — MTLA-Erfahrung wird in der Qualitätskontrolle geschätzt. Die Umstellung auf industrielle Methoden erfolgt on-the-job. Für den formalen IHK-Abschluss: Externenprüfung nach 1–2 Jahren Industriepraxis.

Branchenfremde Quereinsteiger mit naturwissenschaftlichem Interesse

2–3 Jahre

Was du mitbringst

  • Naturwissenschaftliches Grundinteresse
  • Sorgfältige und strukturierte Arbeitsweise
  • PC-Grundkenntnisse
  • Bereitschaft zur praktischen Laborarbeit

Was dir fehlt

Gesamtes Fachwissen: Chemie-/Biologie-Grundlagen, Analysemethoden, Gerätekompetenz, GLP/GMP, Sicherheitsvorschriften im Labor

So schließt du die Lücke

IHK-Umschulung zum Chemielaborant:in oder Biologielaborant:in (2 Jahre Vollzeit, per Bildungsgutschein förderfähig). Einstieg als Laborhilfskraft zum Reinschnuppern empfohlen, bevor die Umschulung beginnt. Bildungsträger wie DAA, WBS und bfz bieten Umschulungen in Laborberufen an.

Du fragst dich, ob du die Anforderungen in Stellenanzeigen erfüllst? Unser Guide Laborant-Stellenanzeigen richtig lesen zeigt dir, welche Anforderungen wirklich zählen — und welche Wunschliste sind.

"Vergleichbare Qualifikation" — was heißt das?

In Laborant-Stellenanzeigen steht oft „abgeschlossene Ausbildung als Chemielaborant oder vergleichbar". Vergleichbar bedeutet: CTA, PTA, MTLA oder ein naturwissenschaftliches Studium (auch abgebrochen) mit Laborpraxis. Ohne jede naturwissenschaftliche Vorbildung ist der Quereinstieg nur über eine formale Ausbildung möglich.

CTA (Chemisch-technische Assistenz) + 2 Jahre Industrielabor-Erfahrung = akzeptiert als vollwertiger Laborant bei den meisten Arbeitgebern
Studienabbrecher Chemie mit 4+ Semestern + Laborpraktika = verkürzte Ausbildung oder Direkteinstieg als Junior-Laborant
MTLA + 1 Jahr Erfahrung im Pharma-Labor = akzeptiert für Qualitätskontrolle, Externenprüfung empfohlen

Du bist unsicher, ob deine Qualifikationen ausreichen? Der Talent Report analysiert dein Profil und zeigt, wo du als Quereinsteiger stehst.

Häufige Fragen zum Quereinstieg als Laborant

Kann ich ohne Ausbildung im Labor arbeiten?

Als Laborhilfskraft ja — aber nur für einfache Hilfstätigkeiten (Spülen, Probenvorbereitung). Eigenständige Analytik und GLP/GMP-konforme Arbeit erfordern eine formale Qualifikation. Viele Unternehmen stellen Hilfskräfte ein und unterstützen dann die Umschulung. Ohne Qualifikation sind die Karrieremöglichkeiten stark begrenzt.

Wie lange dauert die Umschulung zum Chemielaborant?

Die IHK-Umschulung dauert 2 Jahre in Vollzeit bei einem Bildungsträger, inklusive Praktikumsphasen in einem Industrielabor. Sie wird per Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit gefördert. Für CTA oder Studienabbrecher ist eine verkürzte Ausbildung (2–2,5 Jahre dual) der bessere Weg.

Ist der Wechsel von CTA zum Chemielaborant sinnvoll?

In der Praxis werden CTA und Chemielaborant:innen oft gleichwertig eingesetzt und bezahlt. Der IHK-Abschluss hat aber formale Vorteile: bessere Anrechnung bei Weiterbildungen (Industriemeister Chemie, Techniker) und höhere Anerkennung bei einigen Arbeitgebern. Die Externenprüfung bei der IHK ist mit Laborerfahrung machbar.

Welche Laborberufe sind am gefragtesten?

Chemielaborant:innen sind am breitesten einsetzbar und am häufigsten gesucht. Biologielaborant:innen profitieren vom Biotechnologie-Boom. Lacklaborant:innen haben eine Nische in der Lack- und Farbenindustrie. Alle drei sind Engpassberufe mit guter Arbeitsmarktlage.

Wer finanziert die Umschulung zum Laborant?

Die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter fördern Umschulungen per Bildungsgutschein. Die Kosten (8.000–15.000 EUR für den Bildungsträger) werden vollständig übernommen, dazu kommt Arbeitslosengeld oder Umschulungsgeld. Auch der Qualifizierungschancengesetz-Weg (für Beschäftigte) ermöglicht Förderung.

Weitere Themen für Laborant

Elinora zeigt dir Laborant-Stellen, die auch CTA, PTA und Quereinsteiger suchen

Der Talent Report analysiert deine Stärken, Erfahrungen und Qualifikationen und zeigt dir, wie du als Quereinsteiger überzeugst.

  • Stärken-Analyse: Was du aus deinem bisherigen Werdegang mitbringst
  • Gap-Analyse: Welche Lücken du noch schließen solltest
  • Konkrete Empfehlungen für Zertifikate und nächste Schritte

Kostenlos starten · Ergebnis in 5 Minuten