Gehaltsvorstellung in der Bewerbung: Was die Zahl wirklich auslöst

Eine pauschale Antwort gibt es nicht, aber eine Regel, die fast niemand kennt. Deine Zahl wird nicht als Bedingung gelesen. Sie wird als Richtung gelesen. Entscheidend ist deshalb nicht, wie du die Zahl formulierst, sondern ob du weißt, worauf sie sich stützt.

Wer nicht weiß, was er wert ist, kann in der Gehaltsverhandlung nur verlieren.
Dr. Georg Lamers

Eine Gehaltsangabe in der Bewerbung ist immer ein Schuss ins Blaue. Sie kann nur heißen: im Bereich von. Zum Zeitpunkt, an dem du deine Unterlagen einreichst, weißt du nicht, wie viel Verantwortung wirklich in der Stelle steckt, was schon steht und was erst im Aufbau ist. Die Rahmenbedingungen kennst du nicht. Wer mit der Haltung hineingeht, seine Zahl sei hart gesetzt, macht einen großen Fehler. Unternehmen lesen sie ohnehin nicht so. Sie lesen: der Kandidat wünscht ein Gehalt im Bereich von. Und laden ein.

Warum das keine Zuspitzung ist

Ohne Selbsteinschätzung gibt es vier mögliche Ausgänge, und alle vier kosten dich etwas.

  • Zu hoch, und du bekommst eine Absage: Die Forderung steht in keinem Verhältnis, weder zur Position noch zu dem, was du an Kompetenz, Qualifikation und Stationen mitbringst.
  • Zu hoch, und du bekommst die Stelle: Das ist der Fall, den alle für den Gewinn halten, und er ist der teuerste. Du bist de facto überbezahlt und wirst die Leistung, die zu diesem Gehalt gehört, nicht erbringen können. Am Ende steht ein Beurteilungsgespräch, das weder dein Vorgesetzter noch du führen möchte. Das Problem ist nicht gelöst, es ist verschoben.
  • Zu tief, und du bekommst die Stelle: Dann verlierst du bares Geld, und zwar jeden Monat aufs Neue. Es summiert sich, bis das Unternehmen deine Leistung erkennt und entsprechend honoriert. Falls es das überhaupt tut.
  • Deutlich zu tief: Dann wirkst du verzweifelt und wirst genauso aussortiert wie der, der zu hoch gegriffen hat.

Es gibt in dieser Aufstellung keine Richtung, in die man sich irren kann, ohne zu bezahlen. Das ist der Grund für den Satz oben.

Wenn du über der Spanne liegst und es wert bist

Dann wird verhandelt, und zwar in den meisten Fällen. Gehalt ist nicht in Stein gemeißelt. Selbst in tarifgebundenen Unternehmen gibt es Optionen, wenn der Kandidat sie rechtfertigt. Der Unterschied zum Fall oben liegt nicht in der Höhe der Zahl, sondern darin, ob sie begründet ist.

Sichtbar wird das sofort. Gehaltsbänder sind recherchierbar: amtliche Zahlen, Werte aus tarifgebundenen Unternehmen, Branchenverzeichnisse, regionale Gehaltsklassen nach Position und Bezeichnung. Wer eine Zahl nennt, die zu nichts davon passt, hat erkennbar keine Mühe investiert. Das ist der eigentliche Ausschlussgrund, nicht die Höhe.

Der häufigste Fehler

Viele setzen bewusst hoch an, um sich herunterhandeln zu lassen. Das ist falsch. Die Zahl gehört an den eigenen Marktwert, an die Stelle, an die Region und an die bekannten Anforderungen. Sonst nichts.

Wenn sich im Gespräch zeigt, dass die Verantwortung größer und die Anforderungen höher sind als in der Ausschreibung erkennbar, lässt sich eine einmal genannte Zahl nach oben korrigieren. Diesen Weg gibt es. Der Umweg über eine überhöhte Forderung kostet dagegen das Gespräch, in dem du ihn hättest gehen können.

Wenn du etwas zu tief ansetzt

Kommt darauf an, wie weit. Wer seinen Marktwert kennt und eine realistische Zahl nennt, mit der er zufrieden wäre, ist nicht ausgeschlossen, auch wenn die Stelle höher dotiert ist. Ein Unternehmen, das es ernst meint, bewertet dich und macht ein Angebot, das zur Position und zur Person passt. Nicht eines, das an deiner Zahl klebt. Das heißt in aller Deutlichkeit: du kannst ein höheres Angebot bekommen, als du selbst genannt hast.

Die Richtung ist nicht nur nach unten

Das verstehen viele nicht, und es ist trotzdem Realität. Eine Gehaltsverhandlung muss nicht zwangsläufig nach unten laufen. Sie kann genauso gut nach oben laufen. Wichtig ist nur eines: überspann den Bogen nicht. Dass jemand beim Wechsel mehr verdienen möchte als bisher, ist selbstverständlich und nachvollziehbar. Aber überspann den Bogen nicht.

Wie du die Spanne findest

Vor dreißig Jahren war der Schuss ins Blaue Realität. Ältere Kollegen berichten genau das. Heute ist es so einfach wie nie, eine Spanne zu identifizieren. Niemals auf den Euro genau, nicht einmal auf den Tausender. Das spielt aber keine Rolle, weil die Grenzen ohnehin nicht hart gesetzt sind. Es geht nur darum, sich nicht selbst ins Aus zu schießen, indem man das Band massiv überreizt oder deutlich darunter liegt. Wer es wissen will, bringt es mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit in Erfahrung, und zwar erstaunlich präzise. Amtliche Verdienstdaten nach Beruf sind öffentlich. Für einen ersten Anhaltspunkt kannst du den Gehaltsrechner nutzen, der auf der Verdiensterhebung des Statistischen Bundesamts beruht.

Was das Unternehmen wirklich rechnet

Und dann gibt es noch die Rechnung, die niemand veröffentlicht. Unternehmen unterscheiden zwischen Einsteigern, Entwicklungskandidaten und Senioren. Dahinter steht eine schlichte Überlegung: wie viel muss das Unternehmen noch investieren, bis es einen fertigen Kandidaten hat? Das sind Kosten und das ist Zeit, und beides schlägt sich im Gehalt nieder. Wenn du verstehst, wo du in dieser Rechnung stehst, verstehst du auch, warum zwei Menschen mit derselben Berufsbezeichnung unterschiedlich bezahlt werden.

Und wenn du trotzdem eine Zahl ins Formular tippen musst

Dann nenn die Zahl, die zu deinem Marktwert, zur Stelle und zur Region passt, und behandle sie als das, was sie ist: eine Richtung. Wer nicht weiß, was er wert ist, muss an dieser Stelle noch einmal von vorne anfangen und sich mit sich selbst auseinandersetzen. Das ist keine Ausrede, das ist die eigentliche Vorarbeit.

Wenn du diese Vorarbeit nicht allein machen willst: Der Applicant Talent Report stellt deinen Werdegang Anforderung für Anforderung neben eine konkrete Stelle und zeigt, was belegt ist und was nicht.

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Und wenn es dir zuerst um deine heutige Zahl geht: Der Entgeltcheck ordnet dein Gehalt auf Basis der Destatis-Verdiensterhebung ein.