Zertifizierungen im Überblick
IHK-Abschlussprüfung Fachinformatiker (Systemintegration / Anwendungsentwicklung)
Industrie- und Handelskammer (IHK)
Der IHK-Abschluss ist die Grundqualifikation und im öffentlichen Dienst sowie bei tarifgebundenen Unternehmen oft Voraussetzung für die korrekte Eingruppierung. Ohne IHK-Abschluss fehlt der formale Nachweis, auch wenn die Kompetenz vorhanden ist. Besonders wichtig für Bewerbungen bei Behörden, Stadtwerken und Großkonzernen.
Prüfungsgebühr: ca. 200–300 EUR (in der Ausbildung vom Betrieb getragen)
3 Jahre Ausbildung (oder 2 Jahre Umschulung)
Ausbildungsvertrag oder Zulassung zur Externenprüfung (4,5 Jahre Berufserfahrung)
LPIC-1 (Linux Professional Institute Certification Level 1)
Linux Professional Institute (LPI)
Die anerkannte Einstiegszertifizierung für Linux-Administration. Herstellerunabhängig und international gültig. Für Fachinformatiker, die in Richtung Server-Administration, Cloud oder DevOps gehen wollen, ein starker Karrierehebel — Linux-Kenntnisse werden zunehmend vorausgesetzt.
ca. 200 EUR pro Prüfung (2 Prüfungen: 101 + 102) = ca. 400 EUR gesamt
2–3 Monate Vorbereitung im Selbststudium
Keine formale Voraussetzung. Linux-Grundkenntnisse empfohlen.
Cisco Certified Network Associate (CCNA)
Cisco
Der Goldstandard für Netzwerktechnik. Die CCNA-Zertifizierung deckt Routing, Switching, Wireless, Security und Automation ab. Für Fachinformatiker Systemintegration mit Netzwerk-Schwerpunkt ein erheblicher Karrierevorteil und Gehaltstreiber. In Systemhäusern und bei ISPs oft gewünscht.
ca. 330 EUR (Prüfungsgebühr) + optionaler Kurs 1.500–3.000 EUR
3–6 Monate Vorbereitung
Keine formale Voraussetzung. Empfohlen: 1 Jahr Netzwerkerfahrung.
ITIL 4 Foundation
Axelos / PeopleCert
IT-Service-Management nach ITIL ist in Großunternehmen und im öffentlichen Sektor Standard. Die Foundation-Zertifizierung zeigt Verständnis für strukturierte IT-Prozesse (Incident, Problem, Change Management). Besonders wertvoll für Fachinformatiker in internen IT-Abteilungen und Servicedesks.
ca. 380–500 EUR (Prüfung + Kurs)
1–2 Wochen (Intensivkurs) oder 4 Wochen berufsbegleitend
Keine.
Microsoft Certified: Azure Fundamentals (AZ-900)
Microsoft
Der Einstieg in die Microsoft-Cloud-Welt. Zeigt Grundverständnis von Cloud-Konzepten, Azure-Services und Preismodellen. Für Fachinformatiker, die in Richtung Cloud-Administration gehen wollen, ein guter erster Schritt. Microsoft Learn-Inhalte sind kostenlos verfügbar.
ca. 165 EUR (Prüfungsgebühr). Lernmaterial über Microsoft Learn kostenlos.
2–4 Wochen Vorbereitung
Keine. IT-Grundkenntnisse hilfreich.
CompTIA A+
CompTIA
Internationale Einstiegszertifizierung für IT-Support und Hardware/Software-Troubleshooting. In Deutschland weniger verbreitet als im angelsächsischen Raum, aber bei internationalen Arbeitgebern anerkannt. Für Fachinformatiker mit IHK-Abschluss eher ein Zusatz als eine Notwendigkeit — der IHK-Abschluss deckt den gleichen Bereich ab.
ca. 250 EUR pro Prüfung (2 Prüfungen: Core 1 + Core 2) = ca. 500 EUR gesamt
1–2 Monate Vorbereitung
Keine. Empfohlen: 9–12 Monate IT-Praxiserfahrung.
In Stellenanzeigen wird oft „PMP wünschenswert“ oder „Zertifizierung erforderlich“ formuliert — aber was davon ist wirklich Muss? Unser Stellenanzeigen-Decoder entschlüsselt die Anforderungen.
Zeugnisse & Referenzen: Was zählt
Wichtige Tätigkeitsnachweise im Zeugnis
Positive Formulierungen
Red-Flag-Formulierungen
Du überlegst den Quereinstieg ins Projektmanagement? Unser Guide Quereinstieg als Fachinformatiker zeigt dir, welche Zertifizierungen für deinen Hintergrund am sinnvollsten sind.
Du hast bereits Zertifizierungen und Erfahrung? Der Talent Report analysiert, wie deine Qualifikationen bei Arbeitgebern ankommen — und wo du noch nachlegen kannst.
Häufige Fragen zu Fachinformatiker-Zertifikaten
Welche Zertifizierung sollte ich als Fachinformatiker zuerst machen?
Hängt von deiner Fachrichtung ab. Systemintegration: CCNA (Netzwerk) oder LPIC-1 (Linux). Anwendungsentwicklung: Azure Fundamentals (Cloud) oder eine sprachspezifische Zertifizierung (Oracle Java, Microsoft C#). Fachrichtungsübergreifend: ITIL Foundation ist immer ein solider Einstieg in strukturiertes IT-Service-Management.
Wie viel verdient man mit Zertifizierungen mehr als ohne?
Im Durchschnitt 5.000–10.000 EUR/Jahr mehr. Eine CCNA-Zertifizierung allein kann den Gehaltsunterschied bei Netzwerk-Stellen ausmachen. Cloud-Zertifizierungen (AWS, Azure) treiben das Gehalt besonders stark. Wichtig: Zertifizierungen allein reichen nicht — sie müssen mit Praxiserfahrung kombiniert werden, um den Gehaltseffekt voll zu entfalten.
Übernehmen Arbeitgeber die Kosten für IT-Zertifizierungen?
Häufig ja — besonders Systemhäuser, Beratungen und größere IT-Abteilungen haben Weiterbildungsbudgets. Frage im Bewerbungsgespräch konkret nach dem jährlichen Zertifizierungsbudget. Manche Arbeitgeber binden die Kostenübernahme an eine Rückzahlungsklausel (bei Kündigung innerhalb von 1–2 Jahren).
Sind Microsoft-Zertifizierungen oder Herstellerunabhängige besser?
Beides hat seinen Platz. Herstellerunabhängige Zertifizierungen (CompTIA, LPIC, ITIL) zeigen breites Grundwissen. Herstellerzertifizierungen (Microsoft, Cisco, AWS) zeigen Tiefe in einem spezifischen Ökosystem. Für die Karriere empfiehlt sich: erst eine herstellerunabhängige Basis (z. B. CompTIA, LPIC), dann Spezialisierung im Tool des Arbeitgebers.
Welche IHK-Weiterbildung gibt es nach dem Fachinformatiker?
Die IHK bietet den "Operative Professional" (IT-Projektleiter, IT-Berater, IT-Administrator) als Aufstiegsfortbildung an — vergleichbar mit dem Meistertitel im Handwerk. Dauer: ca. 2 Jahre berufsbegleitend. Voraussetzung: IHK-Abschluss + Berufserfahrung. Der Operative Professional qualifiziert für Führungspositionen und kann BAföG-gefördert werden (Aufstiegs-BAföG).
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