Schreib-Anleitung

Anschreiben schreiben – So überzeugst du

Der richtige Aufbau, überzeugende Formulierungen und was Recruiter wirklich lesen wollen. Schritt für Schritt zum gelungenen Anschreiben.

Brauche ich überhaupt ein Anschreiben?

Die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an. Der Trend geht in vielen Branchen weg vom Anschreiben – aber es gibt Situationen, wo es weiterhin wichtig ist:

Anschreiben sinnvoll bei:

  • • Klassischen Branchen (Öffentlicher Dienst, Mittelstand)
  • • Wenn explizit gefordert
  • • Quereinstieg oder Branchenwechsel
  • • Erklärungsbedürftiger Lebenslauf

Oft verzichtbar bei:

  • • Startups und Tech-Unternehmen
  • • Wenn nicht gefordert
  • • Bewerbungsportale ohne Upload-Feld
  • • Initiativbewerbungen per LinkedIn

Der Aufbau eines Anschreibens

Ein gutes Anschreiben folgt einer klaren Struktur. Von oben nach unten:

1

Kopfzeile

Deine Kontaktdaten, Datum, Empfängeradresse. Formal korrekt, aber nicht überladen.

2

Betreffzeile

Klar und konkret: „Bewerbung als [Position] – Kennziffer [falls vorhanden]"

3

Einleitung (2-3 Sätze)

Wecke Interesse. Kein „Hiermit bewerbe ich mich..." – stattdessen: Was macht dich für diese Stelle besonders?

4

Hauptteil (2-3 Absätze)

Deine Qualifikation + Passung zur Stelle. Mit konkreten Beispielen und Bezug zu den Anforderungen.

5

Schluss (1-2 Sätze)

Selbstbewusster Abschluss mit Handlungsaufforderung. Freue dich auf das Gespräch.

Die Einleitung: Interesse wecken

Der erste Satz entscheidet, ob weitergelesen wird. Vermeide Standardfloskeln:

Vermeiden

"Hiermit bewerbe ich mich auf die ausgeschriebene Stelle..."

Besser

"Nach drei Jahren erfolgreicher Projektleitung bei X bringe ich genau die Erfahrung mit, die Sie für Ihre neue Position suchen."

Vermeiden

"Mit großem Interesse habe ich Ihre Stellenanzeige gelesen..."

Besser

"Ihr Fokus auf nachhaltige Produktentwicklung hat mich sofort angesprochen – denn genau dort liegt meine Expertise."

Der Hauptteil: Überzeugen mit Substanz

Im Hauptteil zeigst du, warum du zur Stelle passt. Drei Prinzipien:

1. Anforderungen aufgreifen

Nimm 2-3 Schlüsselanforderungen aus der Stellenausschreibung und zeige konkret, dass du sie erfüllst.

2. Belege liefern

Nicht behaupten, sondern beweisen. „Ich habe Erfahrung in X" wird zu „Bei Y habe ich X erfolgreich umgesetzt, was zu Z führte."

3. Mehrwert zeigen

Nicht nur, was du kannst – sondern was das Unternehmen davon hat. Denke aus Arbeitgeberperspektive.

Diese Anschreiben-Fehler vermeiden

!

Lebenslauf nacherzählen: Das Anschreiben ergänzt den CV, es kopiert ihn nicht.

!

Zu lang: Mehr als eine Seite wird selten gelesen. Kürze ist Respekt vor der Zeit des Lesers.

!

Keine Individualisierung: Copy-Paste-Anschreiben werden sofort erkannt. Jede Stelle verdient ein eigenes.

!

Konjunktiv-Unsicherheit: „Ich würde mich freuen..." wirkt unsicher. „Ich freue mich..." ist selbstbewusst.

Der Schluss: Selbstbewusst abschließen

Der letzte Eindruck zählt. Beende dein Anschreiben selbstbewusst:

Gute Schlussformulierungen:

  • • „Ich freue mich auf ein persönliches Gespräch, in dem ich Sie von meinen Qualifikationen überzeuge."
  • • „Gerne erläutere ich Ihnen in einem Gespräch, wie ich Ihr Team verstärken kann."
  • • „Für Rückfragen stehe ich Ihnen jederzeit zur Verfügung."

Vermeiden: „Über eine positive Rückmeldung würde ich mich sehr freuen" – klingt unsicher und unterwürfig.

Häufige Fragen zum Anschreiben

Wie lang sollte ein Anschreiben sein?
Maximal eine DIN-A4-Seite. Recruiter haben wenig Zeit – alles, was über eine Seite hinausgeht, wird oft nicht vollständig gelesen. Konzentriere dich auf das Wesentliche.
Muss ich im Anschreiben mein Gehalt nennen?
Nur wenn es explizit in der Stellenausschreibung gefordert wird. Dann eine realistische Spanne angeben, z.B. „Meine Gehaltsvorstellung liegt bei 55.000-60.000 € brutto jährlich."
Wie gehe ich mit Lücken im Lebenslauf um?
Im Anschreiben kurz und positiv erwähnen, wenn relevant. Etwa: „Nach meiner Elternzeit bin ich motiviert, meine Erfahrung in X einzubringen." Nicht verstecken, aber auch nicht überbetonen.
Soll ich erwähnen, warum ich meinen aktuellen Job verlassen will?
Nur positiv formuliert. Nicht: „Mein Chef ist furchtbar." Sondern: „Ich suche neue Herausforderungen im Bereich X" oder „Ich möchte mich in Richtung Y entwickeln."
Wie persönlich darf ein Anschreiben sein?
Authentisch, aber professionell. Persönliche Motivation ist gut, private Details sind fehl am Platz. Zeige Begeisterung für die Stelle, nicht für dein Privatleben.
Was, wenn ich den Ansprechpartner nicht kenne?
Versuche, ihn herauszufinden (LinkedIn, Telefonat). Wenn wirklich nicht möglich: „Sehr geehrte Damen und Herren" ist akzeptabel, aber ein konkreter Name ist immer besser.
Brauche ich für jede Bewerbung ein neues Anschreiben?
Ja. Ein Anschreiben, das nicht auf die konkrete Stelle eingeht, wird sofort erkannt und aussortiert. Bausteine wiederverwenden ist okay, aber individuell anpassen ist Pflicht.

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Dein Lebenslauf – mindestens genauso wichtig

Selbst das beste Anschreiben hilft nicht, wenn der Lebenslauf nicht überzeugt. Oft ist der CV sogar entscheidender.

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