Zertifizierungen im Überblick
Staatlich geprüfter Dolmetscher
Prüfungsämter der Bundesländer (Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Sachsen u.a.)
Die staatliche Prüfung ist in vielen Bundesländern Voraussetzung für die Beeidigung als Gerichtsdolmetscher und gilt als anerkannter Qualifikationsnachweis. Sie bescheinigt Dolmetschkompetenz auf professionellem Niveau und ist der wichtigste Nachweis für Dolmetscher ohne Hochschulstudium.
Prüfungsgebühren: ca. 200–400 Euro; Vorbereitungskurse: 1.000–5.000 Euro
Prüfungsvorbereitung: 6–18 Monate (berufsbegleitend); Prüfung selbst: 2–3 Tage
Je nach Bundesland: Nachweis der Sprachkompetenz (Muttersprache oder C1/C2), teilweise Mindestalter 21 Jahre, keine einschlägige Vorstrafe
AIIC-Mitgliedschaft (Association Internationale des Interprètes de Conférence)
AIIC (internationaler Verband)
Die AIIC ist der weltweit angesehenste Berufsverband für Konferenzdolmetscher. Die Mitgliedschaft ist der Goldstandard der Branche und wird von EU-Institutionen, UN und internationalen Organisationen als Qualitätssiegel anerkannt. AIIC-Mitglieder haben Zugang zu den bestbezahlten Konferenzaufträgen weltweit.
Mitgliedsbeitrag: ca. 300–500 Euro/Jahr
Aufnahmeverfahren: mehrere Monate (Bürgschaften, Nachweis der Einsatztage)
Mindestens 150 Einsatztage als Konferenzdolmetscher, Bürgschaften von 3 aktiven AIIC-Mitgliedern, anerkannter Ausbildungsnachweis
BDÜ-Mitgliedschaft (Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer)
BDÜ e.V. (über Landesverbände)
Der BDÜ ist der größte deutsche Berufsverband für Dolmetscher und Übersetzer. Die Mitgliedschaft setzt einen qualifizierten Abschluss voraus und signalisiert Professionalität. Das BDÜ-Mitgliederverzeichnis ist eine wichtige Auftragsquelle, und viele Auftraggeber buchen bevorzugt BDÜ-Mitglieder.
Mitgliedsbeitrag: ca. 200–400 Euro/Jahr (je nach Landesverband und Einkommen)
Aufnahme nach Prüfung der Qualifikation (wenige Wochen)
Abgeschlossenes Dolmetscher-/Übersetzerstudium oder bestandene staatliche Prüfung oder gleichwertige Qualifikation
Fortbildungszertifikat Gerichtsdolmetschen (BDÜ/LG)
BDÜ-Landesverbände, Landgerichte (begleitende Fortbildungen)
Gerichtsdolmetschen erfordert Spezialwissen in Strafprozessordnung, Zivilprozessordnung, Vernehmungstechnik und Rechtssprache. Fortbildungszertifikate von BDÜ oder gerichtsnahen Anbietern zeigen, dass du die besonderen Anforderungen des Gerichtsdolmetschens kennst und dich regelmäßig weiterbildest.
ca. 200–600 Euro pro Seminar
1–3 Tage pro Seminar
Allgemeine Beeidigung oder laufendes Beidigungsverfahren empfohlen, aber nicht Pflicht
SDL Trados / memoQ Zertifizierung (Dolmetsch-Terminologiemanagement)
RWS (Trados), memoQ GmbH
Terminologiemanagement-Software wird von Dolmetschern zur Vorbereitung auf Einsätze genutzt (Glossarerstellung, Fachterminologie). Eine Zertifizierung in Trados oder memoQ zeigt professionellen Umgang mit Terminologie, ist aber für reine Dolmetscher weniger relevant als für Übersetzer.
Trados Freelance-Lizenz: ca. 350–700 Euro; memoQ Translator Pro: ca. 620 Euro; Zertifizierungskurse: 200–500 Euro
Zertifizierungskurs: 1–3 Tage; Selbststudium: ca. 20–40 Stunden
Keine formalen Voraussetzungen, Grundkenntnisse in Terminologiearbeit empfohlen
RSI-Plattform-Zertifizierung (KUDO, Interprefy)
KUDO, Interprefy, Zoom (SI-Modul)
Remote-Simultandolmetschen (RSI) hat sich als fester Bestandteil des Berufs etabliert. Die Plattformen bieten Onboarding-Programme und Zertifikate, die dich für ihren Dolmetscherpool qualifizieren. Die Zertifizierung ist kostenlos und kann Aufträge über die Plattform generieren.
Kostenlos (Onboarding durch die Plattformen)
Onboarding: 2–4 Stunden; Testdolmetschen: 1–2 Stunden
Professionelle Dolmetschausbildung, technische Ausstattung (Mikrofon, stabile Internetverbindung, Backup-Leitung)
In Stellenanzeigen wird oft „PMP wünschenswert“ oder „Zertifizierung erforderlich“ formuliert — aber was davon ist wirklich Muss? Unser Stellenanzeigen-Decoder entschlüsselt die Anforderungen.
Zeugnisse & Referenzen: Was zählt
Wichtige Tätigkeitsnachweise im Zeugnis
Positive Formulierungen
Red-Flag-Formulierungen
Du überlegst den Quereinstieg ins Projektmanagement? Unser Guide Quereinstieg als Dolmetscher zeigt dir, welche Zertifizierungen für deinen Hintergrund am sinnvollsten sind.
Du hast bereits Zertifizierungen und Erfahrung? Der Talent Report analysiert, wie deine Qualifikationen bei Arbeitgebern ankommen — und wo du noch nachlegen kannst.
Häufige Fragen zu Dolmetscher-Zertifikaten
Welche Qualifikation ist für Dolmetscher am wichtigsten?
Das hängt vom Einsatzbereich ab: Für Gerichtsdolmetschen ist die allgemeine Beeidigung Pflicht. Für Konferenzdolmetschen ist ein M.A. im Konferenzdolmetschen oder die AIIC-Mitgliedschaft der Standard. Die staatliche Prüfung ist der wichtigste Nachweis ohne Hochschulabschluss. Grundsätzlich gilt: Ohne mindestens eine dieser formalen Qualifikationen sind professionelle Aufträge schwer zu bekommen.
Lohnt sich die AIIC-Mitgliedschaft?
Für Konferenzdolmetscher mit Ambitionen auf internationale Aufträge (EU, UN, große Konzerne) ist die AIIC-Mitgliedschaft sehr wertvoll. Sie ist der weltweit anerkannte Qualitätsstandard und öffnet Türen zu den bestbezahlten Aufträgen. Die Hürde ist hoch (150+ Einsatztage, 3 Bürgschaften), aber der Return on Investment ist klar positiv.
Brauche ich als Dolmetscher CAT-Tools?
CAT-Tools (Computer-Assisted Translation) wie SDL Trados oder memoQ sind primär für Übersetzer relevant. Dolmetscher nutzen sie hauptsächlich für Terminologiemanagement und Glossarerstellung bei der Einsatzvorbereitung. Eine formale Zertifizierung ist für reine Dolmetscher selten nötig, aber Grundkenntnisse in Terminologiedatenbanken sind hilfreich.
Wie werde ich beeidigt?
Die allgemeine Beeidigung erfolgt durch ein Landgericht. Du brauchst: einen qualifizierten Abschluss (Studium oder staatliche Prüfung), ein polizeiliches Führungszeugnis, einen Wohnsitz im Gerichtsbezirk (je nach Bundesland) und einen Antrag beim zuständigen Landgericht. Die Anforderungen variieren erheblich zwischen den Bundesländern — informiere dich beim zuständigen OLG oder Landgericht.
Welche Weiterbildung hat den größten Impact für Dolmetscher?
Für den Einstieg: staatliche Prüfung und/oder Beeidigung als formale Grundlage. Für die Karriere: AIIC-Mitgliedschaft als Qualitätssiegel. Für das Tagesgeschäft: Fachterminologie in einem Spezialgebiet (Recht, Medizin, Technik) aufbauen — Fachspezialisierung erhöht die Auftragslage und das Honorar am stärksten.
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