Zertifikate & Qualifikationen

Fluglotse-Zertifikate: Welche wirklich zählen

Die Fluglotsen-Qualifikation ist streng reguliert: Die ATCO-Lizenz nach EU-VO 2015/340 ist der einzige anerkannte Nachweis. Darüber hinaus gibt es Sprachzertifikate und Funklizenzen, die deine Bewerbungschancen verbessern. Hier erfährst du, welche Zertifikate relevant sind und wie du sie erwirbst.

Zertifizierungen im Überblick

ATCO-Lizenz (Air Traffic Controller License) nach EU-VO 2015/340

DFS Deutsche Flugsicherung (über Luftfahrt-Bundesamt LBA)

Türöffner

Die ATCO-Lizenz ist die EU-weit anerkannte Berechtigung zur Ausübung der Flugsicherung. Sie enthält das Rating (Tower, Approach, Area Control), das Unit Endorsement (Standort) und den Language Proficiency Endorsement (Sprachkompetenz). Ohne ATCO-Lizenz darf niemand Flugverkehr leiten. Die Lizenz wird nach erfolgreicher DFS-Ausbildung vom LBA ausgestellt.

Kosten

Kostenlos (die DFS-Ausbildung ist bezahlt, die Lizenzierung erfolgt durch den Arbeitgeber)

Dauer

3 Jahre DFS-Ausbildung (Theorie in Langen + Praxis am Einsatzstandort)

Voraussetzung

Bestandener DLR-Aufnahmetest, Abitur oder Fachhochschulreife, Altersgrenze 24, EASA Medical Class 3, EU-Staatsbürgerschaft

ICAO English Proficiency Level 4+ (Language Proficiency Endorsement)

DFS (im Rahmen der Ausbildung und regelmäßiger Prüfung) / EASA-zugelassene Prüfer

Türöffner

ICAO English Level 4 (Operational) ist das Minimum für alle Fluglotsen weltweit. Ohne den Language Proficiency Endorsement in der ATCO-Lizenz darf kein Lotse arbeiten. Level 4 muss alle 3 Jahre erneuert werden. Level 5 alle 6 Jahre. Level 6 (Expert) gilt unbefristet. Der Test wird von der DFS organisiert.

Kosten

Kostenlos (im Arbeitsverhältnis vom Arbeitgeber finanziert)

Dauer

Prüfung: ca. 30 Minuten (Interview + Sprachtest). Vorbereitung: individuell

Voraussetzung

Fließendes Englisch mit Fokus auf Luftfahrt-Terminologie und Flugfunk-Phraseologie

EASA Medical Class 3 (Flugtauglichkeitszeugnis für Fluglotsen)

Fliegerärztliche Untersuchungsstellen (AME — Aeromedical Examiner), Flugmedizinische Zentren

Türöffner

Die EASA Medical Class 3 ist spezifisch für Fluglotsen und strenger als die normale Arbeitsmedizin. Sie prüft: Sehfähigkeit (korrigiert auf 6/9), Farbsehen (Ishihara-Test), Hörvermögen, kardiovaskuläre Fitness (EKG), psychische Gesundheit. Ohne Medical kein Arbeitsbeginn. Die Erstuntersuchung wird im Auswahlverfahren durchgeführt.

Kosten

Ca. 300–500 EUR (Erstuntersuchung). Wird vom Arbeitgeber übernommen

Dauer

Untersuchung: ca. 3–4 Stunden. Ergebnis: innerhalb weniger Tage

Voraussetzung

Keine formalen, aber: Farbsehstörungen, bestimmte Herzerkrankungen oder psychische Diagnosen können zum Ausschluss führen

Sicherheitsüberprüfung SÜ2 (erweitert)

Bundesministerium des Innern / Verfassungsschutz (über DFS beantragt)

Türöffner

Flugsicherung ist kritische Infrastruktur. Die erweiterte Sicherheitsüberprüfung (SÜ2) nach dem Sicherheitsüberprüfungsgesetz (SÜG) ist Pflicht für alle DFS-Mitarbeiter. Sie umfasst Überprüfung durch Verfassungsschutz, Bundeszentralregister, Bundeskriminalamt und ggf. Auslandsaufenthalte. Ohne bestandene SÜ2 keine Einstellung.

Kosten

Kostenlos (vom Arbeitgeber beantragt)

Dauer

4–12 Wochen Bearbeitungszeit

Voraussetzung

EU-Staatsbürgerschaft, sauberes Führungszeugnis, keine sicherheitsrelevanten Erkenntnisse

BZF / AZF (Beschränktes / Allgemeines Sprechfunkzeugnis)

Bundesnetzagentur (Prüfung), Flugschulen (Vorbereitung)

Klarer Vorteil

Das BZF (Sprechfunk auf Englisch) und AZF (Sprechfunk auf Deutsch und Englisch) sind die Funklizenzen für den Flugfunk. Für die Fluglotsen-Ausbildung nicht zwingend vorausgesetzt (wird im Training erworben), aber ein BZF oder AZF vor der Bewerbung zeigt Engagement und Vorkenntnisse in Flugfunk-Phraseologie. Besonders das AZF ist ein echtes Plus.

Kosten

BZF: ca. 100–200 EUR (Prüfung) + Kursgebühr 200–500 EUR. AZF: ca. 150–250 EUR (Prüfung) + Kurs

Dauer

Vorbereitung: 2–8 Wochen (Selbststudium oder Kurs). Prüfung: 1 Tag

Voraussetzung

Keine formalen Voraussetzungen, aber Englischkenntnisse auf B2+ empfohlen

In Stellenanzeigen wird oft „PMP wünschenswert“ oder „Zertifizierung erforderlich“ formuliert — aber was davon ist wirklich Muss? Unser Stellenanzeigen-Decoder entschlüsselt die Anforderungen.

Zeugnisse & Referenzen: Was zählt

Wichtige Tätigkeitsnachweise im Zeugnis

Flugsicherung im Tower- und/oder Radar-Betrieb mit Angabe des Standorts und der Verkehrsdichte
Erteilung von Start-/Landefreigaben, Radarführung und Staffelung mit Angabe der durchschnittlichen Flugbewegungen/Stunde
Notfallmanagement: Mayday/Pan-Pan-Situationen, Wetter-Umroutungen, Militärverkehr
Einsatz als On-the-Job-Training Instructor (OJTI) für auszubildende Lotsen
Mitwirkung an Verfahrensoptimierung, Sektordesign oder Systemtests

Positive Formulierungen

"leitete eigenverantwortlich den Flugverkehr im Sektor X mit durchschnittlich Y Flugbewegungen pro Stunde sicher und effizient"
"wurde als On-the-Job-Training Instructor eingesetzt und bildete Z Fluglotsen-Anwärter erfolgreich aus"
"bewältigte eigenständig mehrere Notfallsituationen (Mayday, medizinische Notfälle) mit professioneller Ruhe und korrektem Verfahren"
"trug durch Verfahrensvorschläge zur Kapazitätssteigerung des Sektors um X % bei"

Red-Flag-Formulierungen

"war als Fluglotse im Schichtbetrieb eingesetzt" — keine Angabe zum Sektor, Verkehrsdichte oder Verantwortungsbereich
"hielt die vorgeschriebenen Staffelungsminima ein" — Selbstverständlichkeit, kein Leistungsnachweis
"die Zusammenarbeit mit den Nachbarsektoren verlief überwiegend zufriedenstellend" — Code für Koordinationsprobleme
"wurde regelmäßig zu Auffrischungsschulungen eingeladen" — kann bedeuten, dass Defizite identifiziert wurden

Du überlegst den Quereinstieg ins Projektmanagement? Unser Guide Quereinstieg als Fluglotse zeigt dir, welche Zertifizierungen für deinen Hintergrund am sinnvollsten sind.

Du hast bereits Zertifizierungen und Erfahrung? Der Talent Report analysiert, wie deine Qualifikationen bei Arbeitgebern ankommen — und wo du noch nachlegen kannst.

Häufige Fragen zu Fluglotse-Zertifikaten

Welche Zertifikate brauche ich vor der DFS-Bewerbung?

Keine Pflicht-Zertifikate — die DFS bildet komplett aus. Freiwillige Pluspunkte: BZF oder AZF (Sprechfunkzeugnis, zeigt Interesse an Luftfahrt), Englisch-Zertifikat C1+ (Cambridge, IELTS), Segelfluglizenz oder PPL. Diese zeigen Eigeninitiative und Affinität zur Luftfahrt, sind aber keine Bewerbungsvoraussetzung.

Ist die ATCO-Lizenz in der ganzen EU gültig?

Ja — die ATCO-Lizenz ist EU-weit nach EU-VO 2015/340 anerkannt. Du kannst theoretisch in jedem EASA-Staat arbeiten. Allerdings brauchst du an jedem neuen Standort ein Unit Endorsement (standortspezifische Ausbildung, 6–12 Monate). Ein Wechsel ist also möglich, aber nicht von heute auf morgen.

Wie oft muss ich die medizinische Tauglichkeit nachweisen?

Unter 40 Jahre: jährlich. Ab 40 Jahre: alle 6 Monate. Die Untersuchung wird vom Arbeitgeber organisiert und bezahlt. Wenn du die Tauglichkeit verlierst (z.B. durch eine Sehverschlechterung oder kardiovaskuläre Probleme), kannst du deinen Beruf nicht mehr ausüben. Fluglotsen können in diesem Fall bei der DFS in Bodenpositionen wechseln.

Was bringt das AZF/BZF für die DFS-Bewerbung?

Das BZF (Sprechfunk Englisch) oder AZF (Allgemeines Sprechfunkzeugnis) zeigt, dass du dich aktiv mit Flugfunk und Luftfahrt beschäftigt hast. Es ist kein Auswahlkriterium, aber ein klares Signal für Motivation und Vorkenntnisse. Besonders das AZF (deutsch + englisch, anspruchsvoller) wird positiv gewertet.

Kann ich die ICAO English Prüfung extern ablegen?

Ja — EASA-zugelassene Prüfer bieten ICAO English Proficiency Tests an (z.B. TEA, ELPAC). Das Ergebnis wird in der ATCO-Lizenz eingetragen. Für die DFS-Bewerbung ist das nicht nötig (Englisch wird im Auswahlverfahren getestet), aber nach der Ausbildung ist der regelmäßige Language Proficiency Test Pflicht.

Weitere Themen für Fluglotse

Elinora zeigt dir, welche Qualifikationen für Fluglotsen-Karrieren entscheidend sind

Der Talent Report analysiert deine vorhandenen Qualifikationen und zeigt dir, wie du sie optimal für Fluglotse-Bewerbungen einsetzt.

  • Qualifikations-Check: Welche deiner Zertifikate und Erfahrungen zählen
  • Lücken-Analyse: Was du noch ergänzen könntest
  • Formulierungshilfen für Lebenslauf und Anschreiben

Kostenlos starten · Ergebnis in 5 Minuten