Brauche ich überhaupt ein Anschreiben?
Die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an. Der Trend geht in vielen Branchen weg vom Anschreiben – aber es gibt Situationen, wo es weiterhin wichtig ist:
Anschreiben sinnvoll bei:
- • Klassischen Branchen (Öffentlicher Dienst, Mittelstand)
- • Wenn explizit gefordert
- • Quereinstieg oder Branchenwechsel
- • Erklärungsbedürftiger Lebenslauf
Oft verzichtbar bei:
- • Startups und Tech-Unternehmen
- • Wenn nicht gefordert
- • Bewerbungsportale ohne Upload-Feld
- • Initiativbewerbungen per LinkedIn
Der Aufbau eines Anschreibens
Ein gutes Anschreiben folgt einer klaren Struktur. Von oben nach unten:
Kopfzeile
Deine Kontaktdaten, Datum, Empfängeradresse. Formal korrekt, aber nicht überladen.
Betreffzeile
Klar und konkret: „Bewerbung als [Position] – Kennziffer [falls vorhanden]"
Einleitung (2-3 Sätze)
Wecke Interesse. Kein „Hiermit bewerbe ich mich..." – stattdessen: Was macht dich für diese Stelle besonders?
Hauptteil (2-3 Absätze)
Deine Qualifikation + Passung zur Stelle. Mit konkreten Beispielen und Bezug zu den Anforderungen.
Schluss (1-2 Sätze)
Selbstbewusster Abschluss mit Handlungsaufforderung. Freue dich auf das Gespräch.
Die Einleitung: Interesse wecken
Der erste Satz entscheidet, ob weitergelesen wird. Vermeide Standardfloskeln:
Vermeiden
"Hiermit bewerbe ich mich auf die ausgeschriebene Stelle..."
Besser
"Nach drei Jahren erfolgreicher Projektleitung bei X bringe ich genau die Erfahrung mit, die Sie für Ihre neue Position suchen."
Vermeiden
"Mit großem Interesse habe ich Ihre Stellenanzeige gelesen..."
Besser
"Ihr Fokus auf nachhaltige Produktentwicklung hat mich sofort angesprochen – denn genau dort liegt meine Expertise."
Der Hauptteil: Überzeugen mit Substanz
Im Hauptteil zeigst du, warum du zur Stelle passt. Drei Prinzipien:
1. Anforderungen aufgreifen
Nimm 2-3 Schlüsselanforderungen aus der Stellenausschreibung und zeige konkret, dass du sie erfüllst.
2. Belege liefern
Nicht behaupten, sondern beweisen. „Ich habe Erfahrung in X" wird zu „Bei Y habe ich X erfolgreich umgesetzt, was zu Z führte."
3. Mehrwert zeigen
Nicht nur, was du kannst – sondern was das Unternehmen davon hat. Denke aus Arbeitgeberperspektive.
Diese Anschreiben-Fehler vermeiden
Lebenslauf nacherzählen: Das Anschreiben ergänzt den CV, es kopiert ihn nicht.
Zu lang: Mehr als eine Seite wird selten gelesen. Kürze ist Respekt vor der Zeit des Lesers.
Keine Individualisierung: Copy-Paste-Anschreiben werden sofort erkannt. Jede Stelle verdient ein eigenes.
Konjunktiv-Unsicherheit: „Ich würde mich freuen..." wirkt unsicher. „Ich freue mich..." ist selbstbewusst.
Mehr zu Fehlern? Hier findest du alle typischen Bewerbungsfehler →
Der Schluss: Selbstbewusst abschließen
Der letzte Eindruck zählt. Beende dein Anschreiben selbstbewusst:
Gute Schlussformulierungen:
- • „Ich freue mich auf ein persönliches Gespräch, in dem ich Sie von meinen Qualifikationen überzeuge."
- • „Gerne erläutere ich Ihnen in einem Gespräch, wie ich Ihr Team verstärken kann."
- • „Für Rückfragen stehe ich Ihnen jederzeit zur Verfügung."
Vermeiden: „Über eine positive Rückmeldung würde ich mich sehr freuen" – klingt unsicher und unterwürfig.
Häufige Fragen zum Anschreiben
Wie lang sollte ein Anschreiben sein?
Muss ich im Anschreiben mein Gehalt nennen?
Wie gehe ich mit Lücken im Lebenslauf um?
Soll ich erwähnen, warum ich meinen aktuellen Job verlassen will?
Wie persönlich darf ein Anschreiben sein?
Was, wenn ich den Ansprechpartner nicht kenne?
Brauche ich für jede Bewerbung ein neues Anschreiben?
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Dein Lebenslauf – mindestens genauso wichtig
Selbst das beste Anschreiben hilft nicht, wenn der Lebenslauf nicht überzeugt. Oft ist der CV sogar entscheidender.
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